Fahndung in Bienenbüttel Wie Ehec auf den Biohof kam

Am 10. Juni vermeldeten Behörden in NRW den Durchbruch: Erstmals war der aggressive Ehec-Typ O104 auf Sprossen nachgewiesen worden. Damit schien der Ursprung der Seuche festzustehen - ein Biohof in Niedersachsen. Doch dort rätselt man weiterhin darüber, woher der Erreger kam.

Experten des RKI auf dem Bienenbütteler Biohof: Wie kam der Erreger auf die Sprossen?
dapd

Experten des RKI auf dem Bienenbütteler Biohof: Wie kam der Erreger auf die Sprossen?


Nach dem Abklingen der Ehec-Epidemie steht für die Bundesregierung fest: Das Krisenmanagement hat gut funktioniert. Die Ressorts und die zuständigen Stellen in der Bundesrepublik hätten gut zusammengearbeitet, erklärte jüngst Regierungssprecher Steffen Seibert. Als aber der gefährliche Ehec-Keim in Deutschland noch wütete und den Kliniken ständig neue Patienten brachte, zeichnete die Stimmung in der Bevölkerung und unter Politikern noch ein anderes Bild.

"Ich frage mich, was der Gesundheitsminister eigentlich macht", wetterte etwa Grünen-Fraktionschefin Renate Künast - viele Fachleute monierten das Wirrwarr der Behörden im Kampf gegen die Seuche. Auch Einzelfälle belegen, dass die Behörden mit der Epidemie mitunter überlastet waren: Angehörige von Ehec-Betroffenen etwa wissen nicht, was zu beachten ist. Dürfen die Kinder noch zur Schule? Muss man als Angehöriger eine Stuhlprobe bei den Behörden abgeben? Welche Behörde ist zuständig? In der Theorie regelt zwar das Infektionsschutzgesetz, wie die Meldung eines Ehec-Falls erfolgen muss und welche Konsequenzen das hat. In der Praxis dagegen herrschte oft Chaos.

Unübersichtlich ist auch die Fahndung nach der Quelle des Erregers. Zum einen ist inzwischen der aggressive Typ Husec 41 (Subtyp O104:H4) auch schon in einem Gewässer bei Frankfurt aufgetaucht. Zum anderen rätseln die Behörden nach wie vor darüber, wie der gefährliche Erreger auf den Sprossenhof im niedersächsischen Bienenbüttel gelangen konnte.

Positive Ehec-Probe bisher Fehlanzeige

Die Sprossen gelten weiterhin als die wahrscheinlichste Ursache für den Ausbruch der Ehec-Epidemie. Doch die Untersuchungen auf dem Biohof scheinen derzeit stillzustehen: Bisher sind im Gesundheitsministerium Niedersachsen 14 der 15 Mitarbeiter aus Bienenbüttel untersucht worden. Zwei davon waren positiv auf Husec 41 getestet worden, zwei weitere hatten Symptome, die für eine Ehec-Infektion typisch sind. Eine Mitarbeiterin war am hämolytisch-urämischen Syndrom (Hus) erkrankt, auch sie war Husec 41-positiv. Nun steht noch die Probenanalyse einer Mitarbeiterin aus, die sich während der Ehec-Krise im Urlaub befand.

Auch Stuhlproben der Familienangehörigen der Mitarbeiter werden derzeit untersucht - ganz gleich, ob diese Ehec-positiv sind oder nicht. Ebenso analysieren die niedersächsischen Behörden Hunderte von Proben, die auf dem Biohof genommen wurden. Sämtliche Ergebnisse aber sind bisher Fehlanzeige: Egal, ob im Abwasser, in den Bewässerungsanlagen, auf Arbeitsflächen, in den Sprossen, im Saatgut - nirgendwo konnte der Erreger bisher ausfindig gemacht werden. Dem Landwirtschaftsministerium Niedersachsen zufolge steht derzeit noch die Analyse von etwa 20 Proben aus. Die restlichen rund 1100 Proben fielen dagegen negativ aus.

Der einzige bisher positive Fund, der mit dem Biohof in Bienenbüttel in Verbindung gebracht werden konnte, stammt nicht vom Hof selbst: Gefunden hatten ihn Ehec-Fahnder etliche Kilometer entfernt: in einer Mülltonne einer Familie aus dem Rhein-Sieg-Kreis bei Bonn. Mutter und Tochter der Familie hatten Sprossen aus dem Betrieb in Bienenbüttel verzehrt und waren später an Ehec-Symptomen erkrankt.

Auch wenn damit eine ununterbrochene Kette von Husec 41-positiven Sprossen aus Bienenbüttel und erkrankten Personen hergestellt werden konnte: Ein Restzweifel bleibt bestehen, weil die Packung geöffnet in der Mülltonne lag. Und ob man jemals herausfinden wird, wie der Erreger auf den Biohof gelangen konnte, ist ungewiss.

Ehec - die wichtigsten Informationen im Überblick



insgesamt 2 Beiträge
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Seite 1
wrd 26.06.2011
1. wie EHEC auf den Biohof kam...
...lasse sich nicht feststellen...? Dann läßt sich auch kein wissenschaftlich korrekter Beweis dafür erbringen, dass EHEC dort jemals gewesen oder gar von dort ausgebreitet worden ist. Interessanter scheint mir die Frage, wie eine derartige Mutation überhaupt zustande kam, und ob das ein "Zufall der Natur" oder eine vorsätzliche Züchtung aus einem mikrobiologischen Labor(und ein absichtliches Inverkehrbringen) war. Dann wäre es eher eine Aufgabe für die Kriminalpolizei als für das RKI. Die Leitfrage hieße dann: "Welche Konzerne profitieren von der EHEC-Angst..?"
wkawollek 26.06.2011
2. An Ehec ist schuld ... wer?
Ich habe es ja gewusst, es gibt mehr Feinde als Ehec-Keime! WER hat nun mutiert? Die Natur ist schlimm (am schlimmsten könne man - sarkastischerweise - sagen die Gattung mehr oder weniger Homo Sapiens), aber könnte nicht JEMAND hier dran gedreht haben!? Ich fürchte allerdings - auch ohne solche Machenschaften - nichts ist nirgends nie sicher.
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