Studie aus den USA Hohe Inzidenz + Geburtstag = mehr Covid-Fälle

Welche Rolle spielen Geburtstagsfeiern bei der Ausbreitung von Corona? Diesen Zusammenhang haben Forscher in den USA analysiert. Demnach sind Feste durchaus Treiber der Pandemie – unter bestimmten Bedingungen.
Feier im Freien: Bei Festen mit Kindern könnte es schwieriger sein, Abstände einzuhalten

Feier im Freien: Bei Festen mit Kindern könnte es schwieriger sein, Abstände einzuhalten

Foto: Westend61 / Getty Images

Partys bieten dem Coronavirus ideale Bedingungen zur Verbreitung. Das hat sich mehrfach zu Beginn der Coronapandemie Anfang 2020 gezeigt – unter anderem beim Karneval im nordrhein-westfälischen Gangelt und im österreichischen Après-Ski-Paradies Ischgl. Auch in Westport im US-Bundesstaat Connecticut steckten sich bei einem 40. Geburtstag im März 2020 offenbar mehrere Leute mit dem Erreger an, die ihn in der Region weiter verteilten.

Die Rede war von sogenannten Superspreading-Ereignissen. Die meisten fanden in Innenräumen statt, aber auch Fußballspiele in offenen Stadien haben mancherorts wohl maßgeblich dazu beigetragen, dass die Pandemie außer Kontrolle geriet. Mit zunehmender Ausbreitung des Virus aber ließen sich Infektionsketten kaum mehr im Detail nachvollziehen. Zwar wurden auch in Deutschland laut einer Analyse  aus dem September 2020 die meisten Corona-Ausbrüche privaten Haushalten zugeordnet. Welche Rolle aber private Feiern bei der Ausbreitung des Virus und der mit ihm verbundenen Krankheit Covid-19 gespielt haben und weiterhin spielen könnten, ist im Detail ungewiss.

Eine Untersuchung aus den USA legt nun allerdings nahe, dass Geburtstagsfeiern die Wahrscheinlichkeit für eine Covid-19-Erkrankung im Haushalt um gut 30 Prozent erhöhen.

Risikofaktor Kindergeburtstag

Ein Team um Anupam Jena von der Harvard Medical School hat Gesundheitsdaten eines Versicherungsanbieters von knapp drei Millionen Haushalten aus den ersten 45 Wochen des Jahres 2020 untersucht. In Haushalten in Countys mit einer ohnehin sehr hohen Zahl Covid-19-Fälle wurden im Mittel 8,6 Covid-19-Fälle pro 10.000 Personen zusätzlich nachgewiesen, wenn in den zwei Wochen zuvor jemand Geburtstag hatte. Das berichtet das Team im Fachmagazin »JAMA Internal Medicine« .

Besonders deutlich stieg das Erkrankungsrisiko, wenn Kinder ihren Ehrentag feierten. In diesen Fällen wurden in den Hochinzidenz-Countys durchschnittlich 15,8 zusätzliche Covid-19-Diagnosen pro 10.000 Personen ermittelt. Nach dem Geburtstag von Erwachsenen waren es im Schnitt 5,8 Erkrankungsfälle pro 10.000 mehr als in Haushalten, in denen niemand Geburtstag hatte. Jena und Kollegen vermuten, dass Familien in der Pandemie Kindergeburtstage womöglich seltener abgesagt haben als die von Erwachsenen oder Abstandsregeln dort schwerer einzuhalten waren.

Zwar analysierten die Fachleute nicht, ob die Geburtstage tatsächlich gefeiert wurden und unter welchen Rahmenbedingungen – mit wie vielen Leuten, draußen oder drinnen –, die Forscher nahmen aber an, dass zu Geburtstagen üblicherweise irgendeine Form von Zusammenkommen stattfindet. Dass dadurch die Erkrankungswahrscheinlichkeit steigt, ist schlüssig.

Je mehr Menschen sich auf engem Raum begegnen, desto mehr potenzielle Wirte finden Erreger wie das Coronavirus. Und je stärker die Erreger generell zirkulieren, desto eher trägt sie jemand auf eine private Feier. Treffen zu Geburtstagen seien ein wichtiger Teil des sozialen Gefüges, das Familien und die Gesellschaft als Ganzes zusammenhalte, erklärte Jena. »Wie wir jedoch zeigen, können sie Haushalte in Hochrisikogebieten auch COVID-19 aussetzen.«

Niedrige Inzidenzen, kein Effekt

In Countys mit geringer Covid-19-Rate stieg die Erkrankungswahrscheinlichkeit in Haushalten nach Geburtstagen allerdings nicht an, berichtet die Fachleute. Auch das ergibt Sinn: Wo die Inzidenzen insgesamt niedrig sind, ist auch das Risiko geringer, dass eine Person das Virus mit auf eine Feier bringt. Dass es in dem Teil der Studienpopulation doch vereinzelt zu Ansteckungen kam, die in der Statistik zu keinem klaren Signal führten, lässt sich jedoch nicht ausschließen.

Keine Korrelation fanden die Fachleute auch zwischen verschiedenen vorherrschenden politischen Einstellungen in den jeweiligen Countys und einem Anstieg von Covid-19-Fällen nach Geburtstagen. Sie konnten auch nicht feststellen, dass etwa Regenwetter in der Geburtstagswoche die Zahl der Covid-19-Erkrankungen besonders nach oben trieb, obwohl man vermuten könnte, dass Partys bei schlechtem Wetter eher drinnen stattfanden. Auch Ausgangsbeschränkungen zum Zeitpunkt des Geburtstags hatten keinen Einfluss auf Ansteckungen innerhalb der Haushalte.

»Unsere Ergebnisse könnten als Grundlage für zukünftige Maßnahmen dienen«, sagte Jena. »Sie unterstreichen, wie wichtig es ist, die Arten von Aktivitäten zu kennen, die die Virusausbreitung während einer Pandemie begünstigen.« Zudem quantifiziere die Analyse das Risiko, sich mit Bekannten zu treffen.

Inzwischen wird die Virusausbreitung sowohl in Deutschland als auch den USA unter anderem durch den Impffortschritt gedrosselt. Noch reichen die Impfquoten aber nicht aus, um die Ausbreitung des Erregers gänzlich durchs Impfen einzudämmen. In Deutschland haben gut 50 Prozent der Menschen inzwischen mindestens eine Impfung erhalten, ein Drittel ist vollständig geimpft. Insbesondere gegen die neue Delta-Variante  schützen die Covid-19-Impfstoffe erst nach zwei Injektionen verlässlich.

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