Erlangen Wachkoma-Patientin bringt Kind zur Welt

Es ist eine medizinische Seltenheit: In Erlangen hat eine Wachkoma-Patientin ein Kind zur Welt gebracht. Die Frau hatte in der 13. Schwangerschaftswoche einen Herzstillstand erlitten.


Erlangen - An der Universitätsklinik Erlangen hat eine Wachkoma-Patientin ein Kind bekommen. Ärzten und dem Pflegeteam der sei es gelungen, die Schwangerschaft der nach einem Herzinfarkt ins Koma gefallenen 40-Jährigen 22 Wochen bis zur Entbindung fortzusetzen, teilte die Klinik am Freitag mit.

"Weltweit ist kein vergleichbarer Fall bekannt, bei dem Ärzten bei einer hirntoten oder Wachkoma-Patientin nach einem Herzinfarkt ein ähnlicher Erfolg gelungen ist", sagte ein Kliniksprecher. Allerdings hat es durchaus schon mehrere Fälle gegeben, in denen Wachkoma-Patientinnen Kinder zur Welt gebracht haben. 1996 und 1998 etwa wurden in den USA zwei tragische Fälle bekannt: In Rochester und Suffolk County (US-Bundesstaat New York) wurden jeweils junge Frauen im Koma liegend vergewaltigt und brachten anschließend Kinder zur Welt - eines war gesund, das zweite litt an einem schweren Hirnschaden.

2001 folgten zwei weitere Geburten im Wachkoma: In Cincinnati (US-Bundesstaat Ohio) bekam eine Frau, die nach einem Verkehrsunfall im vegetativen Zustand war, eine Tochter. In China brachte eine 36-Jährige, die im fünften Schwangerschaftsmonat einen Unfall hatte und ins Koma gefallen war, einen Jungen zur Welt.

Die Geburt in Erlangen liegt nach Angaben des Kliniksprechers bereits einige Monate zurück. Die Mediziner hatten den Fall während der Schwangerschaft geheim gehalten und ihn erst jetzt publiziert. Grund dafür seien die Erfahrungen mit der öffentlichen Diskussion um einen ähnlichen Fall vor 17 Jahren. Damals hatten Mediziner in Erlangen letztlich erfolglos versucht, den Körper einer hirntoten Schwangeren künstlich am Leben zu erhalten, bis ihr Kind zur Welt kommt.

mbe/dpa/AP

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