Die Lage in den Kliniken Millionenverluste durch die Ehec-Krise

Auf diesen Ansturm waren norddeutsche Kliniken nicht vorbereitet: Nach Ausbruch der Ehec-Epidemie mussten plötzlich Hunderte Hus-Patienten behandelt werden. Viele von ihnen schwebten in Lebensgefahr und brauchten eine intensivmedizinische Versorgung. Jetzt drohen den Krankenhäusern Millionenverluste.
Arzt in Hamburger Klinik: Arbeiten am Limit

Arzt in Hamburger Klinik: Arbeiten am Limit

Foto: Gero Breloer/ AP

Von der Reinigungskraft bis zum Klinikchef - die Beschäftigten in norddeutschen Krankenhäusern arbeiteten rund um die Uhr, sieben Tage die Woche, viele verzichteten sogar auf ihren Urlaub. In vielen Krankenhäusern herrschte der Ehec-Ausnahmezustand. Jetzt, rund sieben Wochen nach dem Ausbruch der Epidemie, befürchten die Kliniken, auf einem Großteil der zusätzlichen Kosten sitzenzubleiben.

Der GKV-Spitzenverband wies diese Bedenken allerdings entschieden zurück. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sprach sich für eine Deckung der Zusatzkosten aus den Rücklagen des Gesundheitsfonds aus. Derweil hob Russland sein Embargo für Gemüse-Importe aus der Europäischen Union auf.

Der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Georg Baum, sagte, "die durch die zahlreichen Erkrankungen entstandenen Kosten sind deutlich höher, als das, was konventionell erstattet wird". Zwar sei die Höhe der durch die Epidemie entstandenen Zusatzkosten noch nicht bilanzierbar. Es gebe aber bereits eine große Kluft im System zwischen der Höhe der erhaltenen Vergütungen und den tatsächlich zu bewältigenden Kosten durch die Krankenhäuser. Die nichtgeplanten Kosten für Behandlungen würden über das derzeitige Vergütungssystem "absolut unzureichend abgedeckt", kritisierte er.

Die Sprecherin des GKV-Spitzenverbands, Ann Marini, sagte dagegen: "Kein Krankenhaus, das sich um schwer erkrankte Ehec- und Hus-Patienten kümmert, muss Sorge haben, auf den zusätzlichen Kosten sitzenzubleiben." Alle Krankenhausleistungen würden bezahlt.

Marini zufolge haben bereits erste Gespräche über eine finanzielle Lösung zwischen den einzelnen betroffenen Krankenhäusern und Krankenkassen in den Regionen begonnen. "Wir sind zuversichtlich, dass sich in jeweils betroffenen Regionen eine einvernehmliche Lösung finden lässt."

SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach sagte, der Gesundheitsfonds habe erhebliche Überschüsse erwirtschaftet, und aus diesen Überschüssen sollten die durch die Krise entstandenen Kosten in voller Höhe auf Nachweis erstattet werden.

cib/dapd
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