Gefährliche Infektion Wie Ehec von Mensch zu Mensch wandern kann

Verseuchte Lebensmittel sind für die Ehec-Infektionen in Deutschland verantwortlich. Doch es gibt noch einen Weg, wie sich die Bakterien verbreiten können: von Mensch zu Mensch. Dagegen hilft nur Hygiene.
Ehec-Bakterien auf einer Petrischale: Verbreitung durch Schmierinfektion

Ehec-Bakterien auf einer Petrischale: Verbreitung durch Schmierinfektion

Foto: Christian Charisius/ dpa

Sprossen aus einem niedersächsischen Betrieb sind das lang gesuchte Lebensmittel, über das sich die gefährlichen Ehec-Bakterien in den vergangenen Wochen in Norddeutschland verbreitet haben. Doch es existiert ein weiterer Übertragungsweg: der von Mensch zu Mensch. So ansteckend wie eine Erkältung ist die Ehec-Infektion zum Glück nicht. Per Tröpfcheninfektion beim Niesen oder Husten werden die Erreger nicht weitergetragen.

Aber sogenannte Schmierinfektionen sind möglich: Nach einem Toilettengang kann ein Infizierter, der sich nicht die Hände gewaschen hat, andere anstecken. Die Bakterien können sich zwischendurch auch auf Flächen absetzen, Türklinken etwa, und so ohne direkten Körperkontakt von einem Menschen zum nächsten wandern.

Das Tückische bei Ehec: Schon 100 Bakterien können ausreichen, damit jemand erkrankt. Zum Vergleich: Bei Salmonellen sind etwa 100.000 Keime nötig. Beim Benutzen einer gemeinsamen Toilette mit einem Infizierten ist daher eine Ansteckung mit Ehec möglich.

Experten gehen davon aus, dass Patienten die Keime bis zu zehn Tagen nach den ersten Durchfällen ausscheiden. Um das genau zu prüfen, laufen derzeit am Robert Koch-Institut (RKI) Studien dazu. Dauerausscheider wie bei Salmonellen haben die Ärzte aber bisher nicht beobachtet. Als Dauerausscheider werden Menschen bezeichnet, die auch zehn Wochen nach Abklingen aller Symptome noch Krankheitserreger abgeben.

Noch nicht beantworten können Ärzte, wie viele Menschen sich mit dem derzeit grassierenden Ehec-Stamm infizieren, ohne zu erkranken - sie kämen als Überträger besonders in Frage. Denn sobald jemand mit den typischen Ehec-Symptomen in die Klinik geht, wird er entsprechend isoliert. Die "stillen Überträger" aber untersucht kein Arzt.

Wieso manche Menschen trotz einer Infektion nicht erkranken, lässt sich schwer beantworten. Manche Experten vermuten, dass deren Immunsystem so gut auf das Bakterium reagiert, dass schlicht keine Krankheit ausbricht. Möglich ist auch, dass manche Personen nur wenig Erreger aufgenommen haben. Und auch die Zusammensetzung der Darmflora, die aus verschiedensten Bakterien besteht, könnte eine Rolle spielen.

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