Fotostrecke

Ebolaviren: Tödliche Erreger

Foto: AP/dpa/CDC

Tödliches Virus Warum es noch keine Waffe gegen Ebola gibt

In Westafrika tötet das Ebola-Virus immer mehr Menschen - die Ärzte sind hilflos. Es gibt weder eine Impfung noch ein wirkungsvolles Medikament gegen den Erreger. Dabei mangelt es nicht an wissenschaftlichen Fortschritten.
Von Cinthia Briseño

Ebola. Allein das Wort lässt viele Menschen erschaudern - in den Medien ist gerne vom Killervirus die Rede. Mehr als 700 Menschen sind in Westafrika an den Folgen einer Ebola-Infektion bereits gestorben. Fest steht: In den nächsten Wochen und Monaten werden weitere daran zugrunde gehen, denn Mediziner und Helfer vor Ort sind weitgehend hilflos: Sie haben keine Waffe - weder Medikamente noch eine Impfung -, die das tödliche Virus in Schach halten könnte.

Experten wie Stephan Monroe, Leiter der Abteilung für Infektionskrankheiten der CDC malen allesamt ein düsteres Szenario: "Der Kampf gegen diesen Ausbruch wird kein Sprint, sondern ein Marathon." "Diese Epidemie ist beispiellos", sagte auch Bart Janssens, Einsatzleiter bei Ärzte ohne Grenzen vor einigen Tagen, "sie ist ganz und gar nicht unter Kontrolle, und die Situation verschlechtert sich immer weiter." Und auch Margret Chan, Chefin der Weltgesundheitsorganisation WHO wandte sich am Freitag mit alarmierenden Worten an die Öffentlichkeit: "Der Ausbruch schreitet schneller voran als unsere Bemühungen, ihn zu kontrollieren."

Doch warum sind die Ärzte so machtlos? Warum gibt es noch keine wirkungsvolle Therapie oder eine Impfung gegen Ebola?

Das Ebolavirus

Ein Blick in die Fachliteratur zeigt, dass die Wissenschaft in den vergangenen Jahren durchaus Fortschritte im Kampf gegen die Seuche erzielt hat: "Es gibt einige Impfstoffe in der Entwicklung", sagt Thomas Geisbert von der University of Texas und einer der führenden Ebola-Forscher in den USA in einem Interview mit dem "Scientific American" . Drei bis fünf davon hätten gezeigt, dass sie nichtmenschliche Primaten vollständig vor Ebola schützen. Keiner sei aber bisher so weit, um zugelassen werden zu können.

Einer der Impfstoffe stammt aus dem Labor von Geisberts Forscherteam selbst. 2005 veröffentlichten die Wissenschaftler erstmals eine Studie über die sogenannte VSV-Vakzine . Diese besteht aus dem Vesicular stomatitis Virus, ein Virus, das eng mit dem Tollwutvirus verwandt ist und dessen Erbgut gentechnisch verändert ist, sodass es zwar keine Krankheit mehr im Menschen verursachen kann, aber dennoch die Immunabwehr dazu anregt, Antikörper dagegen zu produzieren. Der Clou: Statt des eigenen Oberflächenmoleküls trägt das gentechnisch veränderte VSV ein Oberflächenmolekül des Ebola-Virus. Auf diese Weise produziert das Immunsystem Antikörper, die sich speziell gegen das Ebola-Molekül richten und die so später im Falle einer Infektion jene Zellen zerstören, in denen sich Ebola-Viren vermehren.

Neben der Entwicklung von Impfstoffen gibt es auch vielversprechende Therapie-Ansätze: Derzeit aussichtsreichster Kandidat für ein Medikament ist ein spezielles Serum bestehend aus drei Antikörpern. Forscher konnten ebenfalls im Tierversuch zeigen , dass dieses nach einer Infektion wirksam gegen das tödliche Virus ist - sogar einige Tage nach Ausbruch des gefürchteten Ebola-Fiebers.

Seither haben die Forscher einige Studien veröffentlicht , die beweisen, dass die Vakzine Mäuse und Makaken effektiv vor den Folgen einer Ebola-Infektion schützt. Der nächste Schritt sei es, den Impfstoff an Menschen zu testen. Dafür fehle aber bisher das Geld, sagt Heinz Feldmann  vom US National Institute of Allergy and Infectious Disease (NIAID) in Hamilton, der zusammen mit Gilbert an der VSV-Impfung forscht. Die Ursache dafür ist in Feldmanns Augen eindeutig: "Ebola ist kein allzu großes Problem für die weltweite Gesundheit der Bevölkerung." Daher hätten weder öffentliche noch private Geldgeber großes Interesse daran, die Forschung zu finanzieren.

Würde es nicht derart an finanzieller Unterstützung mangeln, schätzt Gilbert, sei man möglicherweise nur noch zwei bis sechs Jahre von der Zulassung eines Impfstoffs entfernt. "Studien am Menschen sind teuer", sagt der Virologe. Da große Pharmahersteller aus wirtschaftlichen Gründen kaum Interesse an der Entwicklung hätten, seien die kleinen Firmen, die daran arbeiten, sehr stark auf Hilfsmittel seitens der Regierung angewiesen.

Diese gibt sich zumindest in den USA teilweise als recht großzügig, was die Erforschung von wirksamen Therapien gegen Ebola betrifft. Doch zum einen reichen die bereitgestellten Mittel nicht aus, zum anderen mutet die Motivation der Regierung angesichts der desaströsen Lage in Westafrika, wo Hunderte Menschen in den ärmsten Ländern der Welt an der Seuche sterben, eher zynisch an: Die USA fürchten, dass Ebola-Viren für terroristische Zwecke entfremdet werden könnten. Obgleich es Experten zufolge kaum möglich wäre, die Viren derart zu verändern, dass sie auch über die Luft übertragbar wären (Menschen stecken sich nur durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten an - mehr dazu finden Sie hier), investiert das US-Verteidigungsministerium Millionen in die Ebola-Forschung.

140 Millionen Dollar hat das US-Ministerium etwa in die Firma Tekmira Pharmaceuticals  in Burnaby in Kanada gesteckt, die ein weiteres gentechnisch hergestelltes Mittel gegen Ebola testet. Dabei handelt es sich um kleine Erbgut-Schnipsel (siRNA-Moleküle), die die Vermehrung des Virus bremsen sollen. Im Januar hatte die Firma tatsächlich mit ersten Versuchen an Menschen begonnen. Doch die US-Zulassungsbehörde FDA hatte die Versuche aus Mangel an Daten  darüber wie die Therapie wirkt und aus Mangel an Daten zur Sicherheit des Medikaments, zunächst unterbrochen. Bei Tekmira hofft man, die Studie bald wieder aufnehmen zu können. Doch für die Menschen in Westafrika, die jetzt dringend Hilfe gegen das tödliche Virus benötigen, kommen diese Hoffnungen der Forscher zu spät.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.