Fröhlich oder höhnisch Gehirn decodiert jeden Lacher

Man muss ja so aufpassen! Mit großem Aufwand entschlüsselt unser Gehirn jeden Lacher, den es zu hören bekommt. Lacht da jemand mit mir? Oder vielleicht doch über mich? Deutsche Forscher haben nachgesehen, wo das ganze Gelächter genau verarbeitet wird.
Lachender Mund: "In der sozialen Interaktion ein sehr starkes Signal"

Lachender Mund: "In der sozialen Interaktion ein sehr starkes Signal"

Foto: Felix Hörhager/ dpa

Lachen ist nicht gleich Lachen. Schließlich kann man jemanden anlachen - oder ihn auslachen. Für das Gehirn ist es eine komplexe Aufgabe, das zu unterscheiden. "Lachen ist in der sozialen Interaktion ein sehr starkes Signal. Wenn man freudig angelacht wird, fühlt man sich aufgenommen. Wenn man Opfer eines höhnischen Lachens wird, fühlt man sich aus einer Gruppe ausgeschlossen", sagt Dirk Wildgruber von der Universität Tübingen.

Zusammen mit Kollegen hat der Forscher nachweisen können, dass ein fröhliches Lachen im menschlichen Gehirn ganz anders verarbeitet wird als ein höhnisches Gelächter oder das Gekicher von jemandem, der gerade gekitzelt wird. Im Fachjournal "PLoS One"  berichten die Wissenschaftler, wo genau unser Denkorgan die verschiedenen Lachsignale verarbeitet.

Für ihre Untersuchung haben Wildgruber und sein Team ihren Probanden verschiedene Lacherarten vorgespielt. Anschließend maßen sie, wie die Klänge im Gehirn verarbeitet werden. Es zeigte sich: Ertönt das Lachen von Gekitzelten, reagieren vor allem die Hirnregionen, die für die Verarbeitung komplexer akustischer Signale zuständig sind.

Bei einem fröhlichen oder höhnischen Lachen wurden hingegen die Bereiche stärker aktiviert, die eine Rolle spielen, wenn wir die Absichten eines anderen Menschen einschätzen wollen. Dabei wurden bei fröhlichem und höhnischen Lachen jeweils unterschiedliche Verbindungen zu anderen Gehirnbereichen aktiviert.

"Für unsere Patienten in der Psychiatrie hat das eine hohe Relevanz", so Wildgruber. Bei vielen psychischen Erkrankungen wie Angststörungen, Depression oder Schizophrenie sei oft das Erkennen von nonverbaler Kommunikation gestört. Die Experten wollen deshalb als nächstes untersuchen, wie Lachsignale im Gehirn von Menschen mit krankhaften sozialen Ängsten verarbeitet werden.

Das Lachen ist freilich nicht nur auf den Menschen beschränkt, so lachen zum Beispiel auch Affen und Ratten. Eine computergestützte Analyse der Kicherlaute von Kindern und jungen Primaten hat ergeben, dass das Lachen bei Menschen und Affen ähnlich funktioniert. Elke Zimmermann von der Tierärztlichen Hochschule Hannover schätzt auf Basis dieser Ergebnisse, dass das Lachen bereits zur Zeit der gemeinsamen Vorfahren von Menschen und Menschenaffen entstanden ist - vor 10 bis 16 Millionen Jahren.

chs/dpa
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