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Robuster Filzstift: "Hello" nach 25 Jahren

Foto: BMJ Case Reports

Fundstück im Magen Vor 25 Jahren verschluckter Stift schreibt noch

Vor einem Vierteljahrhundert verschluckte eine Britin versehentlich einen Filzstift - und niemand wollte ihr glauben. Jetzt haben Ärzte das Schreibgerät doch noch aufgespürt und aus dem Magen entfernt - und ihrer Patientin damit einen Gruß geschrieben.

Man muss ja nicht immer gleich zum Doktor rennen, wenn es im Hals kratzt. Schließlich kann man auch einfach mal selbst nachsehen. So oder ähnlich muss eine Britin gedacht haben, als sie Anfang 1986 vor dem Spiegel stand. Mit einem Filzstift drückte sie sich die Zunge nach unten, um besser in ihren Hals schauen zu können. Ein dummer Zufall sorgte dann jedoch dafür, dass sie den Stift einfach verschluckte.

Nun, nach 25 Jahren, haben Ärzte das Schreibgerät aus dem Magen der Frau entfernt - und herausgefunden, dass es sogar noch funktioniert. Über den kuriosen Fall berichten Mediziner um Oliver Richard Waters vom Royal Devon & Exeter Hospital Foundation Trust im Fachmagazin "BMJ Case Reports" . Demnach hatte der Frau zunächst niemand glauben wollen. Weder ihr Mann noch ihr Hausarzt fanden die Geschichte mit dem Stift plausibel - zumal sich bei einer Röntgenuntersuchung keine Hinweise darauf finden ließen.

Lange passierte in der Sache nichts - bis die mittlerweile 76-Jährige vor einiger Zeit schwere Magenschmerzen bekam, begleitet von Gewichtsverlust und schwerem Durchfall. Die Ärzte in dem Krankenhaus in Exeter diagnostizierten bei einer Darmspiegelung eine Entzündung des Verdauungstrakts. Anschließend untersuchten sie die Patientin auch noch im Computertomografen. Dabei zeigte sich auf dem Bild ein "linearer Fremdkörper" im Magen der Frau, der verdächtig nach einem Stift aussah.

Bei einer Befragung durch die Mediziner erinnerte sich die Patientin an den Zwischenfall vor einem Vierteljahrhundert. Nach längerer Diskussion entschieden sich die Ärzte schließlich, den Fremdkörper aus dem Magen zu entfernen - obwohl die Krankheitssymptome in der Zwischenzeit wieder abgeklungen waren. Zu groß erschien das Risiko eines Darmdurchbruchs.

Bei der Operation unter Vollnarkose lief alles glatt: Die Mediziner konnten den Stift entfernen. Doch die große Überraschung kam, als sie ihn nach der Operation ausprobierten - und "Hello" auf ein Blatt schreiben konnten.

Nach Meinung der Ärzte lehrt die kuriose Geschichte eine wichtige Lektion - und die hat nichts mit der Beschaffung von Büromaterial zu tun: Sie warnen, dass simple Röntgenaufnahmen des Verdauungstraktes in manchen Fällen nicht ausreichen könnten, um verschluckte Plastikobjekte zu finden. Und dass man Patienten öfter Glauben schenken sollte - egal, "wie unglaublich ihre Geschichte klingen mag".

chs