Seuche in Kambodscha Forscher verdächtigen Virus als Auslöser

In Kambodscha sind seit April 52 Kinder an einer rätselhaften Krankheit gestorben. Forscher vermuten jetzt, dass es sich um eine aggressive Variante eines bekannten Leidens handelt - der Hand-Fuß-Mund-Krankheit.

Ärztliche Untersuchung in Phnom Penh, Kambodscha: Mysteriöser Krankheitsausbruch
AFP

Ärztliche Untersuchung in Phnom Penh, Kambodscha: Mysteriöser Krankheitsausbruch


Normalerweise beginnt die Krankheit mit Fieber, Appetitlosigkeit, Unwohlsein. Im Mund bilden sich kleine, rote Stellen, die sich zu Blasen entwickeln - und schmerzen. Gleichzeitig überzieht ein Ausschlag Hände und Fußsohlen, manchmal auch den Genitalbereich. Hand-Fuß-Mund-Krankheit heißt die Infektion daher, die vor allem kleine Kinder ereilt. In den meisten Fällen klingt das Leiden ohne Komplikationen wieder ab.

Es gibt verschiedene Viren, die die Hand-Fuß-Mund-Krankheit auslösen. Ein besonders aggressiver ist das Enterovirus 71 (EV-71). Forscher vermuten, dass dieser Erreger eine Krankheitswelle in Kambodscha ausgelöst hat, an der seit April 52 Kinder gestorben sind. Insgesamt betroffen waren 59. Die meisten waren unter drei Jahre alt, berichtet die Weltgesundheitsorganisation WHO, die die Vorfälle zusammen mit dem kambodschanischen Gesundheitsministerium untersucht.

Die meisten betroffenen Kinder hätten unter Fieber und Atemproblemen gelitten, einige auch unter neurologischen Störungen. Der typische Ausschlag sei dagegen nur bei einem kleinen Teil der jungen Patienten aufgetreten. Möglicherweise hätten von Ärzten verordnete Steroide dem Ausschlag entgegengewirkt.

Keine Schutzimpfung möglich

Bei den meisten Kindern wurde EV-71 nachgewiesen, berichtet die WHO. Bei einigen fanden sich zudem Spuren des Erregers von Dengue-Fieber sowie Streptococcus suis - Bakterien, die eine Hirnhautentzündung auslösen können. Hundertprozentig sicher sind sich die Behörden also noch nicht, dass EV-71 die Krankheitswelle verursacht hat. Einige Erreger konnten sie dagegen schon definitiv ausschließen, darunter das Vogelgrippevirus H5N1, das Nipah-Virus sowie Sars.

Die Hand-Fuß-Mund-Krankheit wird per Tröpfcheninfektion übertragen, also beispielsweise beim Husten oder Niesen. Eine Schutzimpfung dagegen existiert ebenso wenig wie eine spezifische Therapie.

2011 löste EV-71 in Vietnam eine Epidemie aus: 110.000 erkrankten, 166 starben. In China kamen in diesem Jahr bei einem Ausbruch der Hand-Fuß-Mund-Krankheit 240 Menschen ums Leben.

wbr/AP



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