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31. Oktober 2014, 17:46 Uhr

Rechenmodell

Simulation zeigt Wege zum Sieg über Ebola

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Die Ebola-Seuche in Westafrika ist außer Kontrolle. Eine neue Computersimulation zeigt, wie die Epidemie eingedämmt werden könnte. Insbesondere Beerdigungen bergen die Gefahr für Neuinfektionen.

Die Ebola-Seuche in Westafrika stellt Mediziner vor immense Probleme: Die Zahl der Infizierten und Toten könnte bis zum Januar auf eine halbe Million steigen. Und niemand weiß, ob die jüngst drastisch aufgestockten Hilfsprogramme ausreichen, um das tödliche Virus zu stoppen.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt vier Maßnahmen - darunter eine bessere Hygiene bei Beerdigungen und eine konsequente Isolierung Infizierter. Eine aufwendige Simulation der Ebola-Ausbreitung in Liberia zeigt nun, welche Maßnahmen besonders wirksam sind.

In ihren Modellrechnungen kommen die Forscher aus den USA und Liberia zu dem Schluss, dass rituelle Beerdigungen das wohl größte Problem sind. Sie seien "Superverbreiter" ("super-spreader events"), schreiben Jan Medlock von der Oregon State University und seine Kollegen im Fachblatt "Science". Beerdigungen trügen überproportional zur Ausbreitung der tödlichen Viren bei.

In Westafrika werden Leichen vor Bestattungen oft gewaschen, von Angehörigen berührt und geküsst. Das Ebolavirus wird ausschließlich über Körperflüssigkeiten übertragen, und die Toten sind besonders infektiös, weil die Virenmenge in ihrem Blut hoch ist.

Reproduktionsquote entscheidet

"Es ist unumgänglich, dass die Ansteckung bei Beerdigungen gestoppt werden muss", sagt Medlock. Die von der WHO empfohlenen Maßnahmen bei diesem Ritual - eine Desinfizierung der Leichen und eine Beerdigung in einem dichten, ebenfalls desinfizierten Sack - reichten jedoch allein nicht aus. Erst die Kombination aller vier von der WHO vorgeschlagenen Maßnahmen würden zum Erfolg führen.

Nach Berechnungen von Medlock und seinen Kollegen steckt ein Infizierter in Liberia derzeit im Mittel 1,63 Menschen an. Erst wenn es gelingt, diese Reproduktionssquote unter eins zu drücken, geht die Zahl der Neuinfektionen langsam zurück.

Die vier von der WHO vorgeschlagenen und im Modell untersuchten Maßnahmen sind:

Das Modell ermöglichte den Forschern zu berechnen, wie jede der vier Maßnahmen einzeln wirkt. Stoppte man allein die Ansteckung in Krankenhäusern, sänke die sogenannte Basisreproduktionsrate von 1,63 auf 1,48. Viel zu wenig, denn die Zahl der Infizierten würde weiter exponentiell steigen.

Wenn Infektionen sowohl in Hospitälern als auch außerhalb eingedämmt würden, läge die Rate bei 1,16 - auch das reicht noch nicht. Erst eine strikte Hygiene bei Beerdigungen könnte die Rate unter den Wert von eins senken, schreiben die Forscher.

In ihren Modellrechnungen berücksichtigen sie auch, dass keine der vier Maßnahmen zu 100 Prozent umgesetzt werden kann. Eine Quote von 60 Prozent in allen vier Fällen würde jedoch reichen, um die Zahl der Neuinfektionen in Liberia binnen sechs Monaten auf weniger als fünf pro Tag zu drücken.

Dirk Brockmann vom Berliner Robert Koch-Institut hält die Analyse von Interventionen für "einen wichtigen Schritt", um Ebola in Westafrika in den Griff zu bekommen. "In dem Ansatz wird sehr genau und detailliert modelliert", sagt er im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Brockmann war an der Studie nicht beteiligt, hat aber selbst Modelle für die Ausbreitung von Infektionskrankheiten entwickelt, die unter anderem die Flugverbindungen weltweit berücksichtigen.

Für eine Schwäche des neuen Modells hält Brockmann die vielen dafür notwendigen Parameter, wie beispielsweise die Wahrscheinlichkeit einer Infektion im Krankenhaus. Bei diesen Parametern mussten die Forscher teils auch auf Daten eines früheren Ebola-Ausbruchs im Kongo zurückgreifen, weil aktuelle Zahlen nicht verfügbar waren. Leichte Störungen und fehlerhafte Annahmen könnten unter Umständen zu ganz anderen Ergebnissen führen, warnt Brockmann.

Der Berliner Modellierungsexperte glaubt, dass die Studie trotzdem helfen kann, "neue Richtlinien zu entwickeln und die Effektivität verschiedener Maßnahmen wirklich auch quantiativ zu vergleichen".

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