Ehec-Epidemie Wie sich die Seuche in Deutschland ausbreitete

Am 1. Mai 2011 erkrankt erstmals ein Patient an der besonders aggressiven Variante des Ehec-Erregers. Seitdem haben sich mehr als 3500 Menschen mit dem Darmkeim infiziert. Jetzt geht die Zahl der Neuerkrankungen zurück. Die Ehec-Krise scheint besiegt. Manche Experten fürchten aber eine zweite Welle.
Von Cinthia Briseño
Ehec-Bakterienkolonie: Seuche forderte 40 Todesopfer

Ehec-Bakterienkolonie: Seuche forderte 40 Todesopfer

Foto: Getty Images/ HZI

Der 1. Mai 2011 wird als wichtigstes Datum in die Chronik einer deutschen Epidemie eingehen: Es ist der Tag, an dem erstmals ein Patient an der besonders aggressiven Variante des Ehec-Erregers erkrankt. Von da an werden täglich Dutzende Patienten im Norden Deutschlands mit heftigen und teils lebensbedrohlichen Durchfallerkrankungen in die Kliniken gebracht.

Jetzt sinken die Fallzahlen, die Seuche scheint überstanden: Man könne wohl sagen, "dass der Scheitelpunkt der Erkrankungszahlen überschritten ist", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert vergangene Woche in Berlin. Von den insgesamt 3901 dem Robert Koch-Institut (RKI) gemeldeten Ehec-Infizierten hat es 838 Menschen besonders schwer getroffen. Sie leiden am hämolytisch-urämischen Syndrom (Hus).

Insgesamt registrierte das RKI bundesweit 47Todesfälle im Zusammenhang mit dem gefährlichen Darmkeim. Den Höhepunkt der Ehec-Welle verzeichneten die Behörden am 22./23. Mai. An diesen Tagen wurden dem RKI jeweils 161 neue Ehec-Fälle gemeldet. Seither seien die Fallzahlen kontinuierlich gesunken.

Ehemalige Betroffene werden zu stillen Ausscheidern

Die Lage sei aber weiter genau zu beobachten, sagte die Seibert. Einige Experten rechnen nämlich mit einer zweiten Ehec-Welle. So sagte der Leiter des Instituts für Mikrobiologie und Hygiene des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Werner Solbach, im NDR-Info-Radio, dass der Keim etwa durch genesene Ehec-Patienten weiterhin in Umlauf gehalten werde. Der Grund: Auch nach dem Abklingen der Symptome können Betroffene den gefährlichen Darmkeim ausscheiden - und andere durch eine Schmierinfektion anstecken.

Wie lange der Erreger von den Infizierten aber noch ausgeschieden wird, wissen die Forscher nicht. Aus früheren Erkenntnissen über Ehec-Infektionen sei bekannt, so heißt es seitens des RKI, dass die Dauer der Ausscheidung von verschiedenen Faktoren abhänge: Alter und Schwere der Erkrankung, aber auch der Erregerstamm selbst könnten eine Rolle spielen.

So würden Kinder Ehec tendentiell länger ausscheiden als Erwachsene - Patienten, die an Hus erkrankt sind, dagegen eher kürzer als Ehec-Infizierte ohne Hus. Derzeit untersucht das RKI in einer Studie, wie lange der Erreger bei den Trägern jeweils nachgewiesen werden kann. Experten gehen aus den Ergebnissen eines häufig vorkommenden Ehec-Stamms aber davon aus, dass die Ausscheidung von Keimen mitunter mehrere Wochen anhalten kann. Für Angehörige von Betroffenen bedeutet das eine zusätzliche Belastung, da die Angst einer Ansteckung immer mitschwingen könnte.

Die Generalempfehlung der Behörden lautet deshalb: Hygiene, Hygiene und nochmals Hygiene. So verhindert man, dass der Keim über eine Schmierinfektion weitergegeben wird, also wenn man sich die Hände nach dem Toilettengang nicht ordentlich wäscht.

Mit Material von dpa
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