Covid-19 Wie das Coronavirus das Risiko für Thrombosen erhöht

Schwer kranke Covid-19-Patienten haben häufiger Blutgerinnsel, beobachten Ärzte. Warum das so ist - und wie die Mediziner gegensteuern.
Foto: Christoph Burgstedt/ iStockphoto/ Getty Images

Wer sich beim Gemüseschnippeln in den Finger schneidet, profitiert von einem ausgeklügelten System des Körpers: der Blutgerinnung. Entsteht eine Wunde in einem Blutgefäß, sorgen diverse Botenstoffe sowie spezialisierte Zellen, die Blutplättchen, dafür, dass die kostbare Flüssigkeit nicht völlig ungebremst hinausströmt. Das Blut gerinnt. Es verklumpt, um die Lücke zu schließen.

Die Blutgerinnung muss fein austariert sein. Gerinnt das Blut nicht oder nur langsam, wie bei der Bluterkrankheit, kann das für Betroffene gefährlich sein, etwa bei inneren Blutungen. Gerinnt das Blut zu stark oder schnell, bilden sich Gerinnsel, die Gefäße verstopfen können. Diese Gerinnsel werden auch Thromben genannt, der Prozess entsprechend als Thrombose bezeichnet.

Oft entstehen die Gerinnsel in den Venen von Becken oder Bein. Typische Symptome sind dann Schwellungen am Fußknöchel oder am Bein, die Wade kann schmerzen wie bei einem Muskelkater, manchmal verfärbt sich die Haut bläulich. Bleibt die Thrombose unbehandelt, kann sich das Gerinnsel lösen und in ein anderes Gefäß geschwemmt werden. Die möglichen, schweren Folgen: Blockiert der Blutpropf etwa eine Lungenarterie, führt dies zu einer Lungenembolie. Ist ein Gefäß im Gehirn verstopft, droht ein Schlaganfall. Gelangen Gerinnsel in ein Herzkranzgefäß und stoppen dort den Blutfluss, ist ein Herzinfarkt die Folge.

Schwerkranke Covid-Patienten haben ein erhöhtes Thrombose-Risiko

Laborwerte deuten, ebenso wie die Beobachtungen vieler Ärzte, darauf hin, dass die Blutgerinnung bei Menschen mit einem schweren Covid-19-Verlauf zu stark ist. Sie haben also ein erhöhtes Thrombose-Risiko.

"Bei einem Drittel der intensivpflichtigen Covid-19-Patienten wurde eine tiefe Beinvenenthrombose oder eine Lungenembolie beobachtet", sagt etwa die Kardiologin Ilka Ott, Chefärztin am Helios Klinikum Pforzheim.

Generell können schwere Entzündungen das Risiko für Thrombosen erhöhen, insbesondere wenn Betroffene durch die Krankheit bettlägerig sind. Ärzte nehmen zudem an, dass das Virus Sars-CoV-2 auch Zellen befallen kann, die die Innenwände der Blutgefäße bilden - und die die Blutgerinnung in Gang setzen können. Dies könnte erklären, warum die Gerinnung bei vielen Covid-19-Patienten verstärkt ist. Patientinnen und Patienten, die mit der Krankheit auf der Intensivstation liegen, wird deshalb vorsorglich Blutverdünner verabreicht, sagten mehrere deutsche Herz-Spezialisten dem SPIEGEL.

Vorbeugen bei leichten Fällen: viel trinken, ausreichend bewegen

In einem Konsenspapier  haben Ärzte nach den Erfahrungen mit Covid-19-Patienten bereits darauf hingewiesen, dass etwa einer von fünf Betroffenen eine Gerinnungsstörung aufweist, vor allem sind demnach die schwer und kritisch Erkrankten betroffen, die im Krankenhaus behandelt oder gar beatmet werden müssen.

Um bei Betroffenen mit einem milden Verlauf von Covid-19 Thrombosen vorzubeugen, ist es laut der Stellungnahme sinnvoll, dass die Patienten ausreichend Wasser trinken und sich regelmäßig bewegen. Denn dass langes Sitzen mit fehlender Bewegung von Beinen und Füßen das Thrombose-Risiko ebenfalls steigert, ist aus einer Situation bekannt, die durch die Corona-Pandemie viel seltener eintritt: beim beengten Sitzen auf Langstreckenflügen.

wbr
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.