Verbreitung auf Nachbarländer So exportierte Schweden mit seiner Coronapolitik das Virus

Die Coronamaßnahmen in Schweden waren größtenteils laxer als in den Nachbarländern. Eine Studie zeigt jetzt, wie sich das in der Region auswirkte.
Schwedischer Fußballfan bei der EM 2020

Schwedischer Fußballfan bei der EM 2020

Foto: Alexander Demianchuk / ITAR-TASS / IMAGO

Schwedens Sonderweg in der Coronabekämpfung hat international für viel Aufsehen gesorgt. In einer Studie sind Forschende jetzt der Frage nachgegangen, wie sich die unterschiedlichen Coronastrategien in Schweden, Norwegen, Finnland, Dänemark und Island auf die Verbreitung des Virus innerhalb des jeweiligen Landes und über die Landesgrenzen hinaus ausgewirkt haben.

Eins ihrer Ergebnisse: »Schweden war im ersten Jahr der Pandemie ein Nettoexporteur des Sars-CoV-2-Virus in unsere nordischen Nachbarländer.« Das sagte John Pettersson von der Universität in Uppsala am Dienstag dem schwedischen TV-Sender SVT.

Schweden hatte eine höhere Zahl von Covid-19-Fällen und -Todesfällen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO listet  folgende über die Pandemie kumulierten Inzidenzen auf:

  • Schweden: 11.450 Coronafälle und 146 mit Covid-19 zusammenhängende Todesfälle pro 100.000 Menschen,

  • Dänemark: 7333 Fälle und 48 Todesfälle pro 100.000 Menschen,

  • Norwegen: 4276 Fälle und 18 Todesfälle pro 100.000 Menschen

  • Finnland: 3099 Fälle und 22 Todesfälle pro 100.000 Menschen,

  • Island: 4385 Fälle und 9 Todesfälle pro 100.000 Menschen.

Die Länder seien ein gutes Beispiel für geografisch, politisch und sozial ähnliche Staaten, deren Coronamaßnahmen sich deutlich unterschieden, schreibt das Team im Fachblatt »Eurosurveillance« . Es erstellte anhand von rund 71.000 Virus-Erbgutsequenzen eine Art genetischen Stammbaum. So lässt sich zeigen, wie sich die Viren innerhalb der Länder und über die Landesgrenzen hinweg verbreiteten.

Demnach erreichte Sars-CoV-2 die Länder zwischen Januar und Ende Februar 2020, eine messbare Übertragung innerhalb der Länder fand in Schweden ab Anfang Februar statt, in den anderen Ländern ab Anfang März. In Schweden gab es danach längere ununterbrochene Infektionsketten, was nahelegt, dass sich das Virus dort ungehinderter verbreiten konnte.

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Zudem stellte sich heraus, dass Infektionsketten mit Ursprung in Schweden in mehreren hundert Fällen die Landesgrenzen überschritten, meist in Richtung Finnland. Auch aus Dänemark wurde das Virus in die anderen Länder eingetragen, aber in geringerem Maße als aus Schweden.

»Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Schwedens Eindämmungsstrategie einen Einfluss auf die epidemiologische Situation im Land und in der gesamten nordischen Region hatte«, heißt es in der Studie. Man müsse allerdings berücksichtigen, dass Schweden – wie auch Dänemark – ein Transitland sei.

wbr/dpa
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