Panne beim RKI Zahl der Coronainfizierten in Deutschland stieg um 50 statt um zehn Prozent

RKI-Chef Wieler hat sich am Freitag mit einer Zahl vertan. Demnach hatten sich im Vergleich zum Vortag nur zehn Prozent mehr Leute mit dem Coronavirus infiziert. Tatsächlich lag der Wert höher.
RKI-Chef Lothar Wieler: Der Mann fürs tägliche Corona-Update

RKI-Chef Lothar Wieler: Der Mann fürs tägliche Corona-Update

Foto: Jörg Carstensen/dpa

Seit Wochen tritt der Chef des Robert Koch-Instituts (RKI) Lothar Wieler fast jeden Morgen um 10 Uhr vor Presse und Kameras. Im täglichen Livestream erklärt er, wie sich die Zahl der Coronainfizierten weltweit entwickelt, wie viele Infizierte es derzeit gibt.

Er nennt die Zahlen für China und andere EU-Länder, für Italien, Frankreich und Spanien. Er erklärt die Entwicklung für Deutschland, wie viele Infizierte gibt es in den Bundesländern - absolut und im Verhältnis zur Größe der Bevölkerung? Nun ist Wieler bei der Menge der Zahlen offenbar durcheinandergekommen.

Am Freitagmorgen gab er bekannt, dass die Zahl der Infizierten in Deutschland im Vergleich zum Vortag um zehn Prozent gestiegen sei. Nachrichtenagenturen griffen den Wert auf, auch der SPIEGEL berichtete. Tatsächlich gab es jedoch einen stärkeren Anstieg.

Coronavirus, Covid-19, Sars-CoV-2? Was die Bezeichnungen bedeuten.

Coronavirus: Coronaviren sind eine Virusfamilie, zu der auch das derzeit weltweit grassierende Virus Sars-CoV-2 gehört. Da es anfangs keinen Namen trug, sprach man in den ersten Wochen vom "neuartigen Coronavirus".

Sars-CoV-2: Die WHO gab dem neuartigen Coronavirus den Namen "Sars-CoV-2" ("Severe Acute Respiratory Syndrome"-Coronavirus-2). Mit der Bezeichnung ist das Virus gemeint, das Symptome verursachen kann, aber nicht muss.

Covid-19: Die durch Sars-CoV-2 ausgelöste Atemwegskrankheit wurde "Covid-19" (Coronavirus-Disease-2019) genannt. Covid-19-Patienten sind dementsprechend Menschen, die das Virus Sars-CoV-2 in sich tragen und Symptome zeigen.

Wie das RKI dem SPIEGEL bestätigt hat, waren hierzulande am Donnerstagabend 2369 Infektionen bekannt, 24 Stunden zuvor lag der Wert noch bei 1567 Infizierten. Das entspricht einem Anstieg um die Hälfte (50 Prozent).

Zahl in einer Woche knapp verfünffacht

Wie es zu der Kommunikations- oder Rechenpanne kam, teilte das RKI nicht mit. Pressesprecherin Susanne Glasmacher merkte jedoch an, dass Anstiege von Tag zu Tag ohnehin wenig aussagekräftig seien. "Es kommt schon mal vor, dass ein Bundesland viele Fälle nachmeldet. Ein halbwegs stabiler Vergleich geht eigentlich nur über Wochen", schreibt sie.

Inzwischen hat das RKI die Infektionszahlen erneut aktualisiert. Stand Freitagabend  tragen in Deutschland demnach 3062 Menschen das Virus in sich - etwa 30 Prozent mehr als am Vortag. Eine Woche zuvor, am 6. März, waren nur  639 Menschen  infiziert, die Zahl hat sich seitdem also fast verfünffacht.

In der Woche davor stieg sie allerdings noch stärker an: Von 53 Infizierten am 28. Februar auf 639 Infizierte am 6. März - eine Verzwölffachung. Seither wurden in Deutschland zahlreiche Schutzmaßnahmen getroffen.

Konzerte und Fußballspiele wurden abgesagt, fast alle Bundesländer schließen ihre Schulen und Kitas (mehr dazu lesen Sie hier). Ziel ist es, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, damit das Gesundheitssystem nicht überlastet wird. Bei vier von fünf Infizierten verläuft eine Infektion allerdings ohne oder nur mit leichten Symptomen.

jme