Darmbakterien Servicekraft steckt 20 Gäste mit Ehec an

Nach einer Familienfeier in Niedersachsen ist fast ein Drittel der Gäste erkrankt. Diagnose: Ehec. Eine Servicekraft, die selbst infiziert war, hatte die Erreger offenbar auf Lebensmittel gebracht.

Ehec-Bakterien unter dem Mikroskop: Übertragung von Mensch zu Mensch möglich
Getty Images/ HZI

Ehec-Bakterien unter dem Mikroskop: Übertragung von Mensch zu Mensch möglich


Die Ehec-Welle in Deutschland ebbt weiter ab, Sprossen sind als Infektionsquelle identifiziert. Doch die gefährlichen Bakterien können auch von Mensch zu Mensch übertragen werden - und genau das ist offenbar auf einer Feier in Niedersachsen passiert. Wie das Sozial- und Verbraucherministerium in Wiesbaden mitteilten, war eine Mitarbeiterin des nordhessischen Catering-Services mit Ehec infiziert, als sie Speisen für eine Feier zubereitete. Symptome habe sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht gehabt, sondern erst einige Tage später. Die Frau sei am gefährlichen hämolytisch-urämischen Syndrom (Hus) erkrankt.

Durch Laboruntersuchungen konnte der aggressive Ehec-Keim Husec 41 (Serotyp O104:H4) auf verschiedenen für die Feier vorbereiteten Lebensmitteln nachgewiesen werden, so das Ministerium. 20 der 65 Gäste erkrankten, drei davon entwickelten Hus.

Ehec-Bakterien können durch Schmierinfektion von einem Menschen zum anderen übertragen werden. Infizierte scheiden die Keime über den Darm aus. Wäscht sich jemand nach dem Toilettengang die Hände nicht, können die Bakterien übertragen werden. Nur etwa 100 Ehec-Keime reichen aus, um jemanden erkranken zu lassen.

Wie genau die Bakterien auf die Lebensmittel gelangten und ob es ein Hygieneproblem in dem Betrieb gibt, werde nun untersucht, sagte der Sprecher des Kreises Kassel, Harald Kühlborn. Werden einfache Hygieneregeln eingehalten, könne es eigentlich nicht zu einer Übertragung des Keims kommen, sagte Kühlborn. Möglich sei, dass ein infizierter Gebrauchsgegenstand des Betriebs eine Rolle spielte.

Der wegen Ehec-verseuchter Sprossen gesperrte Biohof im niedersächsischen Bienenbüttel bleibt derweil geschlossen. "Bevor wir ihn wieder freigeben, müssen alle Proben ausgewertet werden", sagte ein Sprecher des Agrarministeriums in Hannover. Dies werde "mindestens einige Tage bis einige Wochen" dauern. Noch ist unklar, wie der lebensbedrohliche Erreger auf die Sprossen des Biohofs gelangt ist. Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät weiter vom Verzehr roher Sprossen ab, ebenso von selbstgezogenen rohen Sprossen und Keimlingen.

Meldesystem soll beschleunigt werden

Bundesweit gehe die Zahl der Neuinfektionen seit einiger Zeit zurück, sagte eine Sprecherin des Robert Koch-Instituts (RKI). Seit Beginn der Ehec-Welle Anfang Mai sind in Deutschland mindestens 38 Menschen gestorben, mehr als zwei Drittel davon in den nördlichen Bundesländern Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Bremen. Laut RKI sind bundesweit bisher 2610 Ehec-Fälle bekannt, 798 Menschen seien an Hus erkrankt.

Als Konsequenz aus der Epidemie will Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) das Meldesystem verbessern. "Wir müssen das Meldeverfahren an die modernen Kommunikationsmöglichkeiten anpassen, damit die Informationen darüber, wie sich die Zahlen der Erkrankten entwickeln, schneller verfügbar sind", sagte Bahr der "Rheinischen Post". Es sei nicht verständlich, warum in einer solchen Situation wichtige Meldungen per Post verschickt worden seien.

Bahr kündigte an, dass dies ein Thema auf der Gesundheitsministerkonferenz am 29. und 30. Juni sein werde. Kritik am Krisenmanagement wies der Politiker zurück.

wbr/dpa

insgesamt 119 Beiträge
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Seite 1
Newspeak, 17.06.2011
1. ...
Wieso soll es eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung sein, wenn die Servicekraft das Essen zubereitet hat und dabei die Lebensmittel mit Ehec verunreinigt wurden? Eine Schmierinfektion bedeutet die Ansteckung von Person zu Person, z.B. durch Händedruck, aber nicht oral, über kontamiertes Essen.
hdudeck 17.06.2011
2. Wie bitte ?
Zitat von sysopNach einer Familienfeier in Niedersachsen ist fast ein Drittel der Gäste erkrankt. Diagnose: Ehec. Eine Servicekraft, die selbst infiziert war, hatte die Erreger offenbar auf Lebensmittel gebracht. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,769054,00.html
Hab ich was verpasst? Soweit ich weiss sind auf dem Biohof bis jetzt keine Ehec-Bakterien nachgewiesen worden. Alles was man weiss ist das diese als moegliche Quelle identifieziert wurden. Wer weiss, wie die Quelle selbst identifieziert wurde, wohlmoeglich weil man nicht besseres parat hatte und weil es so schoen ins Bild passt (Japanische Ehec Welle) Woher also diese Erkenntniss?
outdoor 17.06.2011
3. Nein
Zitat von NewspeakWieso soll es eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung sein, wenn die Servicekraft das Essen zubereitet hat und dabei die Lebensmittel mit Ehec verunreinigt wurden? Eine Schmierinfektion bedeutet die Ansteckung von Person zu Person, z.B. durch Händedruck, aber nicht oral, über kontamiertes Essen.
Nein. Eine Schmierinfektion bedeutet auch die Infektion durch den Kontakt mit Gegenständen die kontaminiert sind. " Bei einer Schmierinfektion handelt es sich um eine indirekte Infektion, bei welcher Krankheitserreger über kontaminierte Gegenstände, Nahrungsmittel oder Trinkwasser übertragen werden. Sie ist abzugrenzen gegenüber einer direkten Kontaktinfektion, bei welcher eine Ansteckung über die Berührung infizierter Menschen oder Tiere erfolgt, und gegenüber einer Tröpfcheninfektion, welche eine Ansteckung über die Luft bezeichnet." http://www.medizin-blog.net/allgemeines/schmierinfektion/
zauberberg25 17.06.2011
4. Händewaschen?
Soll das heißen, dass die Servicekraft im Essen herumgemehrt hat mit verunreinigten Händen? Man fragt sich doch, wie weit es mit den Hygienevorschriften in einem Land her ist, in dem alles und jedes geregelt ist, wenn man so was liest. Wieso ist es in Deutschland kein Problem, in der bereits zum Verkauf in der Vitrine liegenden Ware herumzufingern und dann kurz darauf ohne die Hände zu waschen, abzukassieren? In Mexiko tragen die Verkäufer Hauben auf dem Kopf - im ach so entwickelten Deutschland scheint so was wohl kein Thema zu sein...
vander1 17.06.2011
5. Aha, das klingt ja so
Zitat von sysopNach einer Familienfeier in Niedersachsen ist fast ein Drittel der Gäste erkrankt. Diagnose: Ehec. Eine Servicekraft, die selbst infiziert war, hatte die Erreger offenbar auf Lebensmittel gebracht. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,769054,00.html
als müßte man schon fahrlässig handeln um überhaupt eine Infektion zu erreichen. Bei einer Infektion von immerhin 33% der Gäste ist das aber schwer vorstellbar, wo liegt der Denkfehler?
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