DER SPIEGEL

Folgen von Covid-19 Blutspender gesucht

Deutsche Kliniken stellen sich auf harte Wochen ein: Während der Corona-Pandemie müssen andere Notfälle und Schwerkranke weiter versorgt werden. Ein Problem könnten Blutkonserven werden.
Ein Video von Leonie Voss und Benjamin Braden, Hamburg.

Eine Intensivstation im norditalienischen Cremona. Patienten werden künstlich beatmet. Ärzte und Schwestern kümmern sich im Akkord. Viele Krankenhäuser in Italien sind wegen der Covid-19-Pandemie an ihrer Belastungsgrenze. Es fehlen Personal, Betten, Beatmungsgeräte. Und in Deutschland? Drohen hier in einigen Tagen möglicherweise ähnliche Engpässe? Krankenhäuser wie das Universitätsklinikum in Hamburg-Eppendorf bereiten sich auf eine Covid-19-Welle vor. Verdachtsfälle werden zu einem Hintereingang geleitet und nicht zur regulären Notaufnahme. Ansonsten läuft der Betrieb bislang normal. Die Lage sei ernst, aber mit Italien nicht zu vergleichen, sagt die Infektiologie Marylin Adu.

Marylyn Addo, Leiterin Infektiologie
"In Italien ist das Virus ja vermutlich schon mehrere Wochen unerkannt zirkuliert. Und deswegen sind auf einmal schlagartig sehr viele Fälle aufgetreten und es gibt eine Situation, wo das Gesundheitssystem nicht gut drauf vorbereitet war. Aber wir haben in Deutschland ja bisher sehr klare Infektionsketten gehabt. Wir konnten das Geschehen in China, in Asien und auch in Italien beobachten auch davon lernen, sodass wir momentan gut aufgestellt sind, und uns diese Situation wohl nicht ereilt. Wir haben derzeit keine Engpässe mit Schutzkleidung und zur Zeit ist die medikamentöse Versorgung, auch die Versorgung mit Desinfektionsmitteln gesichert."

Ohne Gegenmaßnahmen verbreitet sich das neuartige Coronavirus rasend schnell - exponentiell. Das heißt, die Anzahl der Infizierten verdoppelt sich in einem festen Zeitraum. Bei unkontrolliertem Wachstum könnte es in Deutschland spätestens Mitte Mai mehr als eine Million Infizierte geben. Deswegen ist es so wichtig, die Ausbreitung des Virus jetzt zu verlangsamen. Mediziner treibt noch eine weitere Sorge um: Dass sich die Covid-19-Pandemie auf die Versorgung anderer Patienten auswirken könnte. Ein Nadelöhr sind Blutkonserven. Die Angst vor Covid-19 macht sich beim Blutspendedienst bemerkbar. Paul spendet regelmäßig. Er hat eine seltene Blutgruppe.

Paul, Blutspender vor Ort
"Normalerweise ist hier viel voller. Fast alle Schulen sind belegt und ich weiß, dass normalerweise vor mir zwei bis drei Leute sind. Und heute war es nur einer, also man merkt es schon ein bisschen."

Sven Peine, Institutsleiter Transfusionsmedizin
"Gerade in der letzten Woche haben wir gesehen, dass zum Teil 30 bis 50 Prozent unserer Spender ferngeblieben sind - aus einer für uns nicht ganz nachvollziehbaren Sorge. Und die Klinik läuft im Normalbetrieb weiter. Das heißt, wir brauchen unsere 700 Blutspenden jede Woche, und wir hatten Tage, da waren hier nur 40, 45 Spender da. Und das ist ganz wichtig, dass jetzt jeder gesunde Hamburger, jede gesunde Hamburgerin, die nicht in Risikogebieten war, die nicht erkältet ist, sich nochmal erinnert: Blutspenden ist wichtig."

Wichtig und risikoarm, sagen die Ärzte. Denn als Spender käme eh nur in Frage, wer gesund ist. Die Ansteckungsgefahr beim Blutspenden sei wesentlich geringer als etwa in der U-Bahn zur Arbeit. Sven Peine zeigt uns den Raum, in dem die Blutvorräte aufbewahrt werden. 500 bis 1000 Konserven bei vier Grad Celsius. Diese Menge reicht in der Regel für eine Woche. Das Problem ist: Große Vorräte lassen sich nicht anlegen.

Sven Peine, Institutsleiter Transfusionsmedizin
"Selbst wenn morgen 500.000 Hamburger als Blutspender kommen, dann sind wir in spätestens sechs Wochen wieder bei Null, weil dann die Konserven nicht mehr haltbar wären. Von daher nützt es auch gar nichts, wenn jetzt schlagartig Tausende Blutspenden gehen. Das ist gut. Und die, die immer schon Spenden waren, sollten sich jetzt wieder erinnert fühlen. Aber eben nicht nur heute und morgen, sondern auch in den nächsten, in der übernächsten und in der dritten Woche."

Nur so könne gewährleistet werden, dass Krebspatienten oder Unfallopfer versorgt werden können. In Hamburg hoffen die Mediziner nun, dass die Geschwindigkeit, mit der sich das Virus ausbreitet, verlangsamt werden kann.

Marylyn Addo, Leiterin Infektiologie
"Wir müssen jetzt auf Sicht fahren und uns so gut wie möglich vorbereiten, pragmatisch bleiben, Ruhe bewahren und die Situation ernst nehmen. Aber trotz allem die Ruhe bewahren und das dann beobachten."

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