Gefährliche Darmerkrankung Zahl der Ehec-Infizierten steigt rapide

Die Werte sind alarmierend: An einem Tag erkrankten mehr Patienten an Hus, der schwersten Komplikation bei einer Ehec-Infektion, als sonst in einem ganzen Jahr. Ein Ende der Seuche ist nicht absehbar, warnen Experten.

Hus-Erkrankter in Hamburger Klinik: "Der Ausbruch geht weiter"
DPA

Hus-Erkrankter in Hamburger Klinik: "Der Ausbruch geht weiter"


Hamburg - Wissenschaftler und Mediziner kämpfen gegen die Ausweitung der Ehec-Infektionen, von Entwarnung kann noch keine Rede sein. "Der Ausbruch geht weiter", warnte der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Reinhard Burger, im ARD-"Morgenmagazin". Auch wenn Forscher den Erregertyp und eine erste Infektionsquelle - Salatgurken - gefunden haben, erkranken immer mehr Menschen an der gefährlichen Durchfallerkrankung.

Die Zahl der Hus-Fälle - der schlimmsten Komplikation bei einer Ehec-Infektion - ist auf 276 gestiegen. Am Mittwoch meldete das RKI noch 214 Fälle. Zum Vergleich: Normalerweise treten in Deutschland weniger als 60 Hus-Fälle in einem ganzen Jahr auf. Die Abkürzung Hus steht für hämolytisch-urämisches Syndrom. Es kann zu Nierenversagen führen und tödlich enden.

Bundesweit gibt es bereits mehr als 800 Verdachtsfälle und bestätigte Ehec-Fälle - die meisten davon in Norddeutschland - pro Jahr werden sonst im Schnitt etwa 1000 Ehec-Fälle registriert. Mittlerweile sind alle Bundesländer betroffen, und auch in Europa breitet sich das Darmbakterium aus. In Deutschland sind nach wie vor ungewöhnlich viele Erwachsene erkrankt, drei Viertel davon jüngere Frauen - normalerweise stecken sich meist Kinder mit Ehec-Erregern an.

Nach Angaben des RKI sind zwei Frauen an den Folgen der Bakterieninfektion gestorben. Weitere Todesfälle werden mit der Krankheit in Verbindung gebracht. Bei einem in Hamburg tot aufgefunden Mann hatte die Obduktion am Donnerstag ergeben, dass der 38-Jährige an einer Durchfallerkrankung gelitten hat.

Deutsche Bauern werfen Gemüse in den Müll

Auf der Suche nach dem gefährlichen Durchfallerreger waren Experten am Donnerstag einen bedeutenden Schritt vorangekommen: Sie wiesen die Bakterien an vier Salatgurken nach; die Proben stammten vom Hamburger Großmarkt. Drei der Gurken wurden nach Senatsangaben aus Spanien importiert. Zudem konnten Forscher aus Münster bestimmen, welcher Ehec-Typ für den aktuellen Ausbruch verantwortlich ist. In wenigen Tagen soll ein Schnelltest für die Bakterien zur Verfügung stehen.

Trotz der Funde gibt das Bundesinstitut für Risikobewertung keine Entwarnung für andere Gurken, Tomaten und Blattsalate. Wer sichergehen wolle, sollte zunächst ganz auf den Verzehr verzichten. Zahlreiche Restaurants, Kantinen, Krankenhäuser und Kindergärten haben fragliches Gemüse vom Speiseplan gestrichen. Viele Handelskonzerne strichen spanische Salatgurken aus ihrem Angebot.

Das Saarland stoppte den Verkauf von spanischen Salatgurken. Die Behörden in Bayern weiten die Kontrollen aus. Salatgurken aus Spanien dürfen nur dann verkauft werden, "wenn das Lebensmittelunternehmen mittels entsprechender Prüfung die Unbedenklichkeit bestätigen kann", teilte das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit am Freitag mit.

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Gefährlicher Krankheitskeim: Zahl der Ehec-Fälle steigt weiter
Bauern in Norddeutschland werfen wegen des Ehec-Erregers mittlerweile tonnenweise Salatköpfe, Tomaten und Gurken auf den Müll. Obwohl die Spur nach Spanien führt, sind die Verbraucher auch bei deutschem Gemüse noch sehr skeptisch. "Allein in Niedersachsen haben fünf Großabnehmer im Einzelhandel ihre Gemüsebestellungen storniert", sagte Axel Boese von der Fachgruppe Gemüsebau Norddeutschland am Freitag.

Der Chef des Bauernverbands, Gerd Sonnleitner, verlangt generell schärfere Regeln für Importgemüse. In der EU müsse es einheitliche Standards geben, sagte Sonnleitner der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post". Diese Regeln müssten auch für liefernde Drittländer gelten. In Deutschland herrschten sehr strenge Regeln, und die gesamte Lebensmittelkette werde kontrolliert. "Importe werden leider wesentlich lascher geprüft", kritisierte der Bauernpräsident.

Gurken auf den Boden gefallen

Das Gesundheitsministerium in Madrid leitete am Donnerstagabend eine Untersuchung ein. Die Behörden hätten sich mit zwei Agrarbetrieben in den Provinzen Málaga und Almería in Verbindung gesetzt, aus denen die kontaminierten Gurken stammen könnten. Allerdings könne auch nicht ausgeschlossen werden, dass die Gurken in Deutschland verunreinigt worden seien, so das Ministerium.

Eines der betroffenen Unternehmen, Pepino Bio Frunet mit Sitz in Málaga, erklärte, dass eigene Tests an den Gurken des betroffenen Bauern keine Verunreinigung ergeben hätten. Eine Sprecherin äußerte die Vermutung, dass die Erreger in Deutschland an die Gurken gelangt seien.

Ihr liege eine E-Mail des Großhändlers in Hamburg vor, wonach eine Palette mit 180 Kisten Gurken vom Transporter gekippt und auf den Boden gefallen sei. Außerdem seien die deutschen Proben zweieinhalb Wochen nach Auslieferung genommen worden, als die Gurken schon halbverschimmelt in einem Lager gestanden hätten. "Wir wollen auch nach der Wahrheit suchen", sagte die Pepino-Bio-Frunet-Mitarbeiterin. Sie hoffe, dass Tests in Spanien und anderen Exportländern der Gurken die eigenen Proben bestätigen.

Experten in Deutschland glauben nicht an die Theorie, dass die Gurken die Bakterien aufgenommen haben, als sie auf den Boden fielen. Das sei eine Möglichkeit, aber eine sehr, sehr, sehr geringe, sagte Martin Müller, Vorsitzender des Bundesverbands der Lebensmittelkontrolleure. "So was kann passieren, aber da müsste ein ganzer Lkw und noch mehr auf den Boden gefallen sein. Bei der Häufigkeit, die wir jetzt haben, erscheint mir das eher unwahrscheinlich."

wbr/dapd/dpa



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triple-x 27.05.2011
1. Halloooo, halloooo, Frau Aigner...
... kommt von Ihnen auch mal eine Stellungnahme oder werden Sie in üblicher Weise mal wieder alles verschlafen und sich dann, wenn alles vorüber ist, wie immer inkompetent äußern?
snoozer 27.05.2011
2. deutsche Gurken
also bei mir im Garten in der Nähe von Hamburg gibts überhaupt noch keine Gurken. Die sind noch so klein, die kann man gar nicht ernten. Wozu also die Aufregung bzgl. Gurken aus Deutschland?
Narn 27.05.2011
3. Restrisiko
EHEC-Infektion? Seuche? Ich nenne es Restrisiko. Bei Atomkraft ist das Restrisiko gemäß Urteil des Bundesverfassungsgerichts vertretbar. Prost Mahlzeit und guten Appetit!
michaelbrandtner, 27.05.2011
4. "Angriff der Killerviren?"
"Alles zum Todesbazillus!" "Killervirus: So erhöhen sie ihre Überlebenschancen!" "Spanische Killerkrankheit greift Deutschland an!" "So leiden die Überlebenden des Killervirus" "Killervirus: Situation immer dramatischer!" "Killervirus: Ist ein Spanienurlaub noch sicher?" "Killervirus: Schon wieder Tote in Deutschland!" Das wünsche ich mir, noch mehr "Aufklärung"!
sir.viver 27.05.2011
5. ?
Zitat von sysopDie Werte sind alarmierend: An einem Tag erkrankten mehr Patienten an Hus, der schwersten Komplikation bei einer Ehec-Infektion, als sonst in einem ganzen Jahr. Ein Ende der Seuche*ist nicht absehbar, warnen Experten. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,765221,00.html
Okaaaaaaay? Und wieviele erkranken normal im Jahr? Fuenf Personen? Prima, Deutschland hat ein neues Angstthema. Was ist schon Atompanik gegen nen ordentlichen Duennpfiff ;)
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