Gefährliche Brustimplantate Mehr als zehn deutsche Kliniken betroffen

Welchen Frauen in Deutschland wurden die Billig-Brustimplantate eingesetzt? Behörden sammeln jetzt Daten - allein in zehn Krankenhäusern in Baden-Württemberg wurde das möglicherweise gesundheitsschädliche Material des französischen Herstellers PIP verwendet. Auch Arztpraxen in Berlin sind betroffen.

Operation zur Entfernung von Brust-Implantaten in Nizza: 300.000 Betroffene weltweit
REUTERS

Operation zur Entfernung von Brust-Implantaten in Nizza: 300.000 Betroffene weltweit


Berlin - Die Billig-Brustimplantate des französischen Herstellers Poly Implant Prothese (PIP) wurden auch in Deutschland verwendet - jetzt versuchen die Landesbehörden herauszufinden, wie viele Frauen betroffen sind. Es ist eine mühsame Arbeit, da die Daten im Nachhinein zusammengesammelt werden müssen.

In Baden-Württemberg seien "nach erstem Wissensstand" rund zehn Kliniken betroffen, sagte ein Sprecher des Landesversorgungsamts in Stuttgart. Wie viele Patientinnen die Implantate bekamen, sei noch nicht klar.

In Berlin wurden nach Angaben der Senatsverwaltung für Gesundheit drei Arztpraxen und ein Krankenhaus mit den Billig-Brustimplantaten aus Frankreich beliefert. Sie seien nur bei wenigen Frauen verwendet worden, sagte Sprecherin Regina Kneiding. Genaue Zahlen lagen ebenfalls noch nicht vor. Auch in Hessen wird von Einzelfällen ausgegangen, sagte eine Sprecherin des Sozialministeriums in Wiesbaden.

In Rheinland-Pfalz dürfen die PIP-Implantate nach Angaben des Gesundheitsministeriums schon seit 2010 nicht mehr verwendet werden. Anlass sei ein Vertriebsverbot in Frankreich gewesen. Andere Bundesländer haben noch keine Aufstellungen gemacht, da die Befragungen der Regierungspräsidien und Arztpraxen noch laufen. Bis Mitte Januar soll es einen konkreten Überblick geben.

Das französische Unternehmen PIP hatte Brustimplantate mit Industrie-Silikon gefüllt statt mit einem medizinischen Kunststoff. Bei zahlreichen Kissen sind inzwischen Risse aufgetreten - das Silikon soll sich in den Körpern der betroffenen Frauen verteilt haben. Kritiker fürchten, der Stoff könne krebserregend sein. Ein wissenschaftlicher Nachweis dafür fehlt allerdings.

Deutsches Unternehmen bestätigt Silikon-Lieferungen an PIP

Insgesamt sollen weltweit bis zu 300.000 Frauen die Produkte des französischen Unternehmens PIP eingesetzt bekommen haben, viele davon leben in Lateinamerika. Frankreich hat deshalb Alarm geschlagen und rund 30.000 Patientinnen aufgefordert, sich die Implantate wieder herausoperieren zu lassen. Deutschland, Großbritannien und Brasilien haben betroffene Frauen aufgefordert, einen Arzt aufzusuchen.

Wie viele Frauen in Deutschland die schadhaften Implantate erhalten haben, ist unklar. Seit 2004 wurden jedoch 19 Fälle von gerissenen PIP-Implantaten bekannt. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat betroffenen deutschen Frauen geraten, zur individuellen Risikoabwägung mit ihrem Arzt zu sprechen.

Der deutsche Chemiegroßhändler Brenntag hat am Dienstag bestätigt, Industrie-Silikon an PIP geliefert zu haben. Brenntag habe sich nach eigenen Angaben bei der Lieferung an den französischen Brustimplantate-Hersteller korrekt verhalten. "In unseren Auftragsbestätigungen wurde klar darauf hingewiesen, dass die Produkte ausschließlich für industrielle Zwecke genutzt werden dürfen (inklusive Körperpflegeprodukte)", erklärte Brenntag. Zudem werde Kunden geraten, selbständig zu überprüfen, ob die gelieferten Produkte für die geplante Verwendung geeignet sind. Brenntag habe Anfragen der französischen Behörden im April 2010 "vollständig beantwortet" und seitdem keine Nachfragen erhalten.

Der Anwalt von PIP-Gründer Jean-Claude Mas, Yves Haddad, dementierte nach französischen Medienangaben vom Dienstag Vorwürfe, der Inhalt der Brustimplantate bestehe aus industriellen Komponenten. "Diese Enthüllungen ergeben keinen Sinn, es handelt sich um Lebensmittelprodukte, wie sie auch für die Zusammensetzung von Schönheitsprodukten benutzt werden", erklärte Haddad der Zeitung "Libération". PIP habe seine Produkte selbst hergestellt, betonte er auch nach Angaben des "Le Parisien" - aus Zutaten, die von pharmazeutischen Unternehmen gekauft wurden und die etwa auch bei Lippenstiften zum Einsatz kämen.

lgr/dpa/Reuters/AFP

insgesamt 2 Beiträge
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Seite 1
caecilia_metella 03.01.2012
1. Warum soviel Aufwand?
Zitat von sysopWelchen Frauen in Deutschland wurden die Billig-Brustimplantate eingesetzt? Behörden sammeln jetzt Daten - allein in zehn Krankenhäusern in Baden-Württemberg wurde das möglicherweise gesundheitsschädliche Material des Herstellers PIP verwendet. Auch Arztpraxen in Berlin sind betroffen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,807037,00.html
Die Implantate halten doch nur 15 Jahre, jedenfalls nach Auskunft des Internet. Und wenn schon, sollte man vielleicht auch an Männerdaten denken. Aber die ärztliche Schweigepflicht nicht vergessen, ja?
old_spice 04.01.2012
2. gleiche Klientel
es sollen ja diese Männner "mit Benzin im Blut" sein, die auf getunte Titten stehen. Was lag da näher als Altöl-Silikon zu benutzen. Slogan: Mit allen Sinnen geniessen Babys können so den Ferrari - Stallgeruch schon mit der Muttermilch aufnehmen. Wenn man so die Pamelas und Veronas aus dem Playboy oder Beate Use Katalog vergleicht ist der Übergang wohl fliessend. Echtes Mitleid habe ich nur für die Frauen, wo es eine medizinische Notwendigkeit zur Operation gab.
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