Coronajahr 2020 gab es in Großbritannien so viele Alkoholtote wie noch nie

Während der Corona-Lockdowns griffen viele Menschen vermehrt zur Flasche. In Großbritannien stieg die Zahl der Alkoholtoten um fast ein Fünftel im Vergleich zum Vorjahr.
Leere Bierdosen (Symbolbild): In Großbritannien ist Alkoholmissbrauch ein großes Problem

Leere Bierdosen (Symbolbild): In Großbritannien ist Alkoholmissbrauch ein großes Problem

Foto: Richard Baker / In Pictures / Getty Images

Im Vereinigten Königreich sind im vergangenen Jahr so viele Menschen an den Folgen von Alkoholkonsum gestorben wie noch nie. Der Tod von 8974 Menschen könne landesweit mit Alkohol in Verbindung gebracht werden, teilte das britische Statistikamt ONS am Dienstag mit .

Das sei fast ein Fünftel (18,6 Prozent) mehr als 2019 und der höchste Anstieg von einem aufs nächste Jahr seit Beginn der Datenerhebung 2001. Es starben fast doppelt so viele Männer wie Frauen an den Folgen ihres Alkoholkonsums.

Als häufigste Todesursache wurden Lebererkrankungen infolge von Alkoholmissbrauch angegeben (77,8 Prozent), gefolgt von psychischen Verhaltensstörungen aufgrund von Alkoholkonsum (12,1 Prozent). In 6,2 Prozent der Todesfälle waren versehentliche oder absichtliche Alkoholvergiftungen verantwortlich.

Mehr Menschen griffen während Lockdown zu Alkohol

Der Anstieg der Todeszahlen sei in allen vier Landesteilen deutlich gewesen, vor allem aber in England und Schottland, teilte die Behörde weiter mit. Daten aus England weisen demnach darauf hin, dass während der Corona-Lockdowns mit Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen viele Menschen mehr Alkohol getrunken haben. Experten machen Stress, Einsamkeit und fehlenden Zugang zu Hilfsdiensten für die Steigerung verantwortlich.

Bereits im Sommer hatte die Gesundheitsbehörde Public Health England von einem traurigen Rekord bei den Alkoholtoten im größten Teil des Königreichs gesprochen. Die Zahl der Menschen, die »auf steigendem und höherem Risikoniveau« Alkohol trinken, sei 2020 um mehr als die Hälfte – 58,6 Prozent – gestiegen, hieß es damals.

Einem Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zufolge  gaben rund 36 Prozent der Menschen in elf befragten Ländern an, in der Pandemie ihre Trinkgewohnheiten verändert zu haben und mehr Alkohol zu konsumieren.

Fünf Liter weniger Bier in Deutschland

Auch in Deutschland trank laut Umfragen ein Drittel der Erwachsenen während der Coronakrise mehr Alkohol als sonst, vor allem im ersten Lockdown Anfang 2020. Offenbar traf das vor allem auf die Altersgruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu, bei der auch der Tabakkonsum gestiegen ist.

Insgesamt wurde im Coronajahr laut Statistischem Bundesamt  in Deutschland jedoch weniger Alkohol verkauft. Besonders der Bierkonsum pro Kopf ist demnach 2020 im Vergleich zum Vorjahr stark gesunken (-5,4 Prozent). Das heißt, aufgrund der geschlossenen Bars, Restaurants und Clubs sowie der abgesagten Veranstaltungen konsumierte jeder und jede Deutsche im Schnitt fünf Liter weniger Bier als 2019.

kry/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.