Prognose für 2030 Die schmutzigsten Städte Europas

Paris, Stuttgart, Warschau - sie werden in 15 Jahren zu Europas Städten mit der dicksten Luft gehören. Forscher warnen: Jeder vierte Bürger wird wohl mehr Feinstaub einatmen, als zumutbar ist.
Kraftwerk in Sofia (Archivbild): Staub gefährdet Gesundheit von EU-Bürgern

Kraftwerk in Sofia (Archivbild): Staub gefährdet Gesundheit von EU-Bürgern

Foto: DIMITAR DILKOFF/ AFP

Hunderttausende, vielleicht sogar Millionen Menschen sterben jedes Jahr weltweit an den Folgen von Luftverschmutzung. Die Ursachen sind bekannt: Feine Staubpartikel schädigen die Lunge und können Krebs auslösen. In den vergangenen Jahren hat sich die Luftqualität in vielen Städten Europas verbessert - doch dreckige Luft bleibe auch in Zukunft vielerorts ein Gesundheitsrisiko, warnen Forscher aus Österreich.

Gregor Kiesewetter und seine Kollegen vom Internationale Institut für Angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg haben die Feinstaubbelastung in EU-Städten im Jahr 2030 berechnet. Basis waren Messdaten aus ganz Europa aus dem Jahr 2010.

Die gute Nachricht: Gesetzliche Vorschriften sorgen schon jetzt dafür, dass die Luft in Europa immer sauberer wird. Die schlechte Nachricht: Wenn die Regeln nicht verschärft werden, sind im Jahr 2030 trotzdem 80 Prozent der EU-Bevölkerung einer Feinstaubbelastung ausgesetzt, die über den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO liegt, berichten die Forscher im Fachblatt "Atmospheric Chemistry and Physics" .

"Aktuelle Gesetze reichen nicht aus"

In der Feinstaubprognose geht es um Partikel kleiner als zehn Mikrometer (PM10). Grundsätzlich gilt: Je kleiner die Partikel, desto tiefer können sie in die Lunge eindringen. Die WHO rät bei PM10 seit Längerem zu einem Grenzwert von 20 Mikrogramm je Kubikmeter im Jahresmittel. Der EU-Grenzwert ist doppelt so hoch (40 Mikrogramm pro Kubikmeter), was viele Experten schon länger kritisieren.

Eine von den Forschern erstellte Europakarte zeigt die Städte als rote Punkte, in denen der Feinstaub nach der Modellrechnung auch im Jahr 2030 Werte über 35 Mikrogramm pro Kubikmeter erreichen wird. Darunter sind Metropolen wie Paris, Turin und Mailand, viele Städte in Osteuropa (Warschau, Sofia) - aber auch Stuttgart. München, Berlin und Bremen sind als orangefarbene Punkte eingezeichnet - auch sie würden mit 25 bis 35 Mikrogramm den WHO-Grenzwert überschreiten.

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Feinstaub im Jahr 2030: Städte mit besonders dicker Luft

Foto: DAMIEN MEYER/ AFP

"Die aktuellen Gesetze reichen nicht aus", sagt IIASA-Forscher Gregor Kiesewetter. Man müsse weitere Maßnahmen einleiten, um die Gesundheitsgefährdung zu senken. Hauptursache des Feinstaubs seien die Kohleverbrennung, ein Problem vor allem in Osteuropa, die Landwirtschaft sowie Kraftwerke und der Straßenverkehr.

Viele Mediziner fordern schon seit Längerem niedrigere Grenzwerte in der EU. Im Jahr 2013 hatte eine Studie im Fachblatt "Lancet" gezeigt, das Feinstaub auch unterhalb der EU-Limits Gesundheitsschäden verursacht. Nach Angaben der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC), waren im Jahr 2010 mehr als 220.000 Lungenkrebstote weltweit auf die Verschmutzung der Luft zurückzuführen. Eine Studie der University of North Carolina aus dem Jahr 2013 macht Feinstaubpartikel sogar für 2,1 Millionen Todesfälle weltweit verantwortlich.

hda
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