Körpereigener Botenstoff Forscher finden Therapieansatz gegen Haarausfall

Volles Haupthaar bis ins hohe Alter ist nicht vielen Männern vergönnt. US-Forscher haben nun einen wichtigen Verursacher des Haarausfalls entdeckt und versprechen sich davon neue Therapiemöglichkeiten.
Glatzköpfiger: Haarausfall ist meist erblich bedingt

Glatzköpfiger: Haarausfall ist meist erblich bedingt

Foto: dapd

Acht von zehn Männern haben in Deutschland schon vor dem 70. Lebensjahr mit Haarausfall zu kämpfen, schätzen Experten. Ist das Problem erblich bedingt, schrumpfen die Haarfollikel extrem und produzieren nur noch sehr kleine, dünne Haare, die kaum sichtbar sind. Gleichzeitig verkürzt sich die normale, mehrere Jahre dauernde Wachstumsphase der Follikel bis auf wenige Wochen. Bisher gibt es kaum wirksame Therapien. Wenige Medikamente versprechen etwas Abhilfe, ansonsten bleibt nur eine aufwändige Haartransplantation.

US-amerikanische Forscher haben möglicherweise einen neuen Therapieansatz gefunden. Sie entdeckten in den kahlen Stellen der Kopfhaut betroffener Männer ungewöhnlich große Mengen eines Botenstoffs, wie sie im Fachmagazin "Science Translational Medicine"  berichten. In Bereichen, in denen die Haare noch normal wuchsen, war die Konzentration des sogenannten Prostaglandins D2 (PGD2) dagegen deutlich geringer.

In Zellkulturen und bei Mäusen beeinträchtigte der Botenstoff die Funktion von Haarbildungszellen stark, stellten die Wissenschaftler um Luis Garza von der University of Pennsylvania in Philadelphia fest.

Prostaglandine bilden eine große Gruppe von Gewebshormonen mit sehr unterschiedlichen Aufgaben, sie sind beispielsweise am Schmerzempfinden beteiligt und spielen auch bei der Blutgerinnung eine Rolle. Während PGD2 das Haarwachstum anscheinend hemmt, scheint ein verwandter Stoff, das PGE2, ihn zu fördern.

Dass das männliche Geschlechtshormon Testosteron beim erblich bedingten Haarausfall eine Rolle spielt, ist bereits bekannt - und passt zur aktuellen Entdeckung, wie die Forscher schreiben. Denn das Enzym, das in den Zellen PGD2 produziert, reagiert stark auf das Geschlechtshormon.

Klinische Studien mit möglichen Blockern laufen

"Unsere Funde dürften direkt zu neuen Behandlungen gegen die häufigste Ursache des Haarausfalls bei Männern führen", schreiben die Wissenschaftler. Denn man kenne bereits mindestens zehn Substanzen, die in Körperzellen die Andockstelle des Prostaglandins D2 blockieren, mehrere seien sogar schon Gegenstand klinischer Studien. Mit solchen Blockademitteln könnte es möglich sein, den Haarausfall zu verhindern, sagen die Wissenschaftler.

Sie merken aber an, dass wohl diverse Mechanismen zum fortschreitenden Haarverlust beitragen. PGD2 zu blockieren könnte daher das Schrumpfen der Haarfollikel verhindern und so Männern helfen, die erst eine Glatze entwickeln. Ob aber bei bereits Kahlköpfigen wieder lange Haare sprießen, lasse sich nicht vorhersagen. Auch müsse man noch klären, ob die Konzentration der Prostaglandine bei Frauen mit dem gleichen Problem ähnlich verändert sei.

Mit einem wirksamen Schutz vor Haarausfall ließe sich enorm viel Geld verdienen. Die University of Pennsylvania sowie das Unternehmen Gillette halten bereits Patente auf die Beeinflussung von PGD2, was unter anderem Haarausfall- beziehungsweise -wachstum hemmen soll.

Mehrere an der Studie beteiligte Forscher sind als Erfinder oder Miterfinder dieser Patente eingetragen, wie sie am Ende des Fachartikels erklären. Und neben der US-Gesundheitsbehörde und anderen Institutionen förderte auch der Kosmetikkonzern L'Oréal die jetzt veröffentlichte Studie.

wbr/dapd
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