Studie schwedischer Forscher Das Geschlecht des Kindes liegt am Zufall, nicht an den Genen

In manchen Familien kommen besonders viele Mädchen zur Welt, in anderen vor allem Jungen. Forscher haben nun untersucht, ob die Veranlagung darüber entscheidet, welches Geschlecht der Nachwuchs hat.
Familie: Weltweit werden etwas mehr Jungen geboren als Mädchen

Familie: Weltweit werden etwas mehr Jungen geboren als Mädchen

Foto: Patrick Pleul/ dpa

Biologisch lässt sich die Frage, ob ein Junge oder ein Mädchen entsteht, klar beantworten: Das Geschlecht eines Kindes hängt davon ab, ob es ein X- oder Y-Chromosom von seinem Vater erbt. Doch was bestimmt, welches Chromosom sich bei der Zeugung durchsetzt?

Die Geschlechterverteilung ist in Familien sehr unterschiedlich: Das eine Paar hat drei Töchter, das andere nur Söhne. "Reiner Zufall", sagen die einen. "Nein, das liegt in den Genen", argumentieren die anderen. Forscher haben die Theorie nun untersucht. Demnach wird das Geschlecht eines Kindes im Wesentlichen vom Zufall bestimmt.

Die Wissenschaftler um Ralf Kuja-Halkola vom schwedischen Karolinska-Institut in Solna haben Daten aller in Schweden seit 1932 geborenen Kinder analysiert. Informationen von mehr als 3,54 Millionen Eltern und deren rund 4,75 Millionen Kindern sind in die Untersuchung eingeflossen. Um herauszufinden, ob genetische Variationen das Geschlechtsverhältnis der Nachkommen beeinflussen, prüften die Forscher, ob die Nachkommen von untersuchten Personen ein ähnliches Geschlechterverhältnis aufweisen wie die Nachkommen ihrer Geschwister.

Kein Zusammenhang zwischen dem Geschlecht des ersten und des zweiten Kindes

Das Ergebnis: Die genetische Veranlagung in Familien hat keinen Einfluss darauf, ob Eltern eher Jungen oder eher Mädchen bekommen, schreiben die Forscher in den "Proceedings of the Royal Society B" . Ein Kind erhalte sein Geschlecht weitgehend zufällig.

Ein Beispiel: Hat ein Mann nur Töchter, ist es gut möglich, dass sein Bruder vor allem Söhne hat und seine Schwester ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis.

Auch für einen Zusammenhang zwischen dem Geschlecht des ersten und des zweiten Kindes fanden die Wissenschaftler keine Anzeichen. Bekommt eine Familie zunächst ein Mädchen, steigt die Chance auf einen Jungen als Zweitgeborenen also nicht und umgekehrt.

Möglicherweise ist der Zufall aber doch nicht alles. So kommen andere Studien zu dem Schluss, dass größere oder wohlhabendere Eltern mit etwas höherer Wahrscheinlichkeit Jungen und physisch attraktivere Personen etwas eher Mädchen bekommen. Doch die Sache ist kompliziert, denn wohlhabende Eltern können zugleich gut aussehen. Ein Rätsel bleibt: Weltweit werden etwas mehr Jungen geboren als Mädchen. Bei einer zufälligen Verteilung müsste die Zahl gleich hoch sein.

jme/dpa