Gute Nachricht aus Italien "Das Coronavirus scheint derzeit kein Problem für Kinder zu sein"

Obwohl sich in Italien Zehntausende mit dem Coronavirus infiziert haben, wurde der Erreger bislang nur bei rund 300 Kindern nachgewiesen. Keines ist schwer erkrankt.
Kinder im italienischen Mailand malen Bilder der Hoffnung: "Alles wird gut"

Kinder im italienischen Mailand malen Bilder der Hoffnung: "Alles wird gut"

Foto: Pietro D'Aprano/ Getty Images

In Italien sind mittlerweile rund 300 Kinder positiv auf das Coronavirus getestet worden. "Es gibt aber bisher keine Todesfälle und keine schweren Verläufe bei Kindern", sagte Alberto Villani, Präsident des italienischen Kinderarztverbands, bei einer Pressekonferenz des Zivilschutzes in Rom. "Das dürfte viele Eltern und Großeltern beruhigen. Das Coronavirus an sich scheint derzeit kein Problem für Kinder zu sein."

Auch die Zahl der Fälle zeigt, dass Kinder vergleichsweise selten betroffen sind. Die rund 300 positiv getesteten Kinder sind nur ein winziger Teil der mehr als 40.000 Menschen, bei denen das Virus in Italien nachgewiesen worden ist. Mehr als 3000 Menschen sind in Italien im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben.

Noch ist nicht abschließend geklärt, ob sich Kinder tatsächlich seltener infizieren oder sich die Infektion einfach nur nicht zeigt. Eine chinesische Untersuchung spricht für die zweite Version. Demnach stecken sich Kinder zwar genauso häufig an, entwickeln aber viel seltener Beschwerden. Die Gründe dafür sind unklar. Denkbar ist zum Beispiel, dass die Andockstellen, über die die Viren Körperzellen befallen, bei Kindern noch nicht ausreichend entwickelt sind. Eine weitere Möglichkeit wäre, dass das Immunsystem von Kindern nicht so stark auf das Virus anspricht.

Auswertungen zu Kindern aus Wuhan

Neue Informationen zu Infektionen von Kindern gibt es auch aus China. Mediziner des Wuhan Children's Hospital haben ihre Erfahrungen in einem Brief an das "New England Journal of Medicine" veröffentlicht . Das Zentrum ist das einzige in China, das offiziell Kinder unter 16 Jahren behandeln sollte.

In ihrem Schreiben werten die Mediziner die Krankheitsverläufe von 171 Kindern aus, die positiv getestet wurden. Im Mittel waren die Betroffenen 6,7 Jahre alt. 15,8 Prozent hatten gar keine Beschwerden. Knapp die Hälfte litt unter Fieber, viele husteten und ihr Rachen war gerötet. Im Schnitt hielt das Fieber drei Tage an, bei einem Großteil erreichte es keine höheren Werte als 39 Grad Celsius.

Die Daten zeigen jedoch auch, dass bei Kindern mit Grunderkrankung die Infektion schwer verlaufen kann. Drei der Kinder mussten auf der Intensivstation behandelt und künstlich beatmet werden:

  • Eines hatte eine schwere Nierenkrankheit,

  • das zweite Leukämie, wegen der es gerade eine Chemotherapie erhielt, und

  • das dritte eine schwere Darmkrankheit, bei der sich ein Teil des Darms in einen anderen stülpt.

Bei dem dritten Fall handelte es sich um ein zehn Monate altes Kind, das vier Wochen nach seiner Aufnahme im Krankenhaus an einem Multiorganversagen starb. Die Mediziner lassen in ihrem Schreiben jedoch offen, welche Rolle dabei Covid-19 spielte und welche die schwere Grunderkrankung.

Abgesehen von diesem tragischen Fall konnte ein Großteil der in China erkrankten Kinder bereits gesund nach Hause entlassen werden. Nur noch 21 befanden sich zum Zeitpunkt des Schreibens im Krankenhaus, alle mit einem stabilen Gesundheitszustand. "Im Gegensatz zu infizierten Erwachsenen scheinen die meisten Kinder einen milderen Krankheitsverlauf zu haben", ist dementsprechend auch das Fazit des chinesischen Ärzteteams. "Es ist auch nicht ungewöhnlich, dass Kinder gar keine Beschwerden entwickeln."

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte in der Vergangenheit bereits mehrfach betont, dass es bei Kindern nur extrem selten zu schweren Verläufen komme. Kinder steckten sich meist bei Erwachsenen an, Erwachsene hingegen selten bei Kindern, hieß es zudem. Das ist ein großer Unterschied zur saisonalen Grippe, bei der Kinder ein Treiber der Ansteckungswelle sein können.

irb/dpa