Corona-Ausbruch WHO-Chef warnt vor weltweiter Knappheit an Schutzausrüstung

25 Länder haben inzwischen Coronafälle gemeldet. Obwohl sich ein Großteil der Infektionen auf China beschränkt, droht weltweit ein Mangel an Schutzkleidung. Auch in Deutschland gibt es Lieferprobleme.
Mitarbeiter eines Labors in Wuhan untersuchen Proben möglicher Coronapatienten

Mitarbeiter eines Labors in Wuhan untersuchen Proben möglicher Coronapatienten

Foto: STR/ AFP

Die Corona-Epidemie in China führt nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit zu einem Engpass an Schutzkleidung. "Wie Sie sich vielleicht vorstellen können, kämpft die Welt gegen einen Mangel an persönlicher Schutzausrüstung", sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Freitag in Genf. Weltweit gehen seinen Angaben zufolge Schutzmasken und andere Schutzausrüstung aus.

Die Nachfrage nach Schutzausrüstung sei aktuell 100 Mal höher als normalerweise, die Preise um das bis zu Zwanzigfache gestiegen, berichtet die WHO. Grund dafür sei der weitläufige Einsatz abseits der Versorgung von Patienten. Die WHO bezieht sich dabei nicht auf einen einfachen Mundschutz, wie er etwa im OP getragen wird. Stattdessen geht es unter anderem um Atemmasken, die eine höhere Sicherheit bieten.

Auch in Deutschland gibt es Lieferprobleme, wie die Stuttgarter Gehe Pharma Handel GmbH bestätigte. Der Großhändler für Medikamente und andere Produkte beliefert vor allem Apotheken. "Die Nachfrage nach Atemschutzmasken aller Klassen ist seit der medialen Präsenz des Coronavirus extrem hoch. Auch wenn wir seit der gestiegenen Nachfrage unsere Bestände aufgestockt haben, sind wir derzeit leider nicht mehr lieferfähig", so ein Sprecher bereits Mitte der Woche gegenüber dem SPIEGEL.

Manche Apotheken waren so findig, dass sie sogar bei Händlern wie Promat nachfragten, ob sie dort Masken erhalten könnten. Promat ist eigentlich auf Ware für Handwerksbetriebe spezialisiert - offenbar sollten Masken, die im Fertigungsbereich als Schutz vor Partikeln dienen, aufgekauft werden.

3M fährt Schutzmasken-Produktion hoch

Einer der weltweit führenden Hersteller von Schutzmasken, 3M, verzeichnet besonders große Nachfrage. Ein Sprecher der deutschen Division sagte, man habe die Produktion "sehr schnell" hochgefahren. "Bei der globalen Versorgung mit Atemschutzprodukten räumen wir den vom Coronavirus betroffenen Gebieten mit dem größten Bedarf Vorrang ein und wir achten gleichzeitig darauf, den Bedarf unserer bestehenden Kunden weiter decken zu können", so der 3M-Sprecher.

Dort wo Masken ohnehin regelmäßig gebraucht werden, etwa wenn Patienten mit bestimmten ansteckenden Erkrankungen behandelt und transportiert werden müssen, sieht man sich hingegen gut gerüstet. Die Frankfurter Berufsfeuerwehr sagte, dass "bei den einschlägigen Lieferanten für Rettungsdienstbedarf" derzeit "einige Produkte für den Infektionsschutz aufgrund der aktuellen Coronaviruslage" nicht lieferbar seien. Die Branddirektion Frankfurt am Main sei jedoch trotzdem gut gerüstet.

Auch die Feuerwehren Hamburg, Köln oder München, die auch den Rettungs- und Notarztdienst organisieren, befürchten derzeit keine Engpässe. Ein Sprecher der Hamburger Feuerwehr sagte: "Die Bestände an Schutzmasken wurden bereits aufgestockt." Schutzanzüge, Reinigungsmittel und anderes Material seien "ausreichend vorhanden".

Chinas Präsident warnt Trump vor Überreaktion

In China ist die Zahl der bestätigten Infektionen bis Donnerstagabend auf 31.161 gestiegen. Die Zahlen scheinen sich leicht stabilisiert zu haben. Donnerstag war der zweite Tag in Folge, in dem nicht mehr Ansteckungen als am Vortag gemeldet wurden. Noch ist es allerdings zu früh, daraus Rückschlüsse auf den Ausbruch zu ziehen. Möglich ist zum Beispiel auch, dass die gemeldeten Fälle momentan aufgrund von Engpässen bei Tests zurückgehen.

Die Zahl der Todesfälle ist bis Donnerstagnacht auf 636 gestiegen. Innerhalb eines Tages kamen 73 Todesfälle hinzu. Außerhalb Chinas wurden mittlerweile in 24 Ländern mehr als 270 Infektionen und zwei Todesfälle bestätigt. In Deutschland gab es Donnerstag einen 13. Fall.

In einem Telefonat mit US-Präsident Donald Trump verwies Chinas Präsident Xi Jinping am Freitag ausdrücklich auf die WHO, diese habe Länder vor Überreaktionen aufgrund des Ausbruchs gewarnt. Er hoffe, dass die USA "ruhig" die Lage einschätzten und ihre Maßnahmen "angemessen" träfen und anpassten.

Xi Jinping bezog sich damit offensichtlich auf das vor einer Woche erlassene Einreiseverbot der USA für chinesische Staatsbürger und Ausländer, die in China waren. Eine chinesische Sprecherin hatte den USA vorgeworfen, "Angst zu schüren und zu verbreiten".

Daneben gab sich Xi zuversichtlich, dass China die Epidemie in den Griff bekommt. Der Kampf gegen die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus befinde sich in einer "entscheidenden Phase", sagte er. Das ganze Land sei mobilisiert und habe sehr strenge Maßnahmen zur Vorbeugung ergriffen. "Wir sind vollauf zuversichtlich und in der Lage, die Epidemie zu besiegen."

Zwei Kreuzfahrtschiffe unter Quarantäne

Wegen Virusfällen werden in Japan und Hongkong zwei Kreuzfahrtschiffe mit rund 7000 Passagieren und Besatzungsmitgliedern in Quarantäne festgehalten. Auf der "Diamond Princess" vor Yokohama erhöhte sich die Zahl der Ansteckungen an Bord auf 61, wie das Gesundheitsministerium bekannt gab. Die Infizierten wurden in Krankenhäuser gebracht.

Die übrigen der insgesamt 2666 Passagiere sowie 1045 Crewmitglieder sollen bis zum 19. Februar an Bord bleiben, betroffen sind auch mehrere deutsche Urlauber. Ausgangspunkt der Tests war ein 80 Jahre alter Mann aus Hongkong, der nach seiner Reise positiv getestet worden war.

Untersuchungen laufen auch auf einem Kreuzfahrtschiff in Hongkong, auf dem mehr als 1800 Passagiere und 1800 Crewmitglieder festsitzen. Bei drei Passagieren, die im Januar mit der "World Dream" gereist waren, war das Virus festgestellt worden.

Da das Schiff seither noch dreimal in Hongkong angelegt hatte, wurden weitere 5000 Passagiere aufgefordert, Kontakt mit den Behörden aufzunehmen, wenn sie sich nicht wohlfühlen. Weitere Infektionen wurden aber zunächst nicht bekannt.

Alle Artikel zum Coronavirus

Am 31. Dezember 2019 wandte sich China erstmals an die Weltgesundheitsorganisation (WHO). In der Millionenstadt Wuhan häuften sich Fälle einer rätselhaften Lungenentzündung. Mittlerweile sind mehr als 180 Millionen Menschen weltweit nachweislich erkrankt, die Situation ändert sich von Tag zu Tag. Auf dieser Seite finden Sie einen Überblick über alle SPIEGEL-Artikel zum Thema.

irb/mum/AFP/dpa
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