Neues Coronavirus So funktioniert der Schnelltest

Der Nachweis einer Infektion dauert 1,5 Stunden - wenn die Probe in einem geeigneten Labor angekommen ist.
Eine Mitarbeiterin der Charité bereitet einen Test auf das Coronavirus vor (Aufnahme vom 21. Januar)

Eine Mitarbeiterin der Charité bereitet einen Test auf das Coronavirus vor (Aufnahme vom 21. Januar)

Foto: AXEL SCHMIDT/ REUTERS

Das neue Coronavirus ist erst seit wenigen Wochen bekannt. Dennoch hat ein Team um Christian Drosten von der Berliner Charité bereits ein Nachweisverfahren für den neuen Erreger entwickelt, das weltweit zur Verfügung steht.

"Wir testen respiratorische Sekrete, also das, was die Betroffenen hochhusten oder einen Rachenabstrich", erklärt Drosten. Diese Probe müssen Ärzte anschließend an ein Labor schicken, das den Test durchführen kann. Anfangs war das nur die Charité in Berlin, inzwischen sind Unikliniken deutschlandweit dazu in der Lage.

Wie schnell bekommen möglicherweise Erkrankte ein Ergebnis?

Martin Hoch vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit bezifferte die Zeit auf vier bis fünf Stunden. "Inzwischen geht es schnell, da hier direkt Diagnostik möglich ist", sagte er auf einer Pressekonferenz, nachdem der erste Fall mit dem neuen Coronavirus in Deutschland bekannt geworden war.

Der Test selbst dauert laut Drosten im Labor circa 1,5 Stunden. Die restliche Zeit entfällt auf die Logistik innerhalb und außerhalb des Labors.

Vorgehen bei einem Coronaverdacht in Deutschland

Als Verdachtsfall gilt in Deutschland:

  • Wer irgendeine Form von akuten Atemwegsbeschwerden entwickelt und innerhalb der vergangenen 14 Tage mit einem bestätigten Coronapatienten Kontakt hatte oder

  • wer klinische oder radiologische Hinweise auf eine akute Infektion der unteren Atemwege, also zum Beispiel eine Lungenentzündung, und sich bis maximal 14 Tage vor Beginn der Erkrankung in einem Risikogebiet aufgehalten hat. Als Risikogebiet gilt aktuell nur die chinesische Provinz Hubei.

Der Patient sollte in einem Zimmer isoliert werden, bis der Verdacht abgeklärt ist. Wer mit ihm in Kontakt tritt, muss einen Schutzkittel, Handschuhe, eine Schutzbrille sowie eine geeignete Atemmaske tragen. Parallel wird das Gesundheitsamt informiert und eine Probe an ein geeignetes Labor geschickt.

Gezielte Medikamente gegen den Erreger selbst gibt es bislang noch nicht. Bestätigt sich der Verdacht, versuchen Ärzte deshalb vor allem, die Beschwerden des Erkrankten zu lindern. Für die gesamte Erkrankungszeit bleibt der Patient in einem Isolierzimmer mit einem Vorzimmer, im besten Fall einer Schleuse.

Wie funktioniert der Test?

Das Verfahren basiert auf einer sogenannten Polymerase-Kettenreaktion (PCR). Dabei wird ein DNA-Strang vervielfältigt, um das Erbgut des Virus - falls es vorhanden ist - nachweisen zu können. PCR-Tests gehören zu den Standardverfahren in Laboren. Sie werden unter anderem auch zur Abklärung von Erbkrankheiten oder zur Feststellung der Vaterschaft angewendet.

Ein Vorteil des Verfahrens ist, dass bereits geringste Virus-Mengen zu einem zuverlässigen Testergebnis führen. Trotzdem schließe ein negatives Testergebnis die Möglichkeit einer Infektion nicht vollständig aus, warnt das Robert Koch-Institut mit Blick auf das neue Coronavirus. Unter anderem aus diesem Grund, werden momentan auch nicht alle Kontaktpersonen aus dem engeren Umfeld des Infizierten getestet, sagte die bayerische Staatsministerin für Gesundheit, Melanie Huml. Falsche, negative Ergebnisse könnten etwa

  • aufgrund einer schlechten Probenqualität,

  • eines unsachgemäßen Transports (die Probe sollte gekühlt werden),

  • eines ungünstigen Zeitpunkts der Probenentnahme oder

  • aus anderen Gründen wie einer Mutation der Virus nicht ausgeschlossen werden.

Aus diesem Grund rät das RKI dazu, bei Patienten mit einem starken Verdacht auf das neue Coronavirus und einem ersten negativen Test, eine weitere Untersuchung anzuordnen.

Wie werden die Proben innerhalb Deutschlands verschickt?

Die Proben gelten als "Biologischer Stoff, Kategorie B" und müssen in drei Schichten verpackt werden: Erst kommt der Tupfer mit dem Abstrich in ein Gefäß, etwa ein Röhrchen. Anschließend folgt ein zweites Gefäß, aus dem keine Flüssigkeiten austreten können und das mit saugfähigem Material ausgelegt ist. Schließlich folgt als Drittes die Außenverpackung.

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"Der Versand sollte über einen Paketdienst und nur nach Absprache mit dem untersuchenden Labor erfolgen", schreibt das Robert Koch-Institut . Auf seinem Weg durch Deutschland muss das Päckchen außerdem mit der Telefonnummer einer verantwortlichen Person sowie den Aufschriften "Biologischer Stoff, Kategorie B" und "UN 3373" versehen werden. Die UN-Nummer kennzeichnet die Ansteckungsgefahr eines Stoffes.

Das Coronavirus fällt damit nicht in die - am strengsten regulierte - Kategorie A. Als solche gelten Stoffe, die "bei einer Exposition bei sonst gesunden Menschen oder Tieren eine dauerhafte Behinderung oder eine lebensbedrohende oder tödliche Krankheit hervorrufen" können. Sie dürfen nur von speziellen Unternehmen befördert werden.

irb/kry