Erkrankungsrisiko Multiple Sklerose wird nicht durch Stress ausgelöst

Die Daten der Studie mit mehr als 200.000 Teilnehmern sind eindeutig: Stress hat keinen Einfluss auf das Risiko für Multiple Sklerose. Die Schlussfolgerung gilt jedoch vorerst nur für Frauen.

Neurologische Untersuchung (Archivbild):Die MS-Früherkennung ist nicht einfach
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Neurologische Untersuchung (Archivbild):Die MS-Früherkennung ist nicht einfach


Bergen - Stress kann die für Multiple Sklerose typischen Schübe auslösen - das haben früher Studien gezeigt. Ist er aber womöglich sogar Auslöser der chronisch-entzündlichen Erkrankung des zentralen Nervensystems? Dies haben Forscher aus Norwegen und den USA nun mit Hilfe der Daten von mehr als 200.000 Krankenschwestern analysiert. Das Ergebnis ist eindeutig: Mit dem Ausbruch der Krankheit selbst hat Stress kaum etwas zu tun, berichten die Wissenschaftler im Fachblatt "Neurology".

"Wir wussten zwar, dass stressige Ereignisse im Leben nachweißlich das Risiko für Schübe erhöhen, waren aber nicht sicher, ob solche Stressfaktoren auch tatsächlich zur Entwicklung der Krankheit selbst führen können", erläutert Trond Riise von der Universität Bergen. Riise und Kollegen hatten das Erkrankungsrisiko für Multiple Sklerose - kurz MS - bei zwei Gruppen von Krankenschwestern untersucht, die an einer großen Gesundheitsstudie teilnahmen. Unter anderem waren die 238.371 Frauen nach grundsätzlichem Stress zu Hause und in der Arbeit befragt worden. Auch traumatische Erfahrungen wie etwa sexuellen Missbrauch in der Kindheit hatten die Forscher dabei berücksichtigt.

369 der Krankenschwestern waren an MS erkrankt. Die Wissenschaftler fanden keine Belege dafür, dass ein unterschiedliches Stress-Ausmaß daheim oder am Arbeitsplatz einen Einfluss auf das MS-Risiko hatte. Das Ergebnis blieb auch dann bestehen, wenn sie in ihre Analysen andere Risikofaktoren für die Erkrankung einbezogen, zum Beispiel Alter, Herkunft oder Tabakkonsum. Das höchste Risiko stellten sie bei denjenigen fest, die von minimalem Stress zu Hause und leichtem Stress bei der Arbeit berichtet hatten.

Die Wissenschaftler können nicht völlig ausschließen, dass ihre Einschätzung ganz spezielle Stressfaktoren oder Stressmechanismen nicht einbezogen hat, die vielleicht doch einen Einfluss haben könnten. Außerdem habe die Studie ausschließlich weibliche Teilnehmer erfasst, schreiben sie. Als erheblichen Risikofaktor könnten ihre Ergebnisse Stress aber klar ausschließen, sagt Riise.

Die Ursachen von Multipler Sklerose bleiben weiterhin rätselhaft. Auch eine Gensequenzierung brachte nicht die erhofften Erkenntnisse. Forscher hatten 2010 das Erbgut von eineiigen Zwillingspaaren, von denen jeweils einer an MS erkrankt war, untersucht. Sowohl die kranken als auch die gesunden Zwillinge entpuppten sich als genetisch völlig gleich. Die Mediziner vermuten daher, dass schädliche Umweltfaktoren entscheidend sind.

hda/dapd



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