Ungeklärte Krankheitsfälle EU-Gesundheitsbehörde meldet steigende Zahl von Hepatitis-Fällen bei Kindern

Ein erster Fall in Deutschland wurde kürzlich bekannt. Die zuständige EU-Behörde spricht nun von einem »Besorgnis erregendem Gesundheitsereignis«.
Im Europäischen Wirtschaftsraum sind bislang schätzungsweise 55 der Hepatitis-Fälle bei Kindern aufgetreten (Symbolbild)

Im Europäischen Wirtschaftsraum sind bislang schätzungsweise 55 der Hepatitis-Fälle bei Kindern aufgetreten (Symbolbild)

Foto: Maren Fischinger / Westend61 / imago images

Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC ist besorgt über die jüngsten Fälle ungeklärter Hepatitis-Erkrankungen bei Kindern. Angesichts des unbekannten Auslösers der Erkrankungen und der potenziell schweren Auswirkungen handele es sich um ein »Besorgnis erregendes Gesundheitsereignis«, erklärte die ECDC.

Seit Ende März hatten mehrere Länder Hepatitis-Fälle bei Kindern gemeldet, in denen der Krankheitserreger unbekannt war. Die ersten Fälle traten in Großbritannien auf, weitere Fälle gab es in anderen europäischen Ländern, in den USA, Israel und Japan. Insgesamt wurden laut ECDC bislang 191 derartige Fälle registriert.

Die Fälle in der EU seien bisher sehr vereinzelt, eine klare Tendenz zeichne sich bislang nicht ab, erklärte die Gesundheitsbehörde. Das Risiko für Kinder in Europa könne derzeit »nicht präzise eingeschätzt werden«. Da die Hepatitis-Erkrankungen in mehreren Fällen zu einem schweren Leberversagen führten und Transplantationen notwendig waren, würden die möglichen Auswirkungen auf die minderjährige Bevölkerung jedoch als erhöht eingeschätzt.

55 Fälle im Europäischen Wirtschaftsraum

Im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) seien bislang schätzungsweise 55 solcher Fälle aufgetreten, darunter einer in Deutschland. Zwölf EWR-Länder haben mittlerweile Verdachts- oder bestätigte Fälle verzeichnet, wie aus einer am Donnerstagabend veröffentlichten Risikoeinschätzung  der ECDC hervorgeht.

Die Hepatitis-Erkrankungen traten bei Kindern im Alter von einem Monat bis 16 Jahren auf. Betroffen waren vor allem Kinder unter zehn Jahren, am häufigsten erkrankten unter Fünfjährige. Die große Mehrheit der betroffenen Kinder war vor der Erkrankung gesund. Zu den ersten Symptomen zählten Bauchschmerzen, Durchfall, Erbrechen und Gelbsucht.

Fünfjähriges Kind in Deutschland erkrankt

Aus Deutschland wurde erst kürzlich die Erkrankung eines fünfjährigen Kindes gemeldet: Es sei im Januar mit Symptomen einer akuten Hepatitis ins Krankenhaus eingeliefert worden und habe zuvor unter Magen-Darm-Beschwerden gelitten. Das Kind sei positiv auf Adenoviren, aber negativ auf das Coronavirus getestet worden. Weitere Angaben wurden nicht gemacht.

Hepatitis ist eine Entzündung der Leber, die bei gesunden Kindern nur selten auftritt. Experten schließen einen Zusammenhang der jüngsten Fälle mit Coronaimpfungen aus, da die meisten betroffenen Kinder nicht geimpft waren. Es gibt auch keine Hinweise auf einen Zusammenhang mit dem Schmerzmittel Paracetamol, das bei einer Überdosierung zu Leberversagen führen kann. Laut ECDC gilt als »Arbeitshypothese« ein möglicher Zusammenhang mit Adenoviren – weit verbreiteten Erkältungsviren, die normalerweise nur leichte Erkrankungen auslösen.

tfb/dpa/AFP
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