Fehlfunktion Einzelner Gendefekt fördert Entstehung von Allergien

Allergien entstehen aus einem komplexen Zusammenspiel zahlreicher Faktoren. Jetzt aber ist Forschern eine erstaunliche Entdeckung gelungen: Funktioniert nur ein einziges Gen nicht richtig, haben Betroffen eine viel stärke Veranlagung zu Allergien.
Beseitigung von Beifußambrosia-Pflanzen: Sie stehen auf der Liste des Schreckens für Allergiker weit oben.

Beseitigung von Beifußambrosia-Pflanzen: Sie stehen auf der Liste des Schreckens für Allergiker weit oben.

Foto: Patrick Pleul/ dpa

Auf der Suche nach den Ursachen von Allergien sind US-Forscher einen großen Schritt vorangekommen. Wissenschaftler der Johns Hopkins University stießen laut einer am Mittwoch veröffentlichten Studie auf einen Gendefekt, der bei der Entstehung vieler allergischer Erkrankungen eine wichtige Rolle spielen könnte. Bislang ist dieser Defekt als Verursacher einer angeborenen Krankheit des Bindegewebes bekannt. Bei einem Forschungsprojekt mit Kindern und jungen Erwachsenen stellte sich nun heraus, dass er womöglich auch die Entwicklung von Allergien begünstigt.

An der Studie, die in der Fachzeitschrift "Science Translational Medicine"  veröffentlicht wurde, waren 58 Patienten im Alter von sieben bis 20 Jahren beteiligt. Sie alle leiden am sogenannten Loeys-Dietz-Syndrom (LDS), das durch Defekte in einem Molekül mit der Bezeichnung TGF-beta hervorgerufen wird. Die genetische Störung könne auch am Anfang einer ganzen Reihe körperlicher Reaktionen stehen, die zur Entstehung von Asthma, Lebensmittelallergien und Ekzemen führen, wie die Immunologin Pamela Frischmeyer-Guerrerio vom Johns Hopkins Children's Center erklärte.

Die US-Forscher gelangten nun zu der Erkenntnis, dass falsche Signale des Moleküls TGF-beta verantwortlich sein können für einen grundlegenden Prozess bei der Allergie-Entstehung: Der Gendefekt könnte die Reaktion von Immunzellen auf alltägliche Lebensmittel und allergieauslösende Stoffe in der Umwelt stören - und damit den Weg für die Entstehung allergischer Beschwerde frei machen.

Allergien gelten in der Medizin als das Ergebnis eines komplizierten Zusammenspiels von Umwelt und Genen. Umso überraschender erscheint nun, dass ein einzelner genetischer Pfad offenbar eine Reihe von Allergien auslösen kann. "Störungen in den TGF-beta-Signalen bringen die Immunzellen nicht einfach dazu, sich falsch zu verhalten", erläuterte der Kardiologe Harry Dietz. Vielmehr habe es den Anschein, dass der Gendefekt "im Alleingang jene Kettenreaktion auslöst, die schließlich zu allergischen Erkrankungen führt".

Die Forscher berichten, dass ein Medikament, das bereits seit Jahren als Blutdrucksenker auf dem Markt ist, möglicherweise als Allergie-Therapie in Frage kommt. Denn der Wirkstoff Losartan greift ebenfalls in den Signalweg von TGF-beta ein. Ob er tatsächlich gegen Allergien hilft, muss jedoch erst noch untersucht werden.

mbe/AFP
Mehr lesen über