Kreuzfahrtschiff Zweifel an Schutzmaßnahmen Japans

Das Kreuzfahrtschiff "Diamond Princess" vor Yokohama sollen nur virusfreie Menschen verlassen. Doch nachdem drei Passagiere in ihren Heimatländern positiv getestet wurden, gibt es Zweifel, ob Japans Maßnahmen reichen.
Ein Bus mit europäischen Passagieren des Kreuzfahrtschiffs "Diamond Princess" verlässt den Hafen von Yokohama (Japan)

Ein Bus mit europäischen Passagieren des Kreuzfahrtschiffs "Diamond Princess" verlässt den Hafen von Yokohama (Japan)

Foto: Eugene Hoshiko/ AP

Außerhalb Chinas bereitet neben der steigenden Zahl der Infektionen in Südkorea auch die Lage in Japan zunehmend Sorge. Mittlerweile sind dort laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 80 Infektionen nachgewiesen worden, allein 25 davon in Tokio. Am Freitag wurden drei Personen auf der Nordinsel Hokkaido positiv getestet, zwei davon Schulkinder, sagte der Gouverneur von Hokkaido.

Als problematisch schätzen einige Experten vor allem den Umgang der Regierung mit den Reisenden von der "Diamond Princess" ein, die das Kreuzfahrtschiff bereits verlassen dürfen. Nachdem ein 80-jähriger Passagier kurz nach Ende seiner Reise in Hongkong positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden war, war die "Diamond Princess" mit den insgesamt 3700 Reisenden aus 56 Ländern im Hafen von Yokohama unter Quarantäne gestellt worden. Inzwischen sind bei 634 Passagieren und Crewmitgliedern Infektionen nachgewiesen worden. Ein japanischer Infektiologe, der das Schiff inspiziert hatte, sprach von "chaotischen Zuständen", die keinen effektiven Schutz ermöglichten.

Am Mittwoch endete der zweiwöchige Quarantänezeitraum. Obwohl laufend neue Infektionen unter den Passagieren nachgewiesen werden, dürfen täglich hunderte Menschen das Schiff verlassen, die angeblich keinen engen Kontakt zu Infizierten hatten. Zwei Australier, die sich an Bord der "Diamond Princess" befunden hatten, wurden nach ihrer Ankunft im australischen Darwin positiv auf das Virus getestet. Den beiden, einer jungen und einer älteren Person, gehe es gut, hieß es von offizieller Seite, sie werden nun Zuhause isoliert. Auch in Israel ist inzwischen eine zunächst negativ getestete Heimkehrerin, die sich auf dem Schiff befunden hatte, nun positiv getestet worden.

Viele der ausländischen Reisenden, die das Schiff verlassen, werden zu Hause erneut unter Quarantäne gestellt, so etwa in Israel, den USA und auch in Deutschland. In Berlin werden sechs Deutsche landen, die Japan am Freitag verlassen. Sie bleiben zunächst in häuslicher Quarantäne, sofern sie nicht infiziert sind. Japan hingegen ergreift diese Maßnahme nicht, die Evakuierten nutzen den öffentlichen Verkehr, um nach Hause zu gelangen.

Möglicherweise "nicht ausreichend"

Angesichts der unklaren Verhältnisse mehren sich die Bedenken hinsichtlich der Quarantänepraktiken des Landes auch außerhalb der "Diamond Princess". Unternimmt die Regierung genug, um die Ausbreitung des Virus zu stoppen? Die US-Seuchenschutzbehörde CDC schreibt , dass zumindest die Maßnahmen an Bord möglicherweise "nicht ausreichend" gewesen seien, um eine Verbreitung zu verhindern. Der Regierungssprecher Yoshihide Suga verteidigte jedoch weiterhin öffentlich die Schutzmaßnahmen, die die Regierung an Bord des Kreuzfahrtschiffes angeordnet hatte.

Auch die Olympischen Spiele sollen wie geplant im Sommer stattfinden. Bei anderen Sportveranstaltungen hingegen gibt es Planänderungen: Japans Gesundheitsminister Katsunobu Kato hatte die Organisatoren dazu aufgerufen, die Abläufe zu überdenken. Nachdem die Organisatoren des traditionellen Tokio-Marathons kürzlich entschieden hatten, dass in diesem Jahr nur Top-Athleten und keine Amateure teilnehmen dürfen, gilt dasselbe nun für den Frauen-Marathon in Nagoya. Der Stadt-Marathon in Nagoya wurde ganz abgesagt.

hei/Reuters/dpa/AFP