Einschätzung des Gesundheitsministeriums Bundesregierung sieht Deutschland "sehr gut" auf Coronavirus vorbereitet

Das Gesundheitswesen sieht sich gut gewappnet für das Coronavirus. Und auch wenn es den deutschen Patienten bisher gut geht, sorgt ein Fall für Bedenken.
Gesundheitsminister Spahn: Das deutsche Gesundheitswesen sei mit der Situation "nicht überfordert"

Gesundheitsminister Spahn: Das deutsche Gesundheitswesen sei mit der Situation "nicht überfordert"

Foto: FELIPE TRUEBA/ EPA-EFE/ REX

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat aufgrund der zunehmenden weltweiten Verbreitung des Coronavirus den internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Damit sind alle Staaten dazu aufgerufen, besondere Maßnahmen zu ergreifen und sich dabei zu koordinieren. "So wie sich die Lage momentan darstellt, ist das deutsche Gesundheitswesen sehr gut darauf vorbereitet", sagte Hanno Kautz, Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums bei der Bundespressekonferenz am Freitag dazu.

In Deutschland sind mittlerweile fünf Menschen mit dem neuartigen Virus infiziert, dessen Verbreitung in der chinesischen Provinz Hubei seine Anfänge nahm. Sie alle sind Mitarbeiter der Firma Webasto mit Sitz in Stockdorf in Bayern. Sie befinden sich derzeit im Münchner Klinikum Schwabing auf isolierten Zimmern. Ihr Gesundheitszustand ist den Ärzten zufolge sehr gut, vier von ihnen sind symptomfrei, über den fünften Infizierten war zunächst nichts bekannt.

"Es ist gar nicht notwendig, mit dem Coronavirus infizierte Patienten zentral zu isolieren", sagte Kautz. "Nach allem, was wir bisher wissen, reichen einfache Isolierstationen, wie sie jedes Krankenhaus hat, aus." Er zitierte weiterhin Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, der gesagt habe, er habe nicht den Eindruck, das deutsche Gesundheitswesen sei mit der Situation überfordert.

Bedenkliche Infektionskette

Obwohl die Krankheitsverläufe in Deutschland derzeit offenbar eher mild zu sein scheinen, sorgt eine Information dennoch für Bedenken: Wie der SPIEGEL erfuhr, infizierte sich einer der Betroffenen in Bayern nicht wie die anderen vier bei einer chinesischen Arbeitskollegin, die sich offenbar in China bei ihren Eltern aus Wuhan angesteckt hatte. Vielmehr scheint das Virus wiederum von einem Mitarbeiter auf einen anderen übertragen worden zu sein - und das, obwohl dieser noch keine Symptome zeigte.

Damit handelt es sich um eine der ersten so langen Infektionsketten außerhalb von China. Bislang hatten Chinareisende nur sehr vereinzelt Menschen im Ausland angesteckt, diese hatten den Erreger aber nicht erneut weitergegeben. Der Fall macht deutlich, wie leicht das neuartige Coronavirus 2019-nCoV übertragen werden kann.

Während Deutschland noch relativ entspannt mit der Situation umgeht, hat Italien den nationalen Notstand ausgerufen, nachdem die ersten beiden Infektionsfälle in dem Land bestätigt worden waren. Es handelt sich um zwei chinesische Touristen, die in einem Hotel im Zentrum von Rom untergebracht waren. Das Paar aus Wuhan befindet sich den Angaben zufolge derzeit auf einer Isolierstation in der italienischen Hauptstadt. Zudem wurden in dem Krankenhaus andere Teilnehmer der Reisegruppe und Hotelmitarbeiter untersucht.

Der Notstand wird in Italien häufiger ausgerufen, etwa nach Erdbeben oder Unwettern. Auch in Großbritannien wurden am Freitag die ersten zwei Fälle bekannt. Frankreich und Finnland hatten im Laufe der Woche bereits einzelne Fälle gemeldet. Zahlreiche Fluglinien haben bisher bereits ihre Flüge nach China eingestellt, darunter auch die Lufthansa. Betroffen sind auch Thailand, Japan, Singapur, Australien, Hongkong, Malaysia, die USA, Finnland, aber auch Indien und die Philippinen. Das Auswärtige Amt rät von Reisen nach China ab.

Fast 10.000 Fälle in China

Trotz steigender Fallzahlen im Ausland konzentriert sich die Epidemie weiterhin auf China, wo die Gesamtzahl der Infektionen laut dem chinesischen Uno-Botschafter am Freitag auf mehr als 9800 Fälle stieg. Die Zahl der Toten stieg demnach auf 213. Damit haben zumindest die Zahlen der Infizierten die der tödlichen Sars-Pandemie vor rund 18 Jahren überstiegen, wo sich rund 8000 Menschen weltweit mit dem Virus ansteckten.

In der mittlerweile abgeriegelten Millionenmetropole Wuhan, wo das Virus zuerst ausbrach, befinden sich derzeit auch noch rund hundert deutsche Staatsbürger. Am Mittag startete ein Flugzeug der Bundeswehr in Köln in Richtung Wuhan, um sie und weitere 30 Angehörige anderer Staatsangehörigkeiten, die sich gemeldet hatten, nach Deutschland zu holen. Die Bundeswehr-Maschine solle auf Bitten Chinas 10.000 Schutzanzüge mitbringen, die vor Ort gebraucht würden, sagte Bundesaußenminister Heiko Maas. Die Teilnahme an dem Rückholflug ist freiwillig.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

"Die aus Wuhan zurückgeholten Personen werden für zwei Wochen unter Quarantäne gestellt", sagte BMG-Sprecher Hanno Kautz. "So lange, wie die Inkubationszeit dauert." In dieser Zeit würden sie in Einzelzimmern auf Isolierstationen untergebracht und ein Kontakt nach außen würde auf ein Minimum reduziert. Sie sollen auf einem Luftwaffenstützpunkt in Rheinland-Pfalz untergebracht werden.

kry/dpa/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.