Coronavirus-Risikogruppe Wenn Raucher an Covid-19 erkranken

Atemwegsinfekte treffen Raucher im Schnitt härter als Nichtraucher. Das ist wahrscheinlich auch bei Covid-19 der Fall. Sogar die Ansteckungsgefahr könnte für Raucher höher sein.
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Rauchen ist ungesund: Zigarettenkonsum stresst die Atemwege und das Herz-Kreislauf-System und erhöht das Risiko für Lungenkrebs drastisch. Auch die Gefahr, an der schweren Lungenkrankheit COPD zu erkranken, die zu Atemnot führt und das Leben von Betroffenen stark einschränken kann, steigt.

Aktuell deutet sich an, dass Raucher ein höheres Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf haben, wenn sie sich mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 anstecken. Auch das Robert Koch-Institut (RKI) stuft Raucher als Risikogruppe ein . Zudem zeigte eine im Fachblatt "Jama" veröffentlichte Studie  mit knapp 1100 Patienten in China, dass sich unter den Patienten mit einem schweren Krankheitsverlauf mehr Raucher fanden als unter jenen mit einem milderen Verlauf - nämlich 17 statt 12 Prozent. Die Zahlen sind allerdings schwierig zu interpretieren vor dem Hintergrund, dass der Anteil der Raucher in China laut anderer Studien deutlich höher ist. So rauchten im Jahr 2015 rund 52 Prozent der männlichen Bevölkerung ab 15 Jahren, bei den Frauen waren es knapp drei Prozent.

Sowohl beim Ausbruch in China  als auch in Italien  zeigt sich, dass mehr Männer als Frauen an Covid-19 erkranken. Hängt dies eventuell damit zusammen, dass mehr Männer als Frauen rauchen? Die These haben einige Forscher schon aufgestellt, doch sicher weiß man es noch nicht. Es könnte auch mit Unterschieden in der Immunantwort auf Infekte zusammenhängen.

Klar ist dagegen, dass Covid-19 für Menschen mit einer Vorerkrankung gefährlicher ist als für zuvor Gesunde. Und Rauchen erhöht nicht nur das Risiko für COPD und Lungenkrebs, sondern gilt als Risikofaktor für Diabetes Typ-2 (siehe zum Beispiel hier  und hier ) und Herz-Kreislauf-Erkrankungen (siehe etwa hier  und hier ).

Auch ein Risiko: Hand-Mund-Kontakt

Das Zentrum für evidenzbasierte Medizin weist  zudem darauf hin, dass Rauchen grundsätzlich die Risiken erhöht, sich zum einen mit einem Atemwegsinfekt anzustecken und zum anderen, dass dieser einen schwereren Verlauf nimmt. Vor diesem Hintergrund wäre es überraschend, wenn dies bei Covid-19 nicht der Fall wäre.

Denn  allein schon das Rauchen an sich, bei dem die Finger mit dem Mund in Kontakt kommen, kann eine Ansteckung fördern, falls die Handhygiene nicht optimal war.

Wer raucht und sich einen Atemwegsinfekt eingefangen hat, profitiert von einem sofortigen Rauchstopp, weil das Risiko für eine Bronchitis oder Lungenentzündung sinkt.

Hört jemand mit dem Rauchen auf, hat dies schnell positive Effekte auf den Körper und die Gesundheit, schon nach drei Tagen verbessert sich die Funktion der Atemwege. Etwa nach einer Woche sinkt der Blutdruck. Anderes braucht etwas länger: Nach einem oder mehreren Monaten müssen ehemalige Raucher weniger husten, sind nicht mehr so kurzatmig und haben wieder seltener verstopfte Nasennebenhöhlen.

Mitarbeit: Claus Hecking