Oxford-Studie zu Coronafällen »Mild« kann immer noch monatelangen Gedächtnisschwund bedeuten

Was heißt schon mild? Selbst von Corona Genesene, die an sich selbst gar keine Symptome mehr bemerken, sind noch bis zu neun Monate nach der Infektion geistig eingeschränkt.
Symbolbild: Auch ein milder Verlauf macht einer Studie zufolge erhebliche Probleme

Symbolbild: Auch ein milder Verlauf macht einer Studie zufolge erhebliche Probleme

Foto: Rafael Heygster / DER SPIEGEL

Menschen mit milden Covid-19-Verläufen und ohne sonstige Long-Covid-Symptome können sechs bis neun Monate nach der Infektion immer noch unter verminderter Aufmerksamkeitsspanne und Gedächtnisverlust leiden. Das ergab eine Studie der Universität Oxford.

Probleme mit der Konzentrationsfähigkeit, begleitet von Vergesslichkeit und Müdigkeit, sind bekannte Anzeichen von Long Covid – einer Krankheit nach der Krankheit , die manche eine Weile nach ihrer Coronainfektion trifft –, aber wie verbreitet die Symptome sind, wurde bislang nicht erfasst.

Für die am Mittwoch in der Zeitschrift »Brain Communications« erschienene Studie  wurden Menschen ausgewählt, die zuvor positiv auf Covid-19 getestet wurden, aber weder einen schweren Krankheitsverlauf noch für Long Covid typische Symptome meldeten. Sie sollten Übungen zum Test ihrer Gedächtnis- und Wahrnehmungsfähigkeit machen, die ihnen als Denkspiel präsentiert wurden.

Keine Zufallsauswahl

Ergebnis: Bis zu sechs Monate nach der Infektion waren die positiv getesteten Probandinnen und Probanden deutlich schlechter darin, persönliche Erfahrungen in Erinnerung zu rufen. Bis zu neun Monate nach der Infektion ließ ihre Fähigkeit, aufmerksam zu bleiben, schneller nach als die von nicht infizierten Personen.

»Überraschend ist, dass unsere Covid-19-Genesenen verminderte Aufmerksamkeit und Gedächtnisverlust zeigten, obwohl sie sich zum Zeitpunkt des Tests überhaupt nicht mehr symptomatisch fühlten«, sagte die Psychologin Sijia Zhao. »Unsere Ergebnisse zeigen, dass Menschen monatelang mit manchen chronischen kognitiven Folgen leben.« Nach dieser Zeit kehrten die Testergebnisse laut der Studie wieder zum normalen Niveau zurück. Andere kognitive Fähigkeiten wie das Arbeitsgedächtnis oder Planung blieben durchweg unbeeinträchtigt.

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Der nicht an der Studie beteiligte Biostatistiker Stephen Burgess von der Universität Cambridge wies darauf hin, dass die Analyse nur Daten von 136 Personen umfasste, die auch nicht zufällig ausgewählt wurden, sondern sich selbst über eine Onlineplattform meldeten. »Trotzdem sind die Unterschiede zwischen den Gruppen mit und ohne Covid in dieser Studie bemerkenswert«, sagte er. Es sei »unwahrscheinlich, dass diese Ergebnisse mit systematischen Unterschieden zwischen den Gruppen erklärt werden können, die nichts mit der Covid-Infektion zu tun haben«.

ak/Reuters