Europäische Studie Forschende warnen vor multiresistenten Bakterien in Hundefutter

Vor allem tiefgekühltes, rohes Hundefutter könnte die Gesundheit von Hund und Herrchen gefährden – zu dem Ergebnis kommt eine neue Studie. Grund sind multiresistente Erreger.
Nach dem Füttern am besten die Hände mit Seife waschen

Nach dem Füttern am besten die Hände mit Seife waschen

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NickyLloyd / Getty Images

Wer seinem Hund rohes Futter gibt, riskiert möglicherweise seine eigene Gesundheit und die seines Tieres. Zu diesem Ergebnis kommt eine portugiesische Studie, die auf dem »European Congress of Clinical Microbiology & Infectious Diseases« vorgestellt wurde .

Den Forschenden zufolge enthält vor allem rohes, tiefgekühltes Futter häufig gegen viele Antibiotika resistente Bakterien, die sich erst auf das Tier und dann auf sein Herrchen oder Frauchen übertragen könnten. »Der Trend, Hunde mit rohem Futter zu füttern, könnte die Ausbreitung von resistenten Bakterien begünstigen«, warnt das Forscherteam der Universität Porto.

Für die Studie hatte das Team 55 Proben von 25 gängigen Hundefuttermarken untersucht. Bei 14 der Proben handelte es sich um Futter, das roh gefroren wurde und unter anderem aus Lachs, Gans, Pute, Rind, Lamm, aber auch Gemüse bestand.

Den Auswertungen zufolge enthielten alle tiefgekühlten Proben antibiotikaresistente Enterokokken. Die kugelförmigen Bakterien gehören zur normalen Darmflora des Menschen und zahlreicher Säugetiere, können aber schwere Infektionen etwa der Harnwege verursachen, wenn sie aus dem Darmbereich verschleppt werden.

Unter den Erregern befanden sich auch Bakterien, die gegen das Antibiotikum Linezolid resistent waren, das bei Enterokokken als eines der letzten Mittel eingesetzt wird, wenn andere Antibiotika versagen. Auch bei Nassfutter und anders verarbeitetem Futter stießen die Forschenden auf resistente Bakterien, allerdings nur in einzelnen Proben.

Die europäischen Behörden sollten ein stärkeres Bewusstsein für mögliche Gesundheitsrisiken durch rohes Hundefutter entwickeln, fordern die Autorinnen und Autoren der Studie. Hundebesitzerinnen und -besitzern raten sie, sich nach dem Füttern der Tiere und dem Einsammeln von Hundekot die Hände mit Wasser und Seife zu waschen.

Zweite Studie: Hunde als möglicher Überträger multiresistenter Keime

Dass es grundsätzlich möglich ist, dass sich multiresistente Keime zwischen Hunden und ihren Frauchen oder Herrchen übertragen, zeigt eine zweite Untersuchung, die ebenfalls auf dem »European Congress of Clinical Microbiology & Infectious Diseases« präsentiert wurde .

Für die Studie untersuchten portugiesische Forschende der Universität Lissabon 126 Menschen und ihre 102 Tiere auf Bakterien mit einem bestimmten Gen, durch das sie gegen das Antibiotikum Colistin resistent sind. Dabei handelt es sich um ein sogenanntes Reserveantibiotikum, das nur eingesetzt werden sollte, wenn andere, gängige Antibiotika nicht mehr anschlagen.

Die untersuchten Menschen und Tiere stammten aus 80 Haushalten. Während alle Menschen gesund waren, litten bei den Tieren einige unter Haut- oder Harnwegsinfektionen.

Bei acht Hunden sowie vier Menschen stießen die Forschenden tatsächlich auf Bakterien mit dem gesuchten Gen, in zwei Haushalten waren sowohl die Hunde als auch die Besitzerinnen beziehungsweise Besitzer betroffen. Weitere genetische Analysen der Erreger deuteten darauf hin, dass in einem der beiden Haushalte die Bakterien bei Hund und Mensch identisch waren. Obwohl sich nicht sicher nachweisen lässt, wer wen angesteckt hat, sei in diesem Fall wahrscheinlicher, dass das Tier den Erreger auf den Menschen übertragen habe, berichten die Forschenden. Katzen waren bei der Stichprobe nicht betroffen.

Trotz der multiresistenten Erreger zeigte keiner der untersuchten Menschen Krankheitszeichen, eine Therapie war deshalb nicht notwendig. Die erkrankten Tiere wurden erfolgreich behandelt. Für gesunde Menschen sind multiresistente Bakterien in der Regel keine Gefahr. Sie tragen die Erreger etwa auf der Haut, im Rachen oder im Darm, ohne es zu bemerken. Treffen die Erreger jedoch auf Menschen mit einem geschwächten Immunsystem oder gelangen sie zum Beispiel bei einer Operation in eine Wunde, können sie zum Problem werden.

Deutsche Kliniken: Jährlich rund 30.000 Infektionen mit multiresistenten Erregern

Es gebe Anlass zur Sorge, wenn Haustiere Resistenzen gegen Reserveantibiotika verbreiten könnten, warnen die Forschenden. Aus den Daten lässt sich allerdings nicht ablesen, wie häufig das passiert. Grundsätzlich gelten der massive Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung sowie der falsche Einsatz von Antibiotika bei Menschen als die größten Risikofaktoren für die Entstehung multiresistenter Keime.

Dass Bakterien Resistenzen entwickeln, ist ein natürlicher Prozess und Teil der Evolution: Treffen die Erreger auf Antibiotika, sollten eigentlich alle absterben. Durch zufällige Mutationen im Erbgut kann es jedoch sein, dass ein paar wenige Schutzmechanismen gegen die Antibiotika aufgebaut haben und überleben. Der viel zu hohe Gebrauch der Medikamente bei Patienten und in der Tiermast beschleunigt diesen Vorgang.

In deutschen Kliniken infizieren sich jährlich rund 30.000 Menschen mit multiresistenten Keimen , viele bringen die Erreger auf ihrem Körper selbst mit ins Krankenhaus. Die Weltgesundheitsorganisation warnt, dass sich die Problematik in den nächsten Jahrzehnten noch einmal deutlich verschärfen könnte, wenn keine neuen Antibiotika entwickelt werden. Dann könnten Infektionen, die sich heute noch gut behandeln lassen, wieder zur Gefahr werden.

irb/AFP
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