Norwegische Studie Schäden durch Kopfbälle sind möglicherweise im Blut messbar

Eine wissenschaftliche Untersuchung erhärtet den Verdacht, dass regelmäßige Kopfbälle im Fußball Hirnschäden verursachen könnten. Sie gibt einen Hinweis, wie Hirnverletzungen im Blut nachzuweisen sein könnten.
Kopfballduell zwischen Wilfred Ndidi und Dele Alli in der englischen Premier League im Mai 2021

Kopfballduell zwischen Wilfred Ndidi und Dele Alli in der englischen Premier League im Mai 2021

Foto: Laurence Griffiths / Getty Images

Häufige Kopfbälle und Zusammenstöße im Fußball verändern das Blutbild. Die Veränderungen könnten laut einer Studie unter norwegischen Spielern Signalwege im Körper stören.

Die Forschungsergebnisse, veröffentlicht in der Fachzeitschrift »Brain Injury« , liefern einen weiteren Hinweis für die seit längerer Zeit laufende Diskussion über die Gefahren von Kopfbällen. Der »Guardian«  berichtete zuerst darüber.

Seit dem vergangenen Juli gilt in der englischen Premier League eine Obergrenze von zehn wiederholten Kopfbällen pro Trainingseinheit – eine Regel, über die sich manche Ausbilder bewusst hinwegsetzen. Im Gegensatz zu den britischen und US-Verbänden schließt der Deutsche Fußball-Bund ein Kopfballverbot in Kinderteams aus. In der Vergangenheit hinterfragten auch deutsche Sportwissenschaftler , ob die Kopfbälle als Ursache für Hirnschäden wirklich ausreichend belegt seien.

Das könnte sich nach der neuen Veröffentlichung ändern. Das Forscherteam unter Leitung von Stian Bahr Sandmo vom Osloer Zentrum für Sportverletzungsforschung analysierte Blutproben von 89 Profifußballern aus der höchsten norwegischen Liga. Die Proben wurden genommen, wenn die Spieler unbeabsichtigt am Kopf gestoßen wurden, ob im Spiel oder im Training; aber auch zur Kontrolle bewusster Trainingseinheiten. 48 Spieler nahmen an einem Programm teil, zu dem wiederholte Kopfballübungen gehörten, und zur Kontrolle an einem intensiven Training mit vergleichbarer Anstrengung, bei dem kein Kopfkontakt erlaubt war.

Der Unterschied war deutlich sichtbar in der Konzentration von MicroRNA im Blut. Das sind Moleküle, die eine wichtige Rolle bei der Genregulation spielen, also der Frage, wann welche Erbinformationen in den Körperflüssigkeiten aktiviert werden. Sechs verschiedene Arten von MicroRNA wurden durch Kopfballtraining beeinträchtigt, durch Training ohne Kopfkontakt aber nicht. Unbeabsichtigte Kopfstöße senkten die Konzentration von acht verschiedenen MicroRNAs.

Die Studie umfasse zwar eine kleine Teilnehmerzahl, erklärte Stian Bahr Sandmo. Das Verständnis der potenziell gefährlichen Folgen wiederholter Kopfstöße könne dadurch aber auf den Weg gebracht werden. Das Level von bestimmten MicroRNAs in Blutproben könnte als Biomarker dienen. Damit ließe sich möglciherweise nicht nur ein Hirnschaden als Folge von Kopfbällen diagnostizieren, sondern auch die Schwere der Verletzung.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels wurde die Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen unbeabsichtigten Kopfstößen und deren Folgen nicht korrekt dargestellt. Tatsächlich wurden in der Studie die Fußballer nicht neurologisch auf mögliche Hirnschäden untersucht. Es wurden lediglich Veränderungen im Blut nach wiederholten Kopfbällen oder unbeabsichtigten Kopfstößen nachgewiesen, die in Zukunft möglicherweise als Biomarker für Hirnverletzungen dienen könnten. Wir haben den Artikel korrigiert.

ak

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