Ergebnisse der Wuhan-Mission WHO kann Übertragung des Coronavirus auf den Menschen nicht abschließend klären

Nach Einschätzung der WHO spielt ein Zwischenwirt eine entscheidende Rolle beim Ursprung der Pandemie. Die These eines Laborunfalls wird dagegen nicht weiter verfolgt.
WHO-Pressekonferenz: Unklar, wie das Virus in den Menschen gelangt ist

WHO-Pressekonferenz: Unklar, wie das Virus in den Menschen gelangt ist

Foto: ALY SONG / REUTERS

Die Expertenmission der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat während ihres mehrwöchigen Aufenthalts  in der chinesischen Stadt Wuhan nicht abschließend klären können, wie das neuartige Coronavirus auf den Menschen übergegangen ist.

Das Tier, auf das die Übertragung auf den Menschen vermutlich zurückzuführen sei, sei noch nicht gefunden worden, teilten die WHO-Experten und ihre ebenfalls an der Untersuchung beteiligten chinesischen Kollegen am Dienstag bei einer Abschluss-Pressekonferenz in Wuhan mit.

Der dänische Wissenschaftler und WHO-Programmmanager Peter Ben Embarek erklärte, die Kommission halte eine Übertragung von einer Fledermaus über einen Zwischenwirt für wahrscheinlich.

Ein Laborunfall als Ursache ist nach Einschätzung der Experten dagegen »extrem unwahrscheinlich«, so Embarek zu entsprechenden Spekulationen. Ob das Virus auch über Tiefkühlprodukte weiterverbreitet worden sein könnte, müsse noch genauer untersucht werden.

Keine direkte Nähe zu Fledermäusen

Schon früh waren Experten davon ausgegangen, dass Fledermäuse die ursprünglichen Wirte des Coronavirus waren. Da sich der Markt in Wuhan, in dessen Zusammenhang erste Fälle bekannt geworden waren, jedoch nicht in der Nähe des Lebensraums von Fledermäusen befinde, sei es unwahrscheinlich, dass der Erreger dort direkt von solch einem Tier auf den Menschen übergegangen sei, hieß es.

Stichhaltige Hinweise, dass es bereits deutlich vor Dezember 2019 Infektionen mit Sars-CoV-2 beim Menschen gab, liegen nach Einschätzung der Fachleute ebenfalls nicht vor. Der Leiter des chinesischen Wissenschaftlerteams, Liang Wannian, erklärte, dass sich das Virus vor dem offiziell dokumentierten Ausbruch in China Ende 2019 nicht wesentlich verbreitet habe.

Zudem seien nicht alle Erstfälle in Wuhan auf Marktbesuche zurückzuführen. Auf dem Markt in Wuhan seien vor allem gefrorene Waren verkauft worden, zu einem großen Teil Meerestiere, aber auch ungefrorene Wildtiere, hieß es.

Labor-These ausgeschlossen

Das Expertenteam der WHO war am 14. Januar in Wuhan eingetroffen. Nach zweiwöchiger Quarantäne besuchte es ab Ende Januar unter anderem mehrere Krankenhäuser, Institute, Labors und auch den Huanan-Markt, wo erste erfasste Infektionen mit dem Virus aufgetreten waren.

Vier Thesen wurden geprüft:

  1. Eine direkte Übertragung von einem Tier auf den Menschen

  2. Eine Übertragung über einen Zwischenwirt, also ein anderes Tier als eine Fledermaus

  3. Eine Übertragung über Lebensmittel

  4. Ein Vorfall in einem Labor, bei dem das Virus in die Umwelt gelangte.

Die Experten studierten dazu unter anderem Fachliteratur. Die nun präferierte These, dass ein Zwischenwirt das Virus zum Menschen gebracht hat, dürfte auch dadurch gestützt werden, dass bei den anderen pandemischen Coronaviren Sars-1 und Mers von solch einem Vorgang ausgegangen wird.

Im Fall von Sars-1 stehen Schleichkatzen im Verdacht, das Virus zum Menschen gebracht zu haben. Mers, das im Menschen zwischenzeitlich vor allem auf der arabischen Halbinsel auftrat, wurde in Dromedaren nachgewiesen.

Die Experten würden weiterhin drei der vier Thesen verfolgen, um genauere Erkenntnisse zu erhalten, so Embarek. Dass das Virus aus einem Labor in Wuhan stammt, halten die Experten dagegen für so unwahrscheinlich, dass sie den Ansatz nicht weiter prüfen wollen.

In Wuhan wurde Ende 2019 der weltweit erste Infektionsherd des damals neuartigen Erregers festgestellt, an dem inzwischen mehr als 2,3 Millionen Menschen weltweit starben. Die Ermittlungen folgten erst nach langem Tauziehen mit der chinesischen Seite. Die Suche nach der Herkunft des Erregers gilt als politisch heikel, da China befürchtet, als Schuldiger für die Pandemie angeprangert werden zu können.

jme/AFP/Reuters