Hautkrebs Gesunde Zellen schützen Tumor vor Chemotherapie

Mit Chemotherapie lassen sich heute zahlreiche Krebserkrankungen behandeln - doch manche Tumore sprechen kaum auf die Behandlung an. Das könnte an einer Substanz liegen, die von gesunden Zellen produziert wird.

Chemotherapie: Hauttumore aus gesunden und Krebszellen springen schlecht darauf an.
Corbis

Chemotherapie: Hauttumore aus gesunden und Krebszellen springen schlecht darauf an.


London - Tumore lassen sich schlechter mit Chemotherapie bekämpfen, wenn sie neben Krebszellen auch gesunde Zellen enthalten. Verantwortlich dafür ist offenbar ein Signalstoff, der von den gesunden Zellen produziert wird und die Krebszellen vor der Chemotherapie schützt, berichten Forscher im Fachmagazin "Nature".

Im Fall einer Chemotherapie reaktiviert der Wachstumsfaktor HGF ("hepatocyte growth factor") aus den gesunden Zellen auch einige Stoffwechselwege in den Krebszellen. So stimuliert er etwa Zellwachstum und -teilung. Eigentlich sollen diese Vorgänge in den Krebszellen gerade durch die Therapie blockiert werden.

"Die Erkenntnisse haben unmittelbare Bedeutung für die Medizin", schreiben Ravid Straussman vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) und seine Kollegen. Denn gegen den Wachstumsfaktor HGF gebe es bereits Hemmstoffe, die zurzeit in klinischen Studien getestet werden. Gemeinsam mit der herkömmlichen Chemotherapie verabreicht, könnten sie Tumorbehandlungen wirksamer machen als bisher.

Was im Labor erfolgreich ist, funktioniert in der Realität oft nicht

Die Wechselwirkung zwischen gesunden und entarteten Zellen könnte auch erklären, warum neue Therapie-Ansätze im Laborversuch oft vielversprechend sind, beim Menschen aber versagen: Tumore im menschlichen Körper seien im Gegensatz zu Zellkulturen in der Regel von gesunden Zellen durchsetzt.

Frühere Studien hatten bereits einige Mechanismen enthüllt, die Krebszellen resistent gegen Chemotherapeutika machen. Allerdings konnten diese bisher nicht die Kluft zwischen den Erfolgen im Labor und im Menschen erklären. Jetzt zeige sich, dass das Problem nicht allein bei den Krebszellen, sondern bei ihren gesunden Nachbarn liegt, sagen die Forscher.

Untersucht wurden Krebszellen auch für die aktuelle Studie zunächst im Labor. Schließlich bestätigte sich aber in Untersuchungen mit 34 Hautkrebspatienten, dass Tumore, die viel HGF enthielten, schlechter auf die Chemotherapie ansprangen. Nach Ansicht der Wissenschaftler könnte die Substanz bei anderen Krebsarten einen ähnlichen Effekt haben.

jme/dapd



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