Wegen Coronavirus Stadt Wuhan kappt Verkehrsverbindungen

Alle Transportwege aus und in die chinesische Stadt Wuhan werden geschlossen. Bürger dürfen nur noch mit Atemmasken auf die Straße. Zudem steigt die Zahl der Erkrankten weiter an.
Flughafen in Manila: Reisende aus China kommen mit Mundschutz an

Flughafen in Manila: Reisende aus China kommen mit Mundschutz an

Foto: MARK R CRISTINO/EPA-EFE/REX

Wuhan, womöglich Ursprungsort des neuartigen Coronavirus, will ab Donnerstagmorgen um zehn Uhr Transportmöglichkeiten aus und in die chinesische Stadt kappen. Der Flughafen und Bahnhöfe würden gesperrt sowie Bus-, U-Bahn- und Fährenverbindungen ausgesetzt, berichtete das staatliche Fernsehen. Die Bürger wurden gebeten, die Stadt nur unter besonderen Umständen zu verlassen. In Wuhan leben etwa elf Millionen Menschen. In China steht am 25. Januar das Neujahrsfest an, zu dem viele Chinesen eigentlich verreisen.

Alle Flüge und Züge, die aus Wuhan abreisen sollten, fielen vorläufig aus, zitierte "China Daily" einen Offiziellen der Stadt. Demnach soll das Risiko verringert werden, dass sich das Coronavirus weiterverbreitet. Zudem wurden die Menschen in der Stadt aufgefordert, nur noch mit Schutzmasken in die Öffentlichkeit zu gehen. Wer in Hotels, Restaurants, Einkaufszentren oder Parks keine Maske trage, werde bestraft, berichtete die Zeitung.

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Weil immer mehr Menschen mit Grippesymptomen auf das neue Virus getestet werden, nimmt die Zahl der bestätigten Fälle weiter zu. Bis Donnerstag wurde das Virus bei 571 Menschen nachgewiesen, wie die chinesische Gesundheitsbehörde berichtete. Darunter sind demnach 95 schwere Fälle, die alle in der Provinz Hubei mit der besonders schwer betroffenen Metropole Wuhan liegen. Es gibt zudem 17 Todesfälle.

Entscheidung über Gesundheitsnotstand vertagt

Ob es der Ausbruch notwendig macht, den internationalen Gesundheitsnotstand auszurufen, darüber war sich ein Expertengremium der Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Mittwochabend uneinig. Ein kurzfristig einberufener Krisenrat hatte stundenlang getagt - und am Ende verkündet, dass die Entscheidung auf Donnerstag verschoben werden müsse. "Die Entscheidung, ob ein internationaler Gesundheitsnotstand ausgerufen wird oder nicht, nehme ich sehr ernst", sagt WHO-Direktor Tedros Adhanom Ghebreyesus. "Es war eine exzellente Diskussion, aber es war auch deutlich, dass wir mehr Informationen brauchen, um weiterzukommen."

Chronologie des Coronavirus-Ausbruchs in China
  • Ende Dezember 2019 traten in der chinesischen Metropole Wuhan mehrere Fälle einer bis dahin unbekannten Lungenkrankheit auf. Die Patientenzahlen schienen zunächst um die 40 Fälle zu stagnieren. Als Ursprung der Krankheit wird ein Tiermarkt in der Elf-Millionen-Metropole vermutet. Er wurde sofort geschlossen und gereinigt.

  • Am 9. Januar gab die WHO bekannt, dass es sich um einen neuartigen Erreger aus der Familie der Coronaviren handelt. Diese verursachen oft harmlose Erkrankungen wie Erkältungen, aber auch gefährliche Atemwegskrankheiten wie Sars und Mers.

  • Am 11. Januar wurde der erste Todesfall bekannt: Ein 61-jähriger Krebspatient starb an der Infektion. Die chinesischen Gesundheitsbehörden berichteten, dass sich mehrere Patienten in einem kritischen Zustand befinden. Von einer Ansteckung unter Menschen gingen die Behörden nicht aus, da bisher kein Krankenhausmitarbeiter erkrankt war.

  • Am 17. Januar beschlossen drei US-Flughäfen, ebenfalls Fieberkontrollen einzuführen, nachdem der zweite Patient an dem Virus in China gestorben war und auch andere asiatische Länder Verdachtsfälle gemeldet hatten.

  • Am 20. Januar stieg die Zahl der Patienten plötzlich sprunghaft auf mehr als 200 an. Die Gesundheitsbehörde berichtete zudem von 15 infizierten Krankenhausmitarbeitern - ein klares Indiz dafür, dass das Virus von Mensch zu Mensch übertragen werden kann.

  • Am 21. Januar stieg die Zahl der Patienten weiter auf rund 300, es wird von sechs Todesopfern ausgegangen. Die WHO kündigte für den 22. Januar eine Krisensitzung an.

Ghebreyesus betonte mehrfach, dass der Austausch mit China sehr rege sei und das Land sich intensiv darum bemühe, den Ausbruch einzudämmen - nicht nur in China selbst, sondern auch global. Gefragt nach den Eingriffen in die Transportwege in Wuhan sprach der WHO-Chef von "sehr starken Maßnahmen".

Experten in Europa sind überzeugt, dass Reisende die neue Lungenkrankheit zumindest vereinzelt auf den Kontinent bringen werden. Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) schätzt die Gefahr einer Einschleppung des Virus in die EU als "moderat" ein. Die Bundesregierung sieht durch die Ausbreitung der neuen Lungenkrankheit nur ein "sehr geringes" Gesundheitsrisiko für die Menschen in Deutschland.

Die britische Regierung rief ihre Bürger derweil dazu auf, auf alle nicht zwingenden Reisen nach Wuhan zu verzichten. Der Schritt gehe auf die neusten medizinischen Erkenntnisse und Empfehlungen der chinesischen Behörden zurück, erklärte das Außenministerium in London.

ptz/hei/aar/Reuters/dpa
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