Temperaturen unter zehn Grad Wie Kälte die Corona-Ausbrüche in Schlachthöfen begünstigen könnte

In vielen Schlachthöfen häufen sich die Corona-Fälle. Neben prekären Arbeitsbedingungen könnte auch die Kälte in den Betrieben die Verbreitung des Virus beschleunigen. Für Verbraucher besteht aber keine Gefahr.
Mitarbeiter in einem Schlachtbetrieb (Symbolbild aus dem Archiv)

Mitarbeiter in einem Schlachtbetrieb (Symbolbild aus dem Archiv)

Foto: Ralph Orlowski/ Getty Images

Corona-Ausbrüche in Schlachthöfen sind nicht nur ein deutsches Problem. Auch in den USA mussten in den vergangenen Wochen zahlreiche Fleischfabriken wegen Krankheitsfällen schließen, in Irland infizierten sich ebenfalls Hunderte Mitarbeiter aus der Fleischindustrie.

Erklärt werden die Ausbrüche bislang vor allem mit prekären Arbeitsbedingungen, bei denen Mitarbeiter gedrängt am Fließband stehen und genauso beengt wohnen. Daneben könnte jedoch noch ein weiterer Faktor eine Rolle spielen, der die Verbreitung des Virus begünstigt: die niedrigen Temperaturen in den Fabriken.

Dass sie einen Einfluss haben könnten, nimmt auch Christian Drosten an, Experte für Coronaviren an der Charité in Berlin. "Ich stelle mir immer mehr die Frage, ob diese hohen Übertragungsaktivitäten in Schlachthöfen nicht etwas zeigen, das wir sonst im Winter weitläufig erleben - nämlich einen Temperatureffekt", sagte er in seinem Podcast beim "NDR" .

Nach dem Schlachten: Kühlen auf vier bis sieben Grad

Die Körper von Rindern und Schweinen müssen nach der Schlachtung möglichst schnell auf maximal sieben Grad, bei Geflügel sogar auf maximal vier Grad heruntergekühlt werden . Anschließend gilt es, die Kühlkette nicht zu unterbrechen. Die niedrigen Temperaturen sind wichtig, damit sich auf dem Fleisch keine Keime wie Salmonellen verbreiten.

Während die Kälte die Vermehrung vieler Bakterien bremst, begünstigt sie jedoch die Ausbreitung vieler Viren, die Atemwegserkrankungen auslösen, darunter auch die der Coronaviren. Sie können bei niedrigen Temperaturen außerhalb des Körpers deutlich länger überleben. Dies ist ein Grund, warum sich Menschen im Winter viel häufiger erkälten und an der Grippe erkranken. Ebenso könnte es dazu führen, dass sich auch Sars-CoV-2 im kommenden Winter besser verbreiten kann.

Experimente im Labor zeigen, dass auch Sars-Cov-2 empfindlich auf hohe Temperaturen reagiert, während der Erreger bei niedrigen Temperaturen lange überdauern kann:

  • Bei einem Versuch reichten bereits Temperaturen von 56 Grad aus, um die Viren innerhalb kurzer Zeit abzutöten. (Zum Reinigen des Mund-Nasen-Schutzes wird unter anderem ein Waschgang bei 60 Grad empfohlen.)

  • Bei Zimmertemperaturen von 21 Grad überlebten sie ein bis zwei Tage, zum Teil auch vier Tage in Urin oder Stuhl von Erkrankten.

  • Bei vier Grad hingegen sank die Zahl der Viren in einer Zellkultur selbst nach drei Wochen nur minimal, wie aus einer Übersicht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hervorgeht .

Daten und Studien, die sich auf die spezielle Umgebung in Fleischverarbeitungsbetrieben beziehen, gibt es jedoch noch nicht, wie auch Drosten in seinem Podcast einräumt. "Ich denke aber, dass man sich das jetzt schon anschauen wird."

Können sich Verbraucher durch Fleisch anstecken?

Zumindest Verbraucher müssen sich laut Drosten keine Sorgen machen, durch den Verzehr des Fleischs selbst zu erkranken. "Man muss sich klarmachen, dass auf der Oberfläche des Fleisches allerhand biologische Substanzen sind, die das Virus angreifen", sagt er. Hinzu komme, dass das Fleisch vor dem Verzehr zubereitet werde, also erhitzt. "Dann ist das Virus sofort weg."

irb
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