Großhirnrinde Neue Begriffe lassen Gehirn schnell wachsen

Beim Lernen kann das Gehirn Erwachsener erstaunlich schnell größer werden. Dies haben Forscher bei Freiwilligen beobachtet, die neue Farbbegriffe büffelten. Schon nach knapp zwei Stunden Training war die Großhirnrinde gewachsen.

Menschliches Gehirn: Überraschende Unterschiede bei Vorher-Nachher-Aufnahmen
dpa/dpaweb

Menschliches Gehirn: Überraschende Unterschiede bei Vorher-Nachher-Aufnahmen


Washington - Wie schnell reagiert das Gehirn auf neue Anforderungen? Bisher waren Hirnforscher davon ausgegangen, dass für einen Umbau etwa der Großhirnrinde Wochen oder sogar Jahre notwendig sind. Eine neue Studie eines chinesisch-US-amerikanischen Forscherteams hat nun jedoch gezeigt, dass es viel schneller geht.

Die Wissenschaftler hatten Freiwilligen künstliche Namen für bestimmte Grün- und Blautöne beigebracht. Schon nach knapp zwei Stunden Training habe es einen Größenzuwachs in der Großhirnrinde gegeben, berichten Veronica Kwok von der University of Hongkong und ihre Kollegen im Fachblatt "Proceedings of the National Academies of Sciences".

Für den Farbtest stellten sich 19 chinesische Studenten zur Verfügung. In fünf Sitzungen, verteilt auf drei Tage, sollten die Probanden neue Namen für zwei willkürlich ausgewählte Grün- und zwei Blautöne lernen. Als Bezeichnungen suchten die Forscher einzelne, dem Mandarin-Chinesisch entnommene Silben aus, die für sich betrachtet keinerlei Bedeutung hatten. Die beiden Grüntöne bekamen etwa die Namen "áng" und "sòng", die beiden Blautöne wurden "duan" und "ken" getauft.

Zuerst sollten sich die Testteilnehmer die neuen Namen anhören, während sie gleichzeitig die dazugehörige Farbe auf einem Monitor sahen. Anschließend sollten sie sie benennen, wenn sie auf einem Monitor gezeigt wurden. Insgesamt, betonen die Forscher, habe das Training für jeden Probanden genau eine Stunde und 48 Minuten gedauert. Vor und nach der Lernphase fertigten die Wissenschaftler von jedem Teilnehmer einen Gehirnscan per Magnetresonanztomograph an.

Mehr Ressourcen im Sehzentrum

Der Vergleich der Vorher-Nachher-Aufnahmen habe dann überraschend deutliche Unterschiede gezeigt, berichten Kwok und ihre Kollegen: Vor allem in einem Teil des Sehzentrums in der linken Hirnhälfte erhöhte sich das Volumen der sogenannten Grauen Substanz, die aus den Zellkörpern der Gehirnzellen besteht und die äußere Rinde des Großhirns ausmacht. Dieser Bereich ist bekannt dafür, dass er das Farbsehen steuert, erläutern die Wissenschaftler. Zwar habe man auch früher schon derartige Umbauten und Volumenzuwächse im Gehirn Erwachsener beobachtet, wenn diese neue Fähigkeiten erlernten. Derartig schnelle Veränderungen seien jedoch unbekannt - normalerweise brauche das Gehirn zumindest ein paar Wochen, um seine Struktur zu verändern.

Dass die Forscher für den Test Farbnamen auswählten, war kein Zufall: Sie gelten als gutes Modell, um den Einfluss von Sprache auf die Wahrnehmung zu untersuchen. Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass die Sprache die Farbwahrnehmung stark prägt. So können Menschen, in deren Muttersprache es nur ein einziges Wort für alle Grün- und Blautöne gibt, die Farben Grün und Blau kaum auseinanderhalten. Denn die in der Muttersprache vorhandenen Namen legen fest, welche Farbkategorien das Gehirn verwendet und wie es gesehene Farbtöne diesen Kategorien zuordnet.

Besonders ausgeprägt ist dieser Effekt im rechten Gesichtsfeld, das von der linken Hirnhälfte gesteuert wird - der Hälfte, die im Allgemeinen auch das Sprachzentrum beherbergt. Die Beobachtung, dass genau dort ein derartig rapider Umbau beim Erlernen von neuen Farbnamen stattfindet, erlaube zum ersten Mal, der engen Kopplung von Farbnamen und -wahrnehmung eine anatomische Grundlage zuzuordnen, sagen die Wissenschaftler.

hda/dapd



insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
kiu77 05.04.2011
1. So ein Schmarrn
Was bedeutet diese Volumenzunahme? Mehr Wasser? Bessere Durchblutung? Das ist nämlich äußerst interpretationsbedürftig und allein das Volumen sagt erstmal überhaupt gar nichts. Typisch für einen halbgaren SPON-Wissenschaftsartikel, dass relevante Infos und Einbettungen fehlen.
rebelheart 05.04.2011
2. Grün und Blau
Mich würde interessieren, in welchen Sprachen es keine verschiedenen Worte für grün und blau gibt, weiß das jemand?
tafkar, 05.04.2011
3. Das Hirnvolumen
Zitat von kiu77Was bedeutet diese Volumenzunahme? Mehr Wasser? Bessere Durchblutung? Das ist nämlich äußerst interpretationsbedürftig und allein das Volumen sagt erstmal überhaupt gar nichts. Typisch für einen halbgaren SPON-Wissenschaftsartikel, dass relevante Infos und Einbettungen fehlen.
sagt bei allen bekannten Lebewesen -außer Frauen- eine ganze Menge über das kognitive Potential aus.
Bala Clava 05.04.2011
4. Platz ist in der kleinsten Birne
Zitat von sysopBeim Lernen kann das Gehirn Erwachsener erstaunlich schnell größer werden. Dies haben Forscher bei Freiwilligen beobachtet, die neue Farbbegriffe büffelten. Schon nach knapp zwei Stunden Training war die Großhirnrinde gewachsen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,755151,00.html
Geht aber nur bei Leuten, bei denen reichlich Luft im Kopf ist. Bei mir keine Chance, ist schon alles voll.
einuntoter 05.04.2011
5. Kuckst Du hier
Zitat von rebelheartMich würde interessieren, in welchen Sprachen es keine verschiedenen Worte für grün und blau gibt, weiß das jemand?
http://de.wikipedia.org/wiki/Gr%C3%BCn_und_blau_in_verschiedenen_Sprachen
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