Coronaviren Wie sinnvoll ist es, eine Atemschutzmaske zu tragen?

Die Nachfrage steigt schnell, die Preise steigen noch schneller: Je weiter sich die Coronaepidemie ausbreitet, umso mehr Menschen horten Atemschutzmasken. Doch für wen eignen sich welche Exemplare?
Atemschutzmaske "FFP2": Für viele unsinnig

Atemschutzmaske "FFP2": Für viele unsinnig

Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Das Coronavirus breitet sich weiter aus, inzwischen haben sich mehr als 40.000 Menschen in 25 Ländern infiziert, mehr als 900 von ihnen sind gestorben. Vor allem in China, aber auch in Südkorea und vielen anderen Ländern tragen immer mehr Menschen Atemschutzmasken, um sich vor einer Infektion zu schützen.

Doch wie sinnvoll ist es für Gesunde, eine Maske zu tragen? Welche Schutzmasken gibt es und wen schützen sie? Wie sollten die Masken getragen und – nicht zu vergessen – wie entsorgt werden? Die wichtigsten Antworten.

Was bringt eine Atemmaske?

Bekannt ist, dass Coronaviren von Mensch zu Mensch durch Tröpfcheninfektion übertragen werden. Zwar sind Schmierinfektionen denkbar, also etwa Ansteckungen über kontaminierte Gegenstände, diese sind aber bislang nicht dokumentiert .

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Robert Koch-Institut (RKI) sind Atemmasken daher sinnvoll für:

  • Menschen, die selbst mit dem neuen Virus 2019-nCoV infiziert sind. Der Schutz reduziere das Risiko, dass durch Husten oder Niesen Speicheltröpfchen des Erkrankten in die Umgebung gelangen und andere infizieren,

  • medizinisches Personal oder Angehörige von 2019-nCoV-Infizierten, die sich um die Erkrankten kümmern,

  • Menschen, die Kontakt hatten zu Infizierten und nicht wissen, ob sie sich möglicherweise angesteckt haben.

Für Gesunde allerdings gibt es laut RKI keine hinreichenden Belege dafür, dass ein Mund-Nasen-Schutz das Risiko einer Ansteckung messbar reduziert .

Welche Masken schützen wie gut?

OP-Masken

Der sogenannte Mund-Nasen-Schutz (MNS) verhindert vor allem, dass Speichel- oder Schleimtröpfchen des Infizierten in die Luft gelangen – sofern er sie eng anliegend am Gesicht trägt. Für medizinisches Personal gilt: Der MNS kann verhindern, dass größere Speicheltropfen eines Infizierten auf der Mund- und Nasenschleimhaut des Trägers landen. Kleinere Partikel allerdings hält er nicht auf. Außerdem schützt er den Träger davor, Mund und Nase mit seinen möglicherweise kontaminierten Händen zu berühren. Gesunde Menschen, die den Mundschutz in der Öffentlichkeit tragen, profitieren vermutlich nicht (siehe oben).

FFP-Masken

Um bestmöglich vor einer Infektion mit über die Luft übertragbaren Viren geschützt zu sein, muss medizinisches Personal sogenannte Halbmasken tragen, die Partikel filtern können (FFP steht für "filtering face piece"). Diese sind vor allem aus dem Heimwerkerbedarf bekannt, weil sie etwa vor Staubpartikeln schützen.

Je nach Filterstärke werden sie eingeteilt in FFP1-, FFP2- oder FFP3-Masken. Erst ab einer größeren Filterstärke (FFP2 und FFP3) können die Masken vor Krankheitserregern schützen. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) weist allerdings darauf hin : "Das Tragen einer FFP-Maske kann über längere Zeit körperlich anstrengend sein." Aus diesem Grund sollten alle anderen Möglichkeiten - wie etwa Hygienemaßnahmen - optimiert werden.

Stoffmasken

Einfache Stoffmasken etwa aus Baumwolle oder Gaze sind zum Schutz vor 2019-nCoV komplett ungeeignet, schreibt die WHO .

Wie sollte man die Masken tragen und wie entsorgen?

Nur wenn die Schutzmasken richtig gehandhabt, getragen und entsorgt werden, bieten sie einen zusätzlichen Schutz. Andernfalls könnten sie sogar zu einer Quelle für Neuinfektionen werden, weil sich die Erreger darin sammeln. Wie es richtig geht, erklärt die WHO-Mitarbeiterin Christine Francis in diesem Video .

Damit die Maske möglichst eng am Gesicht anliegt und die Viren somit schlechter durch Lücken entkommen können, ist es wichtig, den Mundschutz

  • mit eingeknicktem Metallstreifen über dem Nasenrücken zu befestigen und am Hinterkopf zusammenzubinden,

  • weit über das Kinn zu ziehen und nicht mit den Händen zu berühren,

  • zu wechseln, sobald er feucht wird,

  • ihn niemals zweimal zu benutzen,

  • in einem geschlossenen Abfalleimer zu entsorgen,

  • die Hände danach mit Seife zu waschen und zu desinfizieren.

Gibt es genug Schutzmasken?

Obwohl Atemmasken lediglich für Betroffene, medizinisches Personal und Kontaktpersonen sinnvoll sind, ist die Nachfrage seit Beginn der medialen Berichterstattung über das Coronavirus rasant gestiegen. Die WHO berichtet, dass auch die Preise um das bis zu Zwanzigfache in die Höhe geklettert seien. Denn nicht nur in China, sondern auch in Japan, den USA und Deutschland decken sich die Menschen für den privaten Gebrauch mit den Masken ein. "Wir sind nicht mehr lieferfähig", sagte etwa ein Sprecher der Stuttgarter Gehe Pharma Handel GmbH in der vergangenen Woche gegenüber dem SPIEGEL.

Auch die chinesischen Werke kommen mit der Produktion nicht nach – und müssen mittlerweile Atemmasken importieren. Denn mitunter fehlen diese sogar da, wo sie am wichtigsten sind: in Krankenhäusern.

Wenn nicht mit Masken, wie kann ich mich als gesunder Mensch schützen?

Die WHO empfiehlt (übrigens auch im Umgang mit anderen Erkältungsviren):

  • regelmäßig Hände waschen und desinfizieren,

  • mindestens einen Meter Abstand halten von hustenden, niesenden Menschen,

  • Augen, Nase und Mund nicht mit den Händen berühren,

  • eine Maske tragen, wenn man selbst Symptome hat oder in die Ellenbeuge zu husten,

  • Räume regelmäßig lüften,

  • Oberflächen mit Desinfektionsmitteln säubern, die das Label "begrenzt viruzid plus" oder "viruzid" tragen.

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Am 31. Dezember 2019 wandte sich China erstmals an die Weltgesundheitsorganisation (WHO). In der Millionenstadt Wuhan häuften sich Fälle einer rätselhaften Lungenentzündung. Mittlerweile sind mehr als 180 Millionen Menschen weltweit nachweislich erkrankt, die Situation ändert sich von Tag zu Tag. Auf dieser Seite finden Sie einen Überblick über alle SPIEGEL-Artikel zum Thema.