Gefährliche Darminfektion Wie Ehec-Bakterien die Nieren zerstören

Eine Ehec-Infektion kann schwerste Folgen haben: Viele Patienten mit dem hämolytisch-urämischen Syndrom (Hus) benötigen eine spezielle Blutwäsche, um ihre Nieren zu retten. Wie effektiv die Therapie tatsächlich ist, wissen die Ärzte nicht genau.

Ehec-Bakterien auf einer Petrischale: Infektion kann schwere Nierenschäden verursachen
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Ehec-Bakterien auf einer Petrischale: Infektion kann schwere Nierenschäden verursachen

Von Cinthia Briseño


Georg war drei, als er plötzlich schwer krank wurde. Erst kam das Bauchweh, kurz darauf schwerer Durchfall mit Blut. Das Kind wurde in die Klinik eingeliefert, nach wenigen Tagen arbeiteten seine Nieren plötzlich nicht mehr. Akutes Nierenversagen.

Eine Blutwäsche rettete wahrscheinlich sein Leben. Doch es sollte nicht das unbeschwerte Leben eines normalen Kindes werden. Einige Monate musste Georg in der Schwabinger Kinderklinik verbringen. Zwei Jahre lang ging es Georg besser, danach versagten wieder die Nieren. Es folgten wieder Blutwäsche um Blutwäsche, irgendwann wurde eine Nierentransplantation notwendig. Als Zwölfjähriger hatte Georg bereits zwei Verpflanzungen hinter sich. Die berührende Geschichte des kleinen Jungen war 1995 in der "Süddeutschen Zeitung" zu lesen. Damals grassierte der Ehec-Keim in Bayern, er befiel vor allem Kinder.

Bei der akutellen Epidemie traf es eher Erwachsene als Kinder, überwiegend Frauen waren betroffen. Wochenlang war die Lage in Norddeutschlands Kliniken angespannt. Denn bei vielen Ehec-Patienten kam es zu schweren Komplikationen. Der Grund: Die Ehec-Bakterien setzen im Körper Toxine frei. Diese Gifte schädigen den menschlichen Körper massiv, weil sie sich ins Blut ausbreiten, rote Blutkörperchen zerstören und die empfindlichen Blutgefäße der Niere angreifen.

Letzte Rettung für die Nieren

Kommt es zu diesem sogenannten hämolytisch-urämischen Syndrom (Hus), müssen die Patienten einer Blutwäsche unterzogen werden. Plasmapherese nennen Mediziner die Behandlung, die pro Sitzung etwa zwei bis drei Stunden dauert. Das Blut der Patienten wird in die Apheresemaschine gepumpt und dort in Plasma und Blutzellen getrennt. Diese werden dem Patienten wieder zurückgegeben, anstelle des toxinbelasteten Plasmas erhält er entweder ein Plasmaersatzmittel oder Spenderplasma.

Inzwischen haben viele Hus-Patienten die Kliniken wieder verlassen. Ihr Zustand ist stabil. Für einige war die Plasmapherese die letzte rettende Maßnahme. Die Palette der Folgen durch das Hus ist groß. Im besten Fall sind die Nieren der Hus-Patienten nur vorübergehend eingeschränkt und funktionieren nach einigen Blutwäschen wieder.

Für manche Betroffene könnte sich das Leben nach der Ehec-Infektion aber dramatisch ändern: Manche müssen für immer regelmäßig an die Dialysemaschine. Nur eine Nierentransplantation könnte sie davon befreien. Zudem kam es bei vielen Hus-Patienten zu erheblichen Beeinträchtigungen der Hirnfunktion: Krampfanfälle, Gedächtnisstörungen und andere neurologische Symptome sind typische Folgen einer schweren Ehec-Infektion.

Wer von den Hus-Patienten tatsächlich wieder vollständig gesund wird, und wer lebenslange Schäden davontragen wird, ist nicht vollständig klar. Nach ihrer Entlassung werden beobachten Ärzte die Patienten noch über einen Zeitraum von etwa einem Jahr. Erst nach der Auswertung der Daten aus der aktuellen Ehec-Epidemie wird feststehen, wie hoch der Nutzen einer Blutwäsche für Hus-Patienten tatsächlich ist und wie viele Ekrankte davon profitiert haben.

Ehec - die wichtigsten Informationen im Überblick



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