Medienbericht Zahl der Impfdurchbrüche wegen höherer Impfquote stark gestiegen

Auf den Intensivstationen in Deutschland wurden zuletzt mehr Menschen behandelt, die trotz Impfung an Covid-19 erkrankt sind. Erklären lässt sich das mit der steigenden Impfquote. Trotzdem sind noch immer knapp neun von zehn Intensiv-Patienten ungeimpft.
Intensivstation in Deutschland (Symbolbild)

Intensivstation in Deutschland (Symbolbild)

Foto: Sebastian Gollnow / dpa

Laut einem Medienbericht ist der Anteil der geimpften Coronapatienten auf Intensivstationen angestiegen. Wie die Zeitungen der Funke Mediengruppe berichten, waren von den 1186 Coronapatienten, die in Deutschland Mitte August bis Anfang September »intensivmedizinisch versorgt« werden mussten, 119 gegen das Virus geimpft. Dies entspricht einer Quote von knapp über zehn Prozent.

Im deutlich längeren Vergleichszeitraum von Anfang Februar bis Anfang September hatte der Anteil der geimpften Covid-Patienten auf deutschen Intensivstationen bei 1,84 Prozent (210 von 11.419 Fällen) gelegen.

Die Zeitungen berufen sich in ihrem Bericht auf eine Antwort des Bundesgesundheitsministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag. Die Daten stammen vom Robert Koch-Institut (RKI).

Wie die Funke-Zeitungen weiter berichteten, hängt der gestiegene Anteil der geimpften Coronapatienten auf deutschen Intensivstationen nach Angaben von Behörden und Fachleuten vor allem mit der stark gestiegenen Zahl der Geimpften insgesamt zusammen.

Mittlerweile sind in Deutschland mehr als 65 Prozent der Bevölkerung doppelt gegen das Virus geimpft. Das RKI erklärte dem Bericht zufolge: »Dass im Laufe der Zeit mehr Impfdurchbrüche verzeichnet werden, ist erwartbar, da generell immer mehr Menschen geimpft sind und sich Sars-CoV-2 derzeit wieder vermehrt ausbreitet. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, als vollständig geimpfte Person mit dem Virus in Kontakt zu kommen.«

Das Gesundheitsministerium hob laut Funke-Zeitungen die Schutzwirkung der Impfung vor einer schweren Covid-Erkrankung hervor. »Fakt ist, dass Impfungen schützen und ein fehlender Impfschutz der Hauptgrund ist, warum Personen mit einer Covid-19-Infektion intensivmedizinisch behandelt werden müssen«, teilte das Ministerium demnach mit.

Auch der Präsident der Vereinigung der Intensiv- und Notfallmediziner (Divi), Gernot Marx, sagte den Funke-Zeitungen: »Die Patientinnen und Patienten mit schweren und tödlichen Coronaverläufen sind in fast allen Fällen ungeimpft.« Die Impfdurchbrüche mit schweren Verläufen dagegen seien noch immer im einstelligen Prozentbereich.

Schwere Verläufe bei Menschen unter 60 Jahren

Zudem treffe der Impfdurchbruch meist Menschen, deren »Immunsystem etwa durch eine Chemotherapie oder eine dauerhafte Kortisonbehandlung geschwächt ist oder die älter als 80 Jahre sind«.

Der Intensivmediziner sagte demnach weiter: »Leider sehen wir auch immer mehr Menschen unter 60 mit schweren oder tödlichen Verläufen, die nicht geimpft sind«.

In den frühen Morgenstunden lagen zudem die neuen Infektionsstatistiken des RKI für die abgelaufenen 24 Stunden vor. Demnach wurden von den Gesundheitsämtern in diesem Zeitraum 4971 Neuinfektionen gemeldet. Das Institut gab die Sieben-Tage-Inzidenz der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche am Dienstagmorgen mit 65,8 an. Zum Vergleich: Am Vortag hatte der Wert bei 66,5 gelegen, vor einer Woche bei 63,6 (Vormonat: 80,2).

88 weitere Todesfälle gemeldet

Deutschlandweit wurden den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden 88 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 90 Todesfälle gewesen. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 4.318.355 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

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Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Coronapatienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen – den für eine mögliche Verschärfung der Coronabeschränkungen wichtigsten Parameter – gab das RKI am Montag mit 1,58 (Freitag: 1,67) an. Ein bundesweiter Schwellenwert, ab wann die Lage kritisch zu sehen ist, ist für die Hospitalisierungsinzidenz unter anderem wegen großer regionaler Unterschiede nicht vorgesehen. Der bisherige Höchstwert lag um die Weihnachtszeit bei rund 15,5.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung dieser Meldung konnte der Eindruck entstehen, die Zahl der Impfdurchbrüche sei überproportional hoch. Tatsächlich geht mit einer steigenden Anzahl von Geimpften rechnerisch auch eine steigende Zahl von Impfdurchbrüchen einher. Wir haben die Überschrift und den Vorspann der Meldung entsprechend geändert.

jok/AFP/dpa
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