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Epidemie: Flughunde unter Ebola-Verdacht

Foto: Antje Seebens

Tödliches Virus Flughunde sollen Ebola-Epidemie ausgelöst haben

Über 700 Menschen sind bisher in Westafrika am Ebola-Virus gestorben. In einer Studie geben sich Wissenschaftler überzeugt, den Grund der Epidemie ausgemacht zu haben: Flughunde, die in vielen Ländern Afrikas gegessen werden.

Mehr als 1300 Infizierte und über 700 Tote ist die bisherige Bilanz der Ebola-Epidemie, die derzeit in vier westafrikanischen Staaten grassiert. Einem Forscher-Duo aus New Orleans und Montréal zufolge geht die Epidemie wahrscheinlich auf Flughunde zurück. Entweder seien manche der Tiere in der Region schon seit langem Träger des Virus, oder ein infizierter Flughund sei aus Zentralafrika hergezogen, schreiben die Wissenschaftler im Fachmagazin "PlOS Neglected Tropical Diseases". Allerdings: Ob Tiere der Region Ebola-Erreger tatsächlich in sich haben, werde derzeit untersucht.

Der derzeitige Ausbruch geht auf das Zaire-Ebolavirus (Zebov) zurück, eine von fünf bekannten Arten des Erregers - und mit einer Sterblichkeitsrate von bis zu 90 Prozent die gefährlichste. Erstmals nachgewiesen wurde dieses Virus 1976 im heutigen Kongo, seither gab es mehrmals Ausbrüche in Regionen Zentralafrikas. Diese liegen aber Tausende Kilometer vom Westen des Kontinents entfernt, wo der Zaire-Ebolavirus bis vor wenigen Monaten noch nie nachgewiesen wurde.

Kaum Handels- oder Reiserouten

Es sei unwahrscheinlich, dass ein Mensch den Erreger nach Guinea gebracht habe, schreiben Daniel Bausch von der Tulane School of Public Health and Tropical Medicine in New Orleans und Lara Schwarz von der McGill University im kanadischen Montreal: "Es gibt kaum regelmäßige Handels- oder Reiserouten zwischen Zentralafrika und Guinea, und Guéckédou - das Ebola-Epizentrum, wo das Virus wahrscheinlich erstmals aufgetreten ist - liegt ganz weit abgelegen."

Ebola-Viren werden vor allem beim Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen. Die Vereinten Nationen hatten darum schon vor Wochen davor gewarnt, in der Region Flughunde und andere Wildtiere zu jagen und zu verzehren. Nach Angaben der Uno-Ernährungsorganisation FAO werden die Tiere in Westafrika getrocknet oder auch in scharfen Suppen gegessen. Dabei geht es nach Angaben der Forscher vor allem um drei Flughund-Arten: den Hammerkopf (Hypsignathus monstrosus), den Franquet-Epauletten-Flughund (Epomops franqueti) und den Schmalkragen-Flughund (Myonycteris torquata).

Dass es überhaupt zu einer Epidemie gekommen sei, liege zum großen Teil an den sozialen und politischen Zuständen in den betroffenen Ländern. "Solche Epidemien treten nicht zufällig auf", schreiben die Forscher. "Oft geschieht dies in Gebieten, in denen die Wirtschaft und das öffentliche Gesundheitswesen nach jahrzehntelangen Bürgerkriegen am Boden liegen." Alle drei derzeit vor allem betroffenen Länder - Guinea, Liberia und Sierra Leone - haben in der Vergangenheit unter schweren politischen Unruhen gelitten.

Armut und Unterentwicklung trieben die Menschen dazu, immer tiefer in den Wäldern zu jagen. Damit wachse das Risiko, sich bei Wildtieren zu infizieren, schreiben Bausch und Schwarz. Zudem gebe es kaum medizinische Ausrüstung und anderes Material, um die Ausbreitung einer Krankheit einzudämmen. Das fange schon bei Schutzhandschuhen, Masken, sauberen Nadeln und Desinfektionsmitteln an. Als dritter Faktor kommen demnach die mangelhaften Koordinations- und Überwachungsmechanismen der Länder hinzu.

aei/dpa
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