Ehec-Epidemie Entwarnung für Gurken, Tomaten und Salat

Freunde von frischem Gemüse können wieder zubeißen: Die wegen der Ehec-Epidemie geltende Warnung vor dem Verzehr roher Tomaten, Gurken und Blattsalate soll aufgehoben werden. Der Verdacht, ein Sprossenhersteller aus Niedersachsen könnte die Ausbruchsquelle sein, hat sich dagegen weiter erhärtet.
Tomaten und Gurken: Behörden warnen nun nur noch vor Sprossen

Tomaten und Gurken: Behörden warnen nun nur noch vor Sprossen

Foto: Michael Sohn/ AP

Berlin/Mainz - Die deutschen Behörden wollen die Warnung vor dem Verzehr von Gurken, Tomaten und Blattsalat aufheben. Die Warnung für Sprossen bleibt aber aufrecht. Hintergrund seien mittlerweile verdichtete Hinweise, die einen Zusammenhang zwischen Ehec-Infektionen und einem Sprossenhersteller in Niedersachsen immer wahrscheinlicher erscheinen ließen, hieß es am Freitag in Koalitionskreisen in Berlin.

In einer gemeinsamen Pressekonferenz des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) und des Robert Koch-Instituts (RKI) am Freitagvormittag sollen neue Ergebnisse aus der Untersuchung des aktuellen Ehec-Ausbruchs bekanntgegeben werden.

Die Behörden hatten aufgrund ihrer bisherigen Erkenntnisse, die auf Befragungen von Ehec-Erkrankten beruhten, vor dem Verzehr von rohen Gurken, Tomaten und Salaten gewarnt. Die Sprossen von dem Erzeuger im Landkreis Uelzen waren nach einer Überprüfung der Lieferwege in Verdacht geraten, ein möglicher Ausbruchsherd zu sein. Der Darmkeim konnte aber bisher in keiner Probe nachgewiesen werden. Wie bekannt wurde, darf die Firma offiziell weiter Gemüse verkaufen - das Unternehmen erklärt hingegen, seit der Anordnung der Behörden habe kein Gemüse mehr den Hof verlassen.

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) hat unterdessen strukturell bedingte Probleme bei der Bewältigung der Ehec-Epidemie in Deutschland eingeräumt. "Ich will ja gar nicht sagen, dass die Kommunikation optimal gelaufen ist", sagte Bahr am späten Donnerstagabend im ZDF zu dem Vorwurf, von Landesgesundheitsministern verbreitete Meldungen über vermeintliche Ehec-Quellen hätten zur Verunsicherung der Menschen beigetragen. Verwirrende Informationen seien jedoch vor allem von "selbsternannten Experten" in die Welt gebracht worden. Gegen diese habe er "gar nicht anarbeiten" können, betonte Bahr.

Er habe sich als Gesundheitsminister immer an das gehalten, was das RKI empfohlen habe, sagte Bahr. Eine sofortige Diskussion über die auf Bund und Länder verteilten Zuständigkeiten für das Krisenmanagement lehnte er erneut ab. Die Strukturen hätten sehr gut funktioniert, über eine Verbesserung werde man nach der Epidemie sprechen.

Ehec-Bekämpfung: Zuständigkeiten der Behörden

Ehec-Bekämpfung: Zuständigkeiten der Behörden

Foto: SPIEGEL ONLINE

Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) hat angesichts der Kritik am Umgang mit der Ehec-Epidemie eine "Manöverkritik" angekündigt. Zwar habe sie sich nichts vorzuwerfen, dennoch sei "nichts so gut, dass man es nicht noch verbessern könnte", sagte Aigner dem "Hamburger Abendblatt".

Sie gehe davon aus, dass es in den kommenden Wochen eine "Manöverkritik" geben werde, sagte Aigner. Dabei werde es um die Frage gehen, wer künftig in ähnlichen Fällen nach außen spricht. Dennoch gebe es bereits klare Absprachen und eine klare Kompetenzverteilung zwischen Bund und Ländern, sagte Aigner und wies zugleich Kritik am eigenen Umgang mit der Krise zurück. "Ich habe mir nichts vorzuwerfen", sagte die CSU-Politikerin und warf der Opposition vor, es "sich mit ihren billigen Sprüchen leicht" zu machen. Die Mitarbeiter des Verbraucherschutzministeriums und der zuständigen Behörden leisteten hervorragende Arbeit.

cib/dpa/AFP
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