»Nutzen überwiegt Risiken« Europäische Arzneimittelbehörde verteidigt AstraZeneca-Impfstoff

Die Europäische Arzneimittelbehörde ist weiterhin vom Nutzen des AstraZeneca-Impfstoffs überzeugt. Alle Berichte über Blutgerinnsel würden streng überprüft. Am Donnerstag will die Ema einen Risikobericht vorlegen.
Impfstoff von AstraZeneca

Impfstoff von AstraZeneca

Foto: Jens Schlueter / Getty Images

Die Europäische Arzneimittelbehörde (Ema) hat in einer Stellungnahme mitgeteilt, dass die Berichte über Blutgerinnsel weiterhin überprüft werden.

Am Donnerstag werde es eine Entscheidung darüber geben, wie die Empfehlungen zum AstraZeneca-Impfstoff in Zukunft aussehen werden. Emer Cooke, Direktorin der Ema, sagte: »Nach wie vor gibt es keinen Hinweis darauf, dass die Impfung die Gerinnsel ausgelöst haben.« Sie unterstrich, dass die Ema die Berichte sehr ernst nehme und jeder einzelne Fall nun von einem Expertenteam untersucht werde. »Wir sind immer noch überzeugt, dass der Nutzen der AstraZeneca-Impfung die Risiken überwiegt«, so Cooke. Tausende von Menschen stürben jeden Tag weltweit durch Covid-19, die Berichte über die Blutgerinnsel hingegen seien sehr selten.

Die Sorge sei natürlich da, dass das Vertrauen in Impfstoffe abnehme, so Cooke. Auch vor diesem Hintergrund sei es entscheidend, dass die Ema eine gründliche Untersuchung der Lage vornehme. Die Aufgabe der Ema sei an erster Stelle sicherzustellen, dass die Produkte, die in der europäischen Region zugelassen werden, sicher seien. »Wir befinden uns in einer sehr dynamischen Situation und bekommen weiterhin Berichte aus verschiedenen Ländern.«

Nicht mehr Blutgerinnsel als in Gesamtbevölkerung

In der vergangenen Woche hatten mehrere europäische Länder einen vorübergehenden Stopp der AstraZeneca-Impfungen angeordnet. Anlass waren Fälle von Blutgerinnseln, die im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung standen. Ein ursächlicher Zusammenhang war indes bislang in keinem der Länder nachgewiesen worden.

Der Ema waren bis vergangene Woche insgesamt 30 Fälle von Gerinnungsstörungen nach einer AstraZeneca-Impfung gemeldet worden, bei einer Gesamtzahl von knapp fünf Millionen Geimpften. »Die Zahl der thrombembolischen Vorfälle bei geimpften Menschen scheint nicht höher zu sein als die Zahl in der Gesamtbevölkerung«, hatte die Ema am Montag in einem Statement  geschrieben. Ein Experte des Pharmacovigilance Risk Assessment Committee (Prac) der Ema ergänzte am Dienstag, dass die Zahl der Gerinnungsstörungen nach den Impfungen den Meldungen zufolge sogar deutlich geringer seien als in der Gesamtbevölkerung.

Cooke betonte nun, dass eine Situation wie diese nicht unerwartet sei. Wenn man Millionen Menschen impfe, sei es unausweichlich, dass man seltene oder ernsthafte Vorkommnisse von Erkrankungen habe, die nach der Impfung auftreten. Die Ema prüfe nun weiterhin, ob dies tatsächlich eine Nebenwirkung sei oder Zufall. Es brauche dazu eine wissenschaftliche Bewertung. »Wir müssen zuerst die Fakten haben.« Vorher könne man nicht zu einer Schlussfolgerung kommen.

Österreich hatte die Impfungen mit einer bestimmten Charge ausgesetzt, nachdem eine 49-jährige Frau in Folge schwerer Gerinnungsstörungen gestorben war und eine 35-Jährige eine Lungenembolie erlitten hatte. Auf die Frage, ob die bisherigen Daten einen Hinweis auf bestimmte Chargen geben würden, verneinte Cooke. Die Meldungen von Blutgerinnsel beträfen auch andere als die in Österreich verwendete Charge, so die Ema-Chefin.

Am Montag hatte auch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) für Deutschland verkündet, die Impfungen mit der Vakzine von AstraZeneca auszusetzen. Damit war er einer Empfehlung des in Deutschland für die Zulassung und Überwachung von Impfstoffen zuständigen Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) gefolgt. Die Begründung des PEI: Die Experten sahen eine »auffällige Häufung« von »sehr seltenen Hirnvenenthrombosen (Sinusvenenthrombosen) in Verbindung mit einem Mangel an Blutplättchen und Blutungen«, heißt es in einem Statement . Diese seien in zeitlicher Nähe zu Impfungen mit dem Covid-19-Impfstoff von AstraZeneca aufgetreten.

Für die Bewertung und die Risikoanalyse der Ema am Donnerstag würden unterschiedliche Experten – darunter Statistiker, Gerinnungsexperten, Immunologen, Epidemiologen – zu Rate gezogen. Und auch dann sei die Bewertung nicht abgeschlossen, denn die Situation müsse weiter beobachtet werden.

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