Gefährlicher Darmkeim Frankreich warnt vor Ehec-Sprossen aus England

Frankreich stoppt den Verkauf von Sprossen aus Großbritannien: Die Gesundheitsbehörden führen den Ehec-Ausbruch auf das Gemüse eines englischen Händlers zurück. Die Firma wehrt sich - und unterstellt, die Probleme seien bei der Weiterverarbeitung entstanden.

Sprossen: "Es ist sehr unwahrscheinlich, dass es die Samen selber sein könnten"
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Sprossen: "Es ist sehr unwahrscheinlich, dass es die Samen selber sein könnten"


Paris/London - Die britische Gesundheitsbehörde geht Vorwürfen nach, Sprossen aus Großbritannien könnten die Ursache für Ehec-Infektionen in Frankreich sein. Die Behörde habe bei dem beschuldigten Saatgut- und Pflanzenversand Thompson & Morgan nähere Informationen angefordert, berichtet der Sender BBC.

In der französischen Region Bordeaux wurden am Freitag zehn Menschen wegen auffälliger blutiger Durchfälle behandelt. Bei ersten Untersuchungen seien bei zwei der Patienten Ehec-Bakterien des aggressiven Stamms O104:H4 gefunden, teilte die regionale Gesundheitsbehörde mit. Fünf Patienten litten am hämolytisch-urämischen Syndrom (Hus), einer schweren Komplikation von Ehec-Infektionen. Mindestens sechs der Betroffenen sollen auf einem Fest im Ort Bègles Sprossen gegessen haben, die über Suppen gestreut worden waren.

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Ehec: Der Keim, der Deutschland in Atem hielt
Ursprung der Infektionen waren offenbar nicht Sprossen von dem Biohof aus Bienenbüttel. Dieser war in Deutschland Ursprung der Seuche, an der bislang knapp 43 Menschen gestorben sind. Das Robert Koch-Institut (RKI) zählte bis zum Freitag 3717 Erkrankungen an Ehec oder dem HU-Syndrom. Obwohl die Seuche in Deutschland eingedämmt scheint, sind viele Verbraucher immer noch verunsichert.

Die britische Firma aus Ipswich setzte sich am Samstag gegen die Vorwürfe zur Wehr. Es gebe keinerlei Beweise für eine Verbindung zwischen ihren Produkten und den Ehec-Fällen in Frankreich, sagte ein Unternehmenssprecher der BBC. Man habe "Tausende Pakete verkauft und von keinerlei Problemen erfahren", hieß es. "Es ist sehr unwahrscheinlich, dass es die Samen selber sein könnten, sondern eher die Art und Weise, wie sie benutzt und behandelt wurden."

In Frankreich hatte vor den zehn Erkrankungen in Bègles bei Bordeaux bereits ein Ehec-Ausbruch bei Kindern im nordfranzösischen Lille Schlagzeilen gemacht. Dort sollen Hamburger-Buletten der Supermarktkette Lidl der Verursacher sein, die mit Fleisch aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden in Frankreich produziert wurden. Vier Kinder, die davon gegessen hatten, lagen am Freitag noch im Krankenhaus, eines in kritischem Zustand.

Ehec - die wichtigsten Informationen im Überblick

cte/dpa/dapd



insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
sappelkopp 25.06.2011
1. Jetzt kommt...
...die deutsche Krankheit über Europa! Aber mal im Ernst, wie kommt es, dass sich so ein Keim jetzt entwickelt, ist das ein "normaler" Entwicklungsprozeß in der Natur?
Flari 25.06.2011
2. Spannende Geschichte
Zitat von sysopFrankreich stoppt den Verkauf von Sprossen aus Großbritannien: Die Gesundheitsbehörden führen den Ehec-Ausbruch auf das Gemüse eines englischen Händlers zurück. Die Firma wehrt sich - und unterstellt, die Probleme seien bei der Weiterverarbeitung entstanden. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,770573,00.html
HUS bedingt an sich immer einen gewissen zeitlichen Vorlauf der Infektion. EHEC O104 sagt an sich fast nichts über die Identität des Erregers aus. Nur ist der "Serotyp" nicht gerade häufig. Es bleibt spannend..
Zorpheus 25.06.2011
3. Die Franzosen
Die Franzosen sind ja sehr schnell damit, Schuldige zu finden, und das ganz ohne die Erreger auf den Lebensmitteln nachzuweisen. Gut, immerhin sind sie bis jetzt so schlau, sich auf einzelne Firmen zu beschränken, und nicht wie die Deutschen gleich alles spanische Gemüse in Verruf zu bringen.
nonevernomore 25.06.2011
4. Woher der Hass?
Zitat von sysopFrankreich stoppt den Verkauf von Sprossen aus Großbritannien: Die Gesundheitsbehörden führen den Ehec-Ausbruch auf das Gemüse eines englischen Händlers zurück. Die Firma wehrt sich - und unterstellt, die Probleme seien bei der Weiterverarbeitung entstanden. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,770573,00.html
Mal abgesehen von der zu erwarten gewesenen Nachricht, dass sich der Erreger "eingenistet" hat und wir wohl mit ihm leben lernen müsse. Wieso betont die Presse denn immer noch "BIO"-hof, obwohl noch nie etwas darauf hingedeutet hat, dass die Herkunft der Keimsatt aus Bioanbau für die Kontamination ursächlich ist. Die Bezeichnung der Fa Thompson & Morgan als "KONVENTIONELLER" Betrieb findet doch auch nicht statt.
unifersahlscheni 25.06.2011
5. ...
Zitat von sappelkopp...die deutsche Krankheit über Europa! Aber mal im Ernst, wie kommt es, dass sich so ein Keim jetzt entwickelt, ist das ein "normaler" Entwicklungsprozeß in der Natur?
...nicht mal Experten können den Ursprungskeim in Deutschland mit letzter Sicherheit festlegen, woher haben sie die aktuellsten Fakten und mit welchen Links können sie es belegen...`? Nur so interessenhalber...!
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