Crowdfunding Forscher sammeln Geld für virtuelles Lebewesen

Die digitale Biologie gilt als eines der großen Zukunftsthemen der Wissenschaft. Mit einem Crowdfunding-Projekt gehen Forscher dabei nun einen ungewöhnlichen Weg: Sie sammeln Geld, um ein Computermodell des Wurms C. elegans zu erschaffen.

DPA/ Washington University School of Medicine

Von


Wenn Forscher eine Idee für ein neues Projekt haben, schreiben sie in der Regel Anträge und schicken diese an potentielle Geldgeber wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die National Science Foundation (NSF) oder Stiftungen. Im Zeitalter von Twitter, Apps und Start-ups gibt es aber auch andere Wege, um Geld einzusammeln: Crowdfunding. Hunderte oder Tausende Menschen geben dabei Geld für ein Projekt, das sie unterstützen möchten.

Diesen in der Wissenschaft bislang ungewöhnlichen Weg geht nun das Projekt Openworm. Auf der Plattform Kickstarter wollen seine Macher mindestens 120.000 US-Dollar sammeln, um ein möglichst perfektes Modell des Wurms C. elegans programmieren zu können. Fast ein Drittel des Geldes ist bereits eingeworben.

Wer mindestens 59 Dollar spendet, soll ab Mai 2015 in einem Browserfenster an einem virtuellen Wurmmodell herumspielen dürfen. Für 249 Dollar können Spender ein Neuron adoptieren - davon besitzt der Wurm genau 302. Eine Lizenz der Wurmsimulation für eine ganze Schulklasse kostet 2499 Dollar. Bezahlt werden muss bis zum 19. Mai.

Hinter Openworm stecken knapp 50 Forscher und Programmierer aus der ganzen Welt. Stephen Larson, der unter anderem am MIT und an der University of California in San Diego geforscht hat, koordiniert das Projekt. Der darin entwickelte Code stehe unter einer Open-Source-Lizenz und könne somit von jedermann genutzt werden. Das Interface WormSim, mit dem Nutzer im Browser mit ihrem virtuellen Wurm spielen können, solle den Spendern vorbehalten bleiben. Einen ersten Eindruck davon vermittelt der Openworm-Browser.

Die Präsentation auf der Kickstarter-Webseite verspricht viel: "Machen Sie mit bei der Erschaffung des ersten digitalen Lebewesens", heißt es. Und: "Weil wir denken, dass die Hirnforschung schneller vorankommen muss, nehmen wir die Sache selbst in die Hand." Mit Openworm könne man das neue Gebiet der digitalen Biologie aus der ersten Reihe verfolgen.

Beliebter Modellorganismus

Zu einem Crowdfunding-Projekt gehört natürlich auch eine Web-affine Gründungsgeschichte: Anfang 2010 hat demnach der italienische Programmierer Giovanni Idili einen Tweet an den Twitter-Account des Projekts The Whole Brain Catalog gesendet, das sich zum Ziel gesetzt hat, verschiedene Daten des Mausgehirns zusammenzuführen und leichter nutzbar zu machen. Idili fragte mehr aus Spaß: Sollte man nicht einfach mal das aus 302 Neuronen bestehende Gehirn des Wurms C. elegans simulieren? Aus der Diskussion darüber entstand schließlich die Idee für Openworm.

C. elegans ist ein in den Biowissenschaften sehr beliebter Modellorganismus. An dem Wurm erforschen Mediziner Krankheiten wie Alzheimer, die Wirkung von Schadstoffen und Prozesse des Alterns. Obwohl Teams weltweit mit C. elegans arbeiten, ist es bislang nicht gelungen, die Abläufe im Gehirn vollständig in einem Modell nachzubilden.

Die digitale Biologie erlebt dank immer leistungsfähigerer Computer und immer günstigerer Erbgutsequenzierung einen Boom. Mediziner hoffen beispielsweise, eines Tages eine Chemotherapie zuerst am Computermodell durchführen zu können, um für jeden Patienten die für ihn optimale Behandlung zu finden. Dazu müssten das Genom des Patienten und der spezielle Krebstyp bekannt sein. Und natürlich bräuchten die Mediziner dazu auch ein detailliertes Modell der biochemischen Abläufe in den Zellen.

Intelligenz verstehen

Ähnliches haben Hirnforscher vor. Sie wollen eines Tages möglichst das vollständige Gehirn des Menschen simulieren - etwa beim mit EU-Millionen geförderten Human Brain Project. Virtuelle Gehirnmodelle sollen helfen, Krankheiten wie Alzheimer oder Parkinson endlich so gut zu verstehen, dass Therapien möglich sind. Außerdem könnte ein digitales Gehirnmodell eine Frage klären, die Forscher bislang verzweifeln lässt: Was ist Intelligenz und wie entsteht sie?

Die Macher von Openwurm aber wollen erst einmal kleine Brötchen backen. "Es ist noch ein langer Weg", sagt Stephen Larson. "Wir müssen erst kriechen, bevor wir laufen lernen." Daher sei der C. elegans der ideale Startpunkt.

Bleibt die Frage, was Lehrer, Schüler und interessierte Laien mit einem Modell des Wurms anfangen sollen. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse werden sie damit kaum gewinnen können - dazu fehlt ihnen wohl das nötige Detailwissen.

Nadia Sturm, die am Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns in Köln mit C. elegans arbeitet, findet die Idee von Openworm trotzdem gut: "Es freut mich zu hören, dass der kleine Wurm so auch Aufmerksamkeit bei Leuten außerhalb der Forschung bekommt." Dies erhöhe das Verständnis etwa für die Erforschung neurologischer Krankheiten. Als eine Art Computerspiel sei Openworm sicher eine gute Idee. Für Schulklassen könne die Beschäftigung damit durchaus sinnvoll sein.

C. elegans und die "Columbia"-Tragödie

insgesamt 41 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
spon-1262857861028 01.05.2014
1. Geldveschwendung
Anfang 2000 zog eine Forschergruppe (das Alpha Projekt) um Roger Brent aus, einen simplen Signaltransduktionsweg in der Hefe in silico zu modellieren. Anfangs gab's dazu grosses Getöse, eine Website und einen Newsletter auf dem die Fortschritte berichtet werden sollten. Mitte der letzten Dekade wurde es dann still, und irgendwann konnte man dan auf der umgestalteten Wepage lessen, dass man wohl die Komplexität der Sache unterschätzt hätte und jetzt Einzelaspekte des Projekts als separate Parcels untersucht wuerden. Was hat das hiermit zu tun? Bäckerhefe ist der bestcharakterisierte eukaryotische Modellorganismus.Die Komplexität von biologischen Systemen wird von proponenten design-silico modelings - aus Naivität oder unter Vorsatz unterschätzt, unser Grundlagenwissen ueberschätzt, oder bewusst (zwecks Forschungsgelderabschöpfung) ueberoptimistisch dargestellt. Modellieren von Organismen gleicht zur Zeit dem Versuch, den Ausgang eines Schachspiels vorherzusagen, obwohl nicht alle Regeln bekannt sind und mehrer Schluesselfiguren unsichtbar (aber trotzdem aktiv) sind. Die Krone des Geldabschöpfens geht natuerlích an das Human Brain Project, das sogar zugibt, dass die Prozessortechnologie, die zum Modeling notwendig wäre, noch gar nicht exisitiert. Aber Moore's law (kein echtes Gesetz) wird's richten. Sowas nennt man Cojones - oder Dummheit bei der Fördereinrichtung. Das Geld wäre besser investiert in der Förderung kleinerer Gruppen. Auch das Wurmprojekt wird auf absehbare Zeit Geldverschwendung sein.
silverhair 01.05.2014
2. Hellsehen
Zitat von spon-1262857861028Anfang 2000 zog eine Forschergruppe (das Alpha Projekt) um Roger Brent aus, einen simplen Signaltransduktionsweg in der Hefe in silico zu modellieren. Anfangs gab's dazu grosses Getöse, eine Website und einen Newsletter auf dem die Fortschritte berichtet werden sollten. Mitte der letzten Dekade wurde es dann still, und irgendwann konnte man dan auf der umgestalteten Wepage lessen, dass man wohl die Komplexität der Sache unterschätzt hätte und jetzt Einzelaspekte des Projekts als separate Parcels untersucht wuerden. Was hat das hiermit zu tun? Bäckerhefe ist der bestcharakterisierte eukaryotische Modellorganismus.Die Komplexität von biologischen Systemen wird von proponenten design-silico modelings - aus Naivität oder unter Vorsatz unterschätzt, unser Grundlagenwissen ueberschätzt, oder bewusst (zwecks Forschungsgelderabschöpfung) ueberoptimistisch dargestellt. Modellieren von Organismen gleicht zur Zeit dem Versuch, den Ausgang eines Schachspiels vorherzusagen, obwohl nicht alle Regeln bekannt sind und mehrer Schluesselfiguren unsichtbar (aber trotzdem aktiv) sind. Die Krone des Geldabschöpfens geht natuerlích an das Human Brain Project, das sogar zugibt, dass die Prozessortechnologie, die zum Modeling notwendig wäre, noch gar nicht exisitiert. Aber Moore's law (kein echtes Gesetz) wird's richten. Sowas nennt man Cojones - oder Dummheit bei der Fördereinrichtung. Das Geld wäre besser investiert in der Förderung kleinerer Gruppen. Auch das Wurmprojekt wird auf absehbare Zeit Geldverschwendung sein.
Lesen bildet .. Das ganze ist ein "privat finanziertes Crowdfunding Projekt" und SIE sind damit draussen... Und seltsam, wir sollten sie demnächst als Hellseher einstellen, da sie ja im voraus wissen wie alles funktioniert , und natürlich sich Dinge die unsinning(nach ihrer Hellseherei) sind einfach vermeiden! Wir können natürlich auch Dampfmaschine , Züge , Autos, Flugzeuge, Computer und so ziemlich die gesamte Technik nachträglich nochmals als Unsinnig definieren .. den all diese Dinge und tausende andere waren ja damals nach vorherschender Meinung alle Unsinnig, Geldverschwendung und Hoch gefährlich! Aber interessanterweise funktionieren bis auf recht wenige Ausnahmen so ziemlich alle Projekte nach einiger Zeit .. nur das Projekt - Verstand in die Köpfe zu bringen ist gescheitert, wie Sie eindruckvoll demonstrieren!
spon-1262857861028 01.05.2014
3. Nur eine Warnung an Geldgeber
Und Sie haben nicht verstanden. Dies war eine Warnung and Leute, die diese Artikel fasziniert. Nämlich ihr Geld nicht an komplett sinnlose Projekte zu verschwenden. Das sehr beschränkte Nervensystem von C. elegans ist bis zur letzten Zelle bekannt. Trotzdem ist es niemandem gelungen, das Nervensystem auch nur annähernd korrekt zu modellieren. Der Öffentlichkeit und den politischen Entscheidungsträgern wird suggeriert, dass wir schon alles Notwendige wissen und die notwendigen Technologien existieren. Auch die Presse trägt ihre Schuld daran, zum Beispiel wenn behauptet wird, mit der Sequenzierung eines Genoms sei ein Organismus entschluesselt. Dabei ist selbst ein gut annotiertes Genom nicht viel mehr als eine Teileliste, bei der fuer viele Teile noch nicht eimal klar ist, was fuer eine Rolle sie spielen. Die grösste Innovation (CRISPR/Cas9 Genom Editing) in der Biologie in den letzten paar Jahren kam nicht aus grossen Labors mit ihren grossen Agenden, sondern von Grundlagenforschern, die bakterielle Immunsysteme studieren. "System"biologen und andere Simulanten wollen uns weissmachen, dass man Rennen kann, bevor man das laufen gelernt hat. Keine Kohle fuer solche Blender.
spon-1262857861028 01.05.2014
4. Eben nicht
Zitat von silverhairLesen bildet .. Das ganze ist ein "privat finanziertes Crowdfunding Projekt" und SIE sind damit draussen... Und seltsam, wir sollten sie demnächst als Hellseher einstellen, da sie ja im voraus wissen wie alles funktioniert , und natürlich sich Dinge die unsinning(nach ihrer Hellseherei) sind einfach vermeiden! Wir können natürlich auch Dampfmaschine , Züge , Autos, Flugzeuge, Computer und so ziemlich die gesamte Technik nachträglich nochmals als Unsinnig definieren .. den all diese Dinge und tausende andere waren ja damals nach vorherschender Meinung alle Unsinnig, Geldverschwendung und Hoch gefährlich! Aber interessanterweise funktionieren bis auf recht wenige Ausnahmen so ziemlich alle Projekte nach einiger Zeit .. nur das Projekt - Verstand in die Köpfe zu bringen ist gescheitert, wie Sie eindruckvoll demonstrieren!
Sie Schelm - im Gegensatz zu Ihren Freunden bin ich mir darum bewusst, was wir NICHT wissen. Frueher zeichneten sich Projekte - auch Grossprojekte wie das Yeast or Human Sequencing Project, oder auch die Mondfahrt - dadurch aus, dass sie ganz klar technisch bewältigbar waren. Das ist hier ziemlich klar nicht der Fall - aus DEN Gruenden, die ich vorhin schon erwähnt habe
silverhair 01.05.2014
5. Immer noch einfach Unkenntnis
Zitat von spon-1262857861028Und Sie haben nicht verstanden. Dies war eine Warnung and Leute, die diese Artikel fasziniert. Nämlich ihr Geld nicht an komplett sinnlose Projekte zu verschwenden. Das sehr beschränkte Nervensystem von C. elegans ist bis zur letzten Zelle bekannt. Trotzdem ist es niemandem gelungen, das Nervensystem auch nur annähernd korrekt zu modellieren. Der Öffentlichkeit und den politischen Entscheidungsträgern wird suggeriert, dass wir schon alles Notwendige wissen und die notwendigen Technologien existieren. Auch die Presse trägt ihre Schuld daran, zum Beispiel wenn behauptet wird, mit der Sequenzierung eines Genoms sei ein Organismus entschluesselt. Dabei ist selbst ein gut annotiertes Genom nicht viel mehr als eine Teileliste, bei der fuer viele Teile noch nicht eimal klar ist, was fuer eine Rolle sie spielen. Die grösste Innovation (CRISPR/Cas9 Genom Editing) in der Biologie in den letzten paar Jahren kam nicht aus grossen Labors mit ihren grossen Agenden, sondern von Grundlagenforschern, die bakterielle Immunsysteme studieren. "System"biologen und andere Simulanten wollen uns weissmachen, dass man Rennen kann, bevor man das laufen gelernt hat. Keine Kohle fuer solche Blender.
Nochmal - was sinnvoll ist oder sinnlos können SIE und NIEMAND wissen - auf diesem Planeten gibt es keine Hellseher!! Deshalb ist Forschung, Wissenschaft und Entwicklung immer das SUCHEN IM UNWISSEN! Die welt besteht nicht aus dem nützlichen für sie .. sondern aus dem was man daraus macht ...und was irgendwann einmal vielleicht einen praktischen Nutzen hat, oder eben auch 2000 Jahre später! Die Grundlagen Forschung für unsere heutigen Computer hat vor 2800 Jahren begonnen, und in jedem Jahrhunder kam ein kleines bissle mehr dazu! Mathematik, Physik - all das ist nicht "ach ich bau mir was und das ist nützlich" sondern - komm wir probieren was und wenn es klappt ist es nett! Und sie scheinen eher von dem Wahnsinn besessen zu sein , das "Geld" etwas ist was man in eine Kiste steckt und dann behält. Aber das ist es nicht .. Geld gibt es nur im stetigen Austausch, was sie in eine Kiste stecken wird einfach ignoriert , man erschafft neues Geld wenn man es braucht und keines hat! Insofern kann es auch kein "verschwendetes Geld" jemals geben , nur nutzlose behalten! Und wer wirklich geld hat, der weiß das auch , und weiß das man ohne es zu benutzen auch nichts damit anfangen kann! Das was sie heute als Computer da haben, ist aus einem ziemlich sinnlosen Projekt entstanden .. man wollte ein paar Drähte in Schaltschränken einfach nicht mehr laufend umstecken - umlöten .. und die Entwickler davon haben grad mal mit einem Absatz von 1000-2000 dieser Schaltung gerechnet .. es war das sinnloseste Investment was es wohl gab .. Erst als andere dieses "sinnlose" in weiter sinnloses umformten .. Morsetaster .. nett - falls sie noch wissen was das ist .. wurde es sinnvoller! Und natürlich wissen wir zu 95 % wie diese eigentlich sehr trivialen Biologischen Bausteine arbeiten .. wir können ihnen beim Arbeiten zusehen , und zumindest hypothetisch durchaus nachvollziehen wie so 80% der Informationsverarbeitung zustande kommt! Alles andere .. das ist eben ausprobieren, bauen machen tun .. und was dabei genau herauskommt, das wird man erst ahnen wenn man es fertig hat!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.