Großstudie Ein Drittel der Deutschen klagt über eigenen Gesundheitszustand

Durchwachsenes Ergebnis einer umfangreichen Befragung: Die meisten Bundesbürger erfreuen sich zwar guter Gesundheit. Doch eine große Anzahl klagt über die eigene Verfassung. Unter chronischen Erkrankungen leiden vor allem Frauen.
Familie: Frauen und Männer fühlen sich in etwa gleich gesund.

Familie: Frauen und Männer fühlen sich in etwa gleich gesund.

Foto: Ken Liu/ picture-alliance/ dpa/dpaweb

Berlin - Die Mehrheit der Deutschen erfreut sich guter Gesundheit. Das ergab eine telefonische Befragung des Robert Koch-Instituts (RKI)  unter rund 21.200 Menschen in Deutschland. Rund 70 Prozent der Befragten schätzen ihren eigenen Gesundheitszustand als gut oder sehr gut ein. Knapp ein Drittel der Teilnehmer jedoch bewertet die eigene Verfassung als mittelmäßig oder schlecht. Jeder zehnte Bundesbürger ist gar durch Krankheit gesundheitlich erheblich eingeschränkt.

Menschen mit niedrigem Bildungsstatus schätzen ihre Gesundheit in der Regel seltener als sehr gut oder gut ein als diejenigen mit mittlerem oder höherem Bildungsstatus. Etwa jeder Dritte aller Befragten klagt über gesundheitsschädigende Bedingungen am Arbeitsplatz. Bei den über 65-Jährigen musste ein knappes Viertel innerhalb der letzten zwölf Monate ins Krankenhaus.

Frauen und Männer fühlen sich in etwa gleich gesund: Unter den Frauen schätzen 68 Prozent ihre Gesundheit als gut oder sehr gut ein, bei den Männern sind es 73 Prozent. Allerdings leiden Frauen häufiger unter chronischen Erkrankungen.

Insgesamt leiden weniger Deutsche unter chronischen Erkrankungen als noch vor Jahren. Etwa jeder Dritte klagt über Bluthochdruck, nur neun Prozent hingegen über Diabetes mellitus, sechs Prozent über chronische Arthritis. Acht Prozent berichten, sie hätten verengte Herzkranzgefäße. Die Jüngeren sind indes seltener chronisch krank als noch vor einigen Jahren.

Gesünder leben

Mehr Deutsche als früher versuchen, gesund zu leben. Das Ernährungsverhalten entwickelte sich positiv, berichtet das RKI: Fast jeder Zweite isst mindestens einmal pro Woche Gemüse. Zwei von drei Deutschen gaben an, täglich Obst zu essen. Der Anteil der Obst- und Gemüseverweigerer ist mit 1,6 beziehungsweise 0,5 Prozent verschwindend gering. Die Ernährung zeigt Wirkung: Vier von fünf Deutschen haben gesunde Cholesterinwerte.

Vor allem jüngere Menschen rauchen inzwischen seltener, 44 Prozent bezeichnen sich als Nichtraucher. Gleichwohl greifen knapp 30 Prozent der Bundesbürger gelegentlich zur Zigarette. Beim Alkoholkonsum zeigen sich Unterschiede zwischen den Altersgruppen. Unter den 18 bis 30-Jährigen wird laut Umfrage anteilsmäßig am häufigsten Alkohol getrunken: Mehr als 37 Prozent der Jüngeren gaben an, viel Alkohol zu trinken. Etwa 20 Prozent der Deutschen trinken nie Alkohol.

Der Anteil der sportlich aktiven Menschen hat der Erhebung zufolge seit 2003 um vier Prozentpunkte zugenommen. Um fit zu bleiben, ist etwa jeder Fünfte fünf Mal pro Woche mindestens eine halbe Stunde körperlich aktiv, sei es bei der Gartenarbeit oder bei der Fahrt mit dem Fahrrad ins Büro. Mehr als die Hälfte bewegt sich laut Umfrage allerdings weniger als 2,5 Stunden pro Woche.

Die meisten Deutschen lassen ihre Gesundheit regelmäßig prüfen. 88 Prozent der Befragten hatten in den zwölf Monaten zuvor einen Arzt in Anspruch genommen. Jeder dritte Deutsche geht regelmäßig zur Impfung.

Für die Studie wurden die Teilnehmer zwischen Juli 2008 und Juni 2009 zu ihrem Gesundheitszustand, Befinden und ihren Lebensgewohnheiten befragt. Die Befragung "GEDA 2009" ist Teil des RKI-Gesundheitsmonitorings im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums und dient der kontinuierlichen Beobachtung von Gesundheit, Risikofaktoren und Krankheiten in der Bevölkerung.

boj/awe/AFP
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