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Experte warnt vor unentdeckten Fällen in Deutschland Warum Covid-19 kaum noch zu stoppen ist

Die Zahl der Coronavirus-Infizierten ist wohl weit höher als bisher bekannt. Ein Seuchenexperte hält unentdeckte Fälle auch in Deutschland für möglich.
aus DER SPIEGEL 8/2020
Coronavirus Sars-CoV-2 (Elektronenmikroskopbild)

Coronavirus Sars-CoV-2 (Elektronenmikroskopbild)

Foto:

IVDC CHINA CDC / EPA-EFE / REX

In Deutschland könnte es bislang unentdeckte Fälle von Coronavirus-Infizierten geben. "Es wäre denkbar, dass unter dem Radar des Gesundheitssystems kleinere, begrenzte Cluster existieren, die nicht weiter auffallen", erklärte der Epidemiologe Gérard Krause, Abteilungsleiter am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Brauschweig, gegenüber dem SPIEGEL. Wie kommt er darauf?

Zwei weiß gekleidete Gestalten, das Gesicht hinter einer Atemschutzmaske versteckt, erwarten die Passagiere des Abendflugs aus Nairobi. Einer der beiden Seuchenbekämpfer am Flughafen von Brazzaville, der Hauptstadt der Republik Kongo, streckt jedem Reisenden ein pistolenähnliches Thermometer entgegen. Seine Kollegin notiert mit besorgtem Blick die gemessene Temperatur. Danach drückt sie jedem Passagier ein Häufchen Desinfektionsgel auf die Handfläche.

Das neuartige Coronavirus aus China, so befürchten die Mitarbeiter der Afrikazentrale der WHO in Brazzaville, kann jeden Moment hier ankommen. Vielleicht ist es aber auch längst da und breitet sich, da viele Infizierte nur leichte Symptome zeigen, unbemerkt aus – in einem Krankenhaus, auf einem Markt oder unter Familienangehörigen.

"Afrika hat so enge Kontakte zu China – ich kann mir kaum vorstellen, dass es auf diesem Kontinent noch nicht einen Infizierten gibt", sagt Peter Piot, Direktor der London School of Hygiene & Tropical Medicine, die eng mit Seuchenmedizinern vor Ort kooperiert. Dass bisher noch keine Erkrankten identifiziert seien, "das macht mir wirklich große Sorgen".

Viele Länder in Afrika gelten unter Experten als schlecht vorbereitet auf das Virus Sars-CoV-2, den Erreger der von der WHO diese Woche Covid-19 getauften Atemwegserkrankung, die in China schon zu mehr als 1350 Todesopfern geführt hat. Bis Donnerstag testeten in den 47 Ländern der WHO-Region Afrika nur 17 Labors – viel zu wenige, um alle Verdachtsfälle zu überprüfen.

"Ohne diagnostische Tests", betont Piot, "wissen wir nicht, wie weit sich das Virus schon ausgebreitet hat, und die Infektionen können eine Weile unsichtbar bleiben. Dann hat man keine Chance, frühzeitig einzugreifen."

Ohnehin verdichten sich derzeit die Hinweise, dass die bestätigten Fälle, die an die WHO übermittelt werden, an vielen Orten der Welt weit untertrieben sind. Selbst in Deutschland könnte es neben den 16 nachgewiesenen Fällen weitere Infizierte geben, von denen niemand etwas weiß.

"Es wäre denkbar, dass unter dem Radar des Gesundheitssystems auch in Deutschland kleinere, begrenzte Cluster existieren, die nicht weiter auffallen", sagt der Epidemiologe Gérard Krause, Abteilungsleiter am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig.

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