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13. Juni 2011, 15:28 Uhr

Gefährliche Darminfektion

Ehec-Fahnder grenzen Sprossenquelle ein

Keimlinge von Brokkoli, Knoblauch und Bockshorn: Die Behörden konzentrieren sich bei der Suche nach der Ehec-Infektionsquelle auf drei verdächtige Arten. Experten warnen auch vor selbstgezogenen Sprossen. Noch rätseln sie, wie der gefährliche Erreger in den Bienenbütteler Betrieb gelangen konnte.

Hannover - Für die Fahnder der Ehec-Epidemie geht der Sprossenkrimi weiter. Zwar steht seit Freitag fest, dass ein niedersächsischer Betrieb eine Quelle der aktuellen Ehec-Welle ist, doch noch rätseln die Experten darüber, wie der gefährliche Darmkeim dorthin gelangen konnte.

Eine mögliche Spur könnte nun möglicherweise vom Biohof selbst kommen: Neun Mitarbeiterinnen sind nach Angaben des niedersächsischen Gesundheitsministeriums gezielt nach ihrem Verzehr von Sprossen befragt worden. Fünf Beschäftigte, die an der Ehec-Infektion erkrankten oder positiv getestet wurden, haben demnach bevorzugt Sprossen von Brokkoli, Knoblauch und Bockshorn gegessen. Dagegen hätten vier gesunde Mitarbeiterinnen vor allem die Sorten Alfalfa und Würzige Mischung verzehrt.

Dies könne ein Hinweis auf bestimmte Sprossenarten und damit auf den Ursprung der Infektion durch das Saatgut sein, sagte Niedersachsens Gesundheitsministerin Aygül Özkan (CDU) am Montag in Hannover.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) geht davon aus, dass möglicherweise das Saatgut für die Sprossen und Keimlinge mit Ehec kontaminiert sein könnte. Der Grund: Bei einer Familie aus Niedersachsen, die sich mit Ehec infiziert hatte, bestehe der Verdacht, dass selbstgezogene Sprossen Ursache für die Erkrankung seien. Deshalb rät das BfR den Verbrauchern, den Verzehr selbstgezogener roher Sprossen und Keimlinge derzeit zu vermeiden. Wer nicht ganz auf die Keimlinge verzichten will, sollte sie beim Zubereiten am besten zehn Minuten lang gut abkochen.

Am Wochenende war bei zwei weiteren Mitarbeiterinnen des Sprossenerzeugers in Bienenbüttel der aggressive Darmkeim Husec 041, Serotyp O104:H4, nachgewiesen worden. Beide hätten aber bisher keine Symptome, teilten die Behörden mit. "Damit können wir einen weiteren wichtigen Teil einer Indizienkette vorlegen", sagte Özkan. Bereits im Mai waren drei Mitarbeiterinnen des Betriebes mit Ehec-Symptomen erkrankt.

Doch es sind viele Szenarien denkbar, wie Husec 041 in den Betrieb gelangt sein könnte. Noch können die Behörden nicht mit endgültiger Sicherheit sagen, ob Mitarbeiter den Keim eingeschleppt haben, er durch Saatgut oder gar andere Quellen auf den Bienenbütteler Hof gekommen ist. Denn noch sind auch die Infektionswege der Mitarbeiter unklar. Und: In den Samen habe man den Erreger noch nicht nachweisen können, teilte das BfR mit.

Die Untersuchungslaboratorien der Länder und das Nationale Referenzlabor am BfR untersuchen derzeit den Angaben zufolge eingegangene Saatgutproben. "Wenn bereits die Samen mit Keimen belastet sind, dann schützt auch die Einhaltung von Küchenhygieneregeln nicht vor einer Ehec-Erkrankung", sagte BfR-Präsident Andreas Hensel. Die Aufklärung sei aber wichtig, um Vorsorgesysteme zu entwickeln, damit solche Ereignisse künftig verhindert werden können, erklärte Landwirtschaftsminister Gert Lindemann (CDU) in Hannover.

Derweil nimmt die Zahl der Ehec-Neuerkrankungen nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) ab. Seit einigen Tagen werden "auf deutlich niedrigerem Niveau" Fälle übermittelt, teilte die Behörde am Montag mit. Bis zum Pfingstsonntag registrierte das Institut demnach insgesamt 3228 Erkrankungen.

Davon litten 781 Menschen unter der besonders schweren Verlaufsform Hus, dem hämolytisch-urämischen Syndrom. 69 Prozent davon seien Frauen. Bei Hus können unter anderem Nierenversagen und neurologische Schäden auftreten. 35 Patienten starben nach Angaben des RKI bisher an den Folgen einer Infektion mit dem Darmkeim. In Niedersachsen ist die Zahl der Ehec-Fälle am Pfingstwochenende nur leicht gestiegen.

Ob der Rückgang auf ein verändertes Essverhalten der Bevölkerung oder auf ein Versiegen der Infektionsquelle zurückzuführen ist, kann der Behörde zufolge noch nicht mit Sicherheit bestimmt werden. "Wir sind optimistisch, dass der Scheitelpunkt erreicht ist", sagte Özkan.

cib/dpa/dapd

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